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Kianusch Stender

SPD 19.06.2025 Sitzungen 20/91

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleg_innen! Der Bericht, über den wir heute sprechen, stammt aus dem März 2025. Er wurde hier ein paar Mal geschoben. Deswegen die guten Nachrichten zuerst: So, wie sich der Bericht liest, hat die Landesregierung wahrscheinlich auch in den vergangenen drei Monaten nichts Nennenswertes im Bereich E‑Sports gemacht, weshalb das Dokument noch brandaktuell sein sollte. Das andere Positive ist: Wäre der Bericht erst vor einer Woche rausgekommen, stünde darin wahrscheinlich, dass E‑Sport für unter 16‑Jährige verboten werden soll. (Heiterkeit Martin Habersaat [SPD]) Das würde zumindest genau in die medienpolitische Agenda passen, die ich diese Woche hier vernommen habe. (Zuruf Patrick Pender [CDU]) Die Landesregierung legt in ihrem Bericht einige gute Grundlagen dar, vor allem mit Blick auf das LEZ.SH, die Regionalzentren und die Arbeit des EVSH – dafür, Frau Ministerin: Anerkennung. Aber der Bericht bleibt oft im Status quo. Deswegen muss ich ein bisschen Wasser in den Wein dieser Debatte gießen. Mir fehlen Ihre Ideen, wie es nun weitergehen soll. Ich erinnere mich noch daran, dass hier einmal ganz andere Töne – vor sechs Jahren, es wurde gerade angesprochen – in der Debatte angeklungen sind. Damals hat man die Ärmel hochgekrempelt und Pioniergeist versprüht, und jetzt sprechen die Projektzahlen eine klare Sprache: von 22 Projekten im Jahr 2019 auf nur noch fünf im Jahr 2024 – trotz wachsender Nachfrage, trotz steigender gesellschaftlicher Relevanz. (Kianusch Stender) Ich möchte deshalb hier ein paar sehr konstruktive Vorschläge machen, (Annabell Krämer [FDP]: Ja, dann mach!) wie man nun – trotz knapper Haushalte, Frau Krämer – vom Status quo wieder wegkommt und E‑Sports weiter nach vorne treibt. Im Bereich der Anerkennung verweisen Sie auf den DOSB und ziehen sich aus der Debatte weitestgehend zurück. Ich habe da zumindest nichts vernommen. Dabei gäbe es andere Möglichkeiten als dieses Schwarz und Weiß: „E‑Sport ist Sport – ja oder nein?“. Andere Bundesländer zeigen, was geht. In Nordrhein-Westfalen etwa ist der E‑Sport fest in der Digitalstrategie verankert. In Bayern wurde im Rahmen des Programms ReStart Sport auch E‑Sport strukturell mitgedacht. Hamburg unterstützt gezielt studentische E‑Sport-Initiativen an Hochschulen. So etwas fehlt mir bei uns. Dabei wäre es gerade jetzt wichtig, auf Landesebene ein eigenes sportpolitisches Leitbild zum E‑Sport zu entwickeln; nicht – das betone ich ausdrücklich –, um dem DOSB Konkurrenz zu machen, sondern um klarzumachen: E‑Sport hat sportliche Komponenten, verdient Anerkennung, verdient Förderung und Integration. (Beifall SPD, vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Beifall Sybilla Nitsch [SSW]) Ich würde mir nach Ihren Ausführungen tatsächlich mehr Engagement in Sachen Gemeinnützigkeit wünschen. Dass die gesetzliche Zuständigkeit beim Bund liegt, ist richtig, aber Ihr Bericht zeigt, dass sich die Landesregierung bisher darauf ausgeruht hat: keine Bundesratsinitiative, kein Schreiben an das Bundesministerium – zumindest keines, was ich kenne –, kein Druck. Bitte lassen Sie also Ihren heutigen Worten Taten folgen, und schieben Sie das Thema aktiv mit an! – Uns haben Sie an Ihrer Seite. (Beifall SPD und Sybilla Nitsch [SSW]) Die Pläne zur E-Sports-Akademie an der FH Westküste – sie wurden hier gerade kurz angesprochen – wurden mit dem Hinweis auf die Kosten fallengelassen. Ich kann es verstehen: 250.000 Euro jährlich, und, ja, unsere Haushaltslage ist angespannt. Aber statt das Projekt zu beerdigen, hätten wir erwartet: Einwerben von Drittmitteln, Beteiligung von Hochschule und Wirtschaft. Warum nicht eine Professur in Kooperation mit bestehenden Studiengängen aufbauen, zum Beispiel mit Schwerpunkt Digitales Sportmanagement? – Kleine Schritte statt Totalausstieg wären angesagt, und ich bin mir sicher, dieses Projekt hätte Erfolg. Dann möchte ich einen Punkt ansprechen, der uns als Sozialdemokratie besonders wichtig ist. Der unterscheidet uns von Ihrem Abfeiern von Cristiano Ronaldo und dem ganzen Kommerz in diesem Feld, Herr Pender. Wir sehen im E‑Sport eine enorme wirtschaftliche Dynamik, aber damit einhergehend auch eine echte Gefahr. Denn wenn wir nicht aufpassen, dann übernehmen globale Tech Konzerne wie Nvidia, Tencent oder Activision Blizzard nicht nur die großen Leistungszentren und die Meisterschaften, von denen Herr Balke gerade gesprochen hat, sondern die komplette Infrastruktur. Dann bestimmen nicht mehr Pädagogen, Trainerinnen und Ehrenamtliche, was gespielt und wie trainiert wird, sondern nur kommerzielle Interessen. Das kann nicht unser Interesse sein. (Beifall SPD, vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW) Darum lautet unsere zentrale Forderung: Stärken Sie Vereinsstrukturen, stärken Sie den EVSH, aber auch kleine lokale E‑Sport-Gruppen, Schulinitiativen und Jugendzentren! Unterstützen Sie zum Beispiel beim Zugang zu kommunalen Räumen – das kostet kaum Geld, wirkt aber unmittelbar. Wir merken: Es gibt noch einiges an nicht ausgeschöpftem Potenzial. Ich bitte Sie, Frau Ministerin, das Thema nicht hintenüber fallen zu lassen, den vielen ehrenamtlichen Kräften im E‑Sport zuliebe – die hätten es verdient. – Vielen Dank. (Beifall SPD und Jasper Balke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

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