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Kristina Herbst

23.05.2025 Sitzungen 20/89

Für die Landesregierung hat nun in Vertretung für Ministerin Aminata Touré Ministerin Dr. Schneider das Wort. Dr. Silke Schneider, Finanzministerin: Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Vorab möchte ich sagen, dass die Hausspitze des Sozialministeriums heute nicht hier ist, ist keine Missachtung des Parlaments und auch kein Desinteresse. Staatssekretär Albig ist als Vertreter der Ministerin bei der Jugend- und Familienministerkonferenz in Hamburg, und Staatssekretärin Schiller-Tobies ist der Einladung des Bundespräsidenten zum Thema Ehrenamt gefolgt. Sie war im Übrigen auch gestern noch hier, und das Thema war gestern gesetzt. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Älter werden ist eine Herausforderung. Das wurde ja ganz viel hier schon gesagt. Anders gesagt: Alt werden ist nichts für Feiglinge. Nicht nur man selbst und die eigenen Fähigkeiten verändern sich, auch die Gesellschaft geht anders mit einem um. Heute wächst eine Generation älterer Menschen heran, die selbstbestimmt, unabhängig und aktiv ist – oft bis ins hohe Alter. Deshalb ist Seniorenpolitik ein Querschnittsthema. Es geht um Wohnen, Gesundheit, Mobilität und mehr. Neben dem aktiven Altern haben wir uns seit dem letzten Jahr vermehrt dem vulnerablen Altern zugewandt, also den verletzlichen, den verwundbaren, den anfälligen, empfindlichen älteren Menschen. Hieraus ist die Entscheidung für die Strategie Maßnahmen gegen Einsamkeit entstanden: Unterstützung für all die Menschen, die nicht aktiv und unabhängig sind. Es braucht eine Seniorenpolitik, die Chancen sieht und Herausforderungen anerkennt. Mit diesem Ansatz arbeitet das Sozialministerium. Was bedeutet das konkret? – Wir fördern den Landesseniorenrat, die Sozialberatungen, Anlaufstellen in der Nachbarschaft und ehrenamtliche Nachbarschaftshilfen in vielen Varianten. Ältere Menschen können sich dort aktiv beteiligen oder Nutznießer_innen der Angebote sein. Und wir fördern Pflegestützpunkte in allen Kreisen und kreisfreien Städten, die zu Themen rund um die Unterstützung von Menschen mit und ohne Pflegebedarf beraten. Über den Sozialvertrag unterstützen wir die Wohlfahrtsverbände finanziell, die ihrerseits Angebote zur Freizeitgestaltung, Beratung und Unterstützung bereitstellen. Bei der Akademie für ländliche Räume finanzieren wir eine Stelle, die für aktuell 70 Dorfkümmerer und ‑kümmererinnen aktiv sind, die eine Vernetzungsstruktur aufbauen und Fortbildungen organisieren. Außerdem gibt es 13 Mehrgenerationenhäuser: Orte der Gemeinschaft, die wir in Form von Beratung, Vernetzung und Fortbildung unterstützen. Das ist nur ein Auszug aus einem dichten Netz an Maßnahmen, die sinnvoll ineinandergreifen und sich gegenseitig ergänzen, schon jetzt. Weitere Maßnahmen hat das Land in einem Bericht über selbstbestimmtes Altern dargestellt. Die Empfehlungen und Ziele daraus sind immer noch aktuell und werden weiter verfolgt. Meine Damen und Herren, für uns geht es darum, ältere Menschen aktiv in die Mitte unserer Gesellschaft zu holen, weg aus der Einsamkeit, von der viele betroffen sind. Genau deshalb ist unsere Studie zum Thema Einsamkeit im Alter so wichtig. Wir haben gemeinsam mit der Universität zu Lübeck gefragt: Wie häufig haben Sie das Gefühl, dass Ihnen die Gesellschaft anderer fehlt? Wie häufig haben Sie das Gefühl, außen vor zu sein? Wie häufig fühlen Sie sich sozial isoliert? Die Ergebnisse erwarten wir im Juli. Sie werden die Grundlage für unsere nächsten Überlegungen und Schritte sein. Wir begrüßen es sehr, dass das Thema heute nicht sein Ende findet, sondern im Sozialausschuss weiter beraten wird. Die Ergebnisse daraus werden unsere Studienergebnisse mit Sicherheit sinnvoll ergänzen. (Ministerin Dr. Silke Schneider) Bei der Vermeidung von Einsamkeit und Teilhabe an der Gesellschaft liegt übrigens vor allem auf dem Thema Digitalisierung ein Hauptaugenmerk. Denn ein Großteil des gesellschaftlichen Miteinanders findet inzwischen im digitalen Raum statt. Man erfährt dort, wo und wann welche Veranstaltung stattfindet, und kann mit seinen Liebsten über Fotos und Nachrichten in Kontakt bleiben. Aber so viele Chancen und Möglichkeiten der digitale Raum auch bietet, viele ältere Menschen fühlen sich abgehängt. (Beifall Werner Kalinka [CDU]) Sie kommen mit den schnellen Entwicklungen nicht mit oder haben keinen Zugang dazu. Es gibt daher inzwischen viele Angebote von Vereinen und von Verbänden, von Seniorenbeiräten und Volkshochschulen, was den Umgang mit Handy und Co. angeht. Ich kann mir vorstellen, dass viele Menschen sich allerdings scheuen, solche Angebote wahrzunehmen, sei es aus Unsicherheit, aus Scham oder aus gesundheitlichen Einschränkungen. Deshalb haben wir das Projekt Digitale Gesandte ins Leben gerufen. In Kooperation mit dem Sozialverband Deutschland und mit der Förderung des Deutschen Hilfswerks bringen wir digitale Bildung direkt zu den Menschen nach Hause. Pilotstandorte sind Kiel und der Kreis Dithmarschen. Wenn wir über Seniorenpolitik sprechen, sprechen wir auch über unsere gemeinsame Zukunft. Es geht um Wohnen, Gesundheit, Mobilität, Lebensunterhalt, soziale und kulturelle Teilhabe und so vieles mehr. Wir setzen deshalb auf Lösungen, die begleiten, die stärken und verbinden, damit das Älterwerden nicht einsam macht, sondern getragen wird von Gemeinschaft, von gemeinsamen Räumen für Austausch und Verständnis, von Respekt im Miteinander der Generationen. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und Dr. Michael Schunck [SSW])

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