Martin Habersaat
Vielen Dank, Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der Kollege Krüger hat mich gefragt, an wen ich denn gedacht habe, als ich einen Neustart für die Bildung in Schleswig-Holstein gefordert habe, und was ich geglaubt habe, wer Ministerin wird. – Ich wusste es nicht. Ich wollte heute eigentlich nicht davon anfangen, aber jetzt tue ich es doch. Ich frage mich, was Karin Prien glaubte, wer ihre Nachfolgerin wird, als sie eine Woche vor der letzten Ausschusssitzung dem Ausschussvorsitzenden einen Brief schrieb mit der Bitte, alle Tagesordnungspunkte von der Tagesordnung des Bildungsausschusses zu nehmen, damit die Nachfolgerin sich erst einarbeiten könne. (Beifall SPD, FDP und SSW – Lachen Dr. Heiner Garg [FDP]) Aber wir sind jetzt hier, um über die Zukunftschancen junger Menschen zu reden. Liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU, es ist kein Erfolg, wenn weniger junge Menschen das Abitur absolvieren. Es ist kein Erfolg, wenn die Abiturquote in Schleswig-Holstein schlechter wird. Es ist kein Erfolg, wenn hinterher weniger Leute mit guten Studienaussichten in die ganze Republik starten. Es (Martin Habersaat) ist auch kein Erfolg, wenn die Schulabbruchzahlen insgesamt steigen. Es ist auch kein Erfolg, wenn der Unterrichtsausfall steigt. Und ja, nicht jede Stunde fällt ersatzlos aus. Oftmals gibt es stattdessen nicht planmäßig erteilten Unterricht. Was heißt denn das? – Das heißt ganz oft: EVA, eigenverantwortliches Arbeiten. Da sitzen Schülerinnen und Schüler eigenverantwortlich in der Klasse und arbeiten. Das kann super gut funktionieren, wo es eingeübt ist, das kann aber auch nicht so gut funktionieren. Das können Ihnen die Lehrkräfte, die – in welcher Funktion auch immer – mal an einer Schule waren, ausführlich berichten. Das heißt ganz oft auch, vor allem an Grundschulen: drei Klassen in der Sporthalle. Das ist dann eine nicht planmäßig stattgefundene Stunde. De facto sind es aber drei ausgefallene Stunden, weil in dem Moment natürlich nichts gelernt wird. Meine Damen und Herren, Sie wissen auch, dass Sie die Unterrichtsversorgung in Schleswig-Holstein erst verbessert haben, um sie momentan wieder zu verschlechtern. Sie wissen, dass Sie den Unterrichtsbedarf senken, weil Sie die Zahl der zu unterrichtenden Stunden senken. Sie wissen, dass das, was Sie bei den Viereinhalbjährigen machen, nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Frau Midyatli hat eine Zahl genannt, ich nenne eine andere. Wir haben ungefähr 25.000 Viereinhalbjährige in Schleswig-Holstein – 25.000. Wie viele davon werden diese Spracheingangsuntersuchungen machen? – Nicht einmal 100 wahrscheinlich. Das ist doch nichts! Sie wissen, dass Sie sich gerade im DaZ-Bereich eigentlich keine Kürzungen hätten erlauben müssen. Sie wissen wahrscheinlich auch: Wenn es nach Leistung gegangen wäre, nach erfolgreicher Arbeit im Amt eines Bildungsministers oder einer Bildungsministerin, müsste jetzt eigentlich Ties Rabe Bundesbildungsminister sein. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD, Jette Waldinger-Thiering [SSW] und Anne Riecke [FDP] – Christopher Vogt [FDP]: Wenn es immer danach ginge!)
