Martin Habersaat
Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine Damen und Herren! Hamburg macht es seit ein paar Jahren vor. Alle viereinhalbjährigen Kinder werden dort zu einem Screening eingeladen. Alle Kinder werden dahin gehend untersucht, was auf dem Weg zur Einschulung noch fehlt, und dann mit verbindlichen Förderangeboten versehen. Andere Länder konzentrieren sich auf die Kinder, die nicht in einem Kindergarten sind, weil sie sagen: In einer Kita werden ja alle Kinder gesehen und im besten Fall gefördert. Also schauen wir uns alle Kinder an, die keine Kita besuchen und haben so alle Kinder im Blick. In Schleswig-Holstein werden nicht alle Kinder in den Blick genommen. Sie haben sich dafür entschieden, mit Kitakindern anzufangen, was das Screening von Viereinhalbjährigen angeht. Sie nehmen in Kauf, dass die Schuleingangsuntersuchungen in Schleswig-Holstein seit Jahren nicht flächendeckend stattfinden. Sie nehmen in Kauf, dass die Auswertungen der Schuleingangsuntersuchungen bei uns erst mit jahrelanger Verzögerung veröffentlicht werden, meine Damen und Herren. Es sind drei Ministerien, die hier im Brei herumrühren. (Martin Habersaat) In Ihrem Alternativantrag tun Sie kund, dass Sie daran eigentlich auch nichts ändern wollen. Man muss es leider so deutlich sagen: Was Sie da betreiben, ist Zeitspiel auf Kosten der Jüngsten. (Beifall SPD) Der Bericht zu den Schuleingangsuntersuchungen, die in den Jahren 2022 und 2023 stattgefunden haben, ist jetzt, im Sommer 2025, veröffentlicht worden. Es steht durchaus Interessantes darin, zum Beispiel auch zur Statistik der Familien in Schleswig-Holstein. 82,2 Prozent der Familien in Schleswig-Holstein bestehen aus zwei Eltern und zwei Kindern. 68,5 Prozent der Familien in Schleswig-Holstein haben keinen Migrationshintergrund. In 59,5 Prozent der Familien ist die Erwerbssituation so, dass ein Elternteil in Vollzeit und der andere Elternteil in Teilzeit arbeitet. 12,9 Prozent der Eltern in Schleswig-Holstein sind alleinerziehend. Wir können über Jahre verfolgen, wie der Anteil der Kinder steigt, deren im Haushalt gesprochene Sprache nicht Deutsch ist. Wir können, wenn wir die ersten Erkenntnisse der aktuellen Untersuchungen 2024/2025 zugrunde legen, über die Jahre hinweg bestimmte Tendenzen feststellen, zum Beispiel einen zu hohen Medienkonsum schon bei den Kleinsten, geringe grobmotorische Kompetenzen, eine sinkende Sprachkompetenz und steigende Beratungsbedarfe bei den Eltern. Eine mögliche Maßnahme wäre, Sprachförderung flächendeckend massiv und überall zu fördern. Leider haben Sie sich für einen sinkenden Fachkräfteschlüssel in den Kitas entschieden. Es wäre möglich, die Elternarbeit in den Familienzentren auszubauen. Leider leiden die Familienzentren seit Jahren darunter, dass sie nicht einmal die steigenden Inflationskosten erstattet bekommen und die Stundenanteile ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter runterfahren müssen. Man könnte Medienbildung in Kita und Schule flächendeckend stattfinden lassen. Leider haben Sie sich dafür entschieden, auf ein Handyverbot in der Schule zu setzen, um Symptome zu unterdrücken. 2022/2023 ist acht Prozent der Kinder empfohlen worden, ein DaZ-Zentrum zu besuchen. Leider ist DaZ einer der Bereiche, die Sie sich ausgesucht haben, um im Bildungsbereich zu sparen, weniger Ressourcen hineinzustecken. Wir stellen fest, dass es mehr Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern gibt, vor allem bei den Jungen. Leider gibt es immer noch nicht an allen Schulen in Schleswig-Holstein Schulsozialarbeit. Leider haben Sie sich entschieden, das auch so lassen zu wollen. Meine Damen und Herren, in 42 Tagen – ich weiß nicht, ob Ihnen das klar ist – läuft die Landesverordnung über schulärztliche Aufgaben in Schleswig-Holstein aus. Das ist Ihre Chance, um an den Dingen, die ich gerade beschrieben habe, etwas zu ändern und Verbesserungen zu erzielen. (Beifall SPD) Vier konkrete Verbesserungen habe ich Ihnen in dem Antrag aufgeschrieben. Lassen Sie die Untersuchungen bei allen Kindern stattfinden. Es sind schließlich alle Eltern verpflichtet hinzugehen. Warten Sie nicht jahrelang, bis Sie Ergebnisse präsentieren. Legen Sie uns Maßnahmenvorschläge zu den Ergebnissen vor. Bitte nehmen Sie Kinder in Risikolagen besonders in den Blick. Ich weiß, wir haben Startchancen-Schulen in Schleswig-Holstein. Sie wissen aber auch, nicht alle Kinder in Schleswig-Holstein besuchen eine Startchancen-Schule. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD)
