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Kristina Herbst

22.05.2025 Sitzungen 20/88

Für die Landesregierung erteile ich nun der Ministerin Dr. Dorit Stenke das Wort. (Unruhe) Dr. Dorit Stenke, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur: Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordneten! Ich freue mich sehr über diese Diskussion, weil ich finde, es sind total viele wichtige Punkte angesprochen und genannt worden. Ich gehe gleich im Einzelnen darauf ein. Ich finde auch, dass (Ministerin Dr. Dorit Stenke) diese zusammengefasste Debatte schon an sich eine zentrale Botschaft enthält – das haben wir in diesem Raum jetzt schon ein paar Mal gehört –, nämlich dass es kein einziges Patentrezept, nicht die eine Maßnahme gibt, die es richten wird. Worauf es ankommen wird, ist wirklich ein schlauer Mix, ein schlaues Konzept, wie wir Lehrkräftebildung weiterentwickeln und wie wir damit die Lehrkräfteversorgung sichern. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich finde – das wird Sie nicht überraschen –, dass wir in letzter Zeit viele Maßnahmen dazu aufgelegt haben. Ich gehe gleich noch im Detail darauf ein. Ich finde es auch absolut richtig – auch das kommt ja immer wieder zum Ausdruck –, dass wir die Maßnahmen stetig evaluieren, sie weiterentwickeln und sie, wenn sie nicht funktionieren, sein lassen. Auch das finde ich absolut wichtig, weil wir mit begrenzten Mitteln unterwegs sind – so wie wir das im Leben immer haben. Deswegen finde ich es richtig, dass wir genau so vorgehen. Ich zeige auch gleich auf, an welchen Stellen wir das schon getan haben. Wir müssen dabei – auch das ist sehr, sehr wichtig – alle drei Phasen der Lehrkräftebildung im Blick haben, damit wir es schaffen, neue Personengruppen für das Lehramt aufzuschließen, und damit wir diejenigen, die wir schon im System haben, die schon an unseren Schulen arbeiten, dabei nicht aus dem Blick verlieren. Das heißt, es kommt auch auf die dritte Phase an, über die wir hier bisher noch ganz wenig gesprochen haben. Wir haben dazu ja tatsächlich einen Handlungsplan Lehrkräftegewinnung auf den Weg gebracht. Zahlreiche Maßnahmen der Allianz sind jetzt schon auf dem Weg, funktionieren, werden umgesetzt und sind zum Teil auch schon evaluiert. Auf sie kann ich an dieser Stelle jetzt nicht im Detail eingehen. Deswegen danke ich den Hochschulen, die sich an dieser Allianz beteiligen und ihre Energie dort einbringen, um gemeinsame Maßnahmen zu entwickeln, sehr. Die Vorsitzende der Allianz, Frau Professor Parchmann, ist eine Person, die wirklich sehr schlau mit diesen Themen umgeht und die Landesregierung sehr gut dabei berät, welche Maßnahmen wir in Angriff nehmen sollen und welche eben nicht. Dabei geht es auch um Geld für die Universitäten: Dabei geht es um Geld für die EUF, dabei geht es um Geld für die CAU, aber auch für die Musikhochschule und die Muthesius Kunsthochschule. In der Diskussion um die EUF, die gerade aufgemacht wurde, gab es eine einzige Perspektive, nämlich die Perspektive der GEW. Ich finde es völlig legitim, dass wir uns mit dieser Perspektive auseinandersetzen, aber es ist nur eine Perspektive. Es gibt eine Perspektive der Leitung der EUF, es gibt eine Perspektive des Wissenschaftsministeriums zu diesem Thema. Und die sieht anders aus. Wenn wir fair miteinander diskutieren wollen, sollten wir alle Perspektiven in den Blick nehmen. Gerade über die Mittel der Allianz für Lehrkräftebildung gibt es zusätzliches Geld für die Lehrkräftebildung, und es gab auch in den vergangenen Jahren schon zusätzliches Geld für die Lehrkräftebildung, und zwar zu ziemlich gleichen Teilen für die EUF und die CAU. Das kommt in diesem Bericht nicht mit einem Halbsatz vor, und deswegen ärgere ich mich sehr darüber. Dort wird eben nur die halbe Wahrheit berichtet. Ein weiterer Teil der Wahrheit ist, dass die EUF von dem neuen Grundversorgungssystem, von dem neuen Rechensystem profitiert und das auch weiß. Auch die EUF-Leitung wurde in diesem Bericht nicht zitiert. Ich glaube, es ist nicht so fair, das der Landesregierung ins Themenheftchen zu schreiben, weil es nicht das gesamte Bild zeichnet, und darüber haben wir ja auch im Bildungsausschuss in der vergangenen Woche diskutiert. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Unser Engagement in diesen Bereichen zahlt sich tatsächlich aus: Zum vergangenen Schuljahr konnten wir 99,5 Prozent der Stellen besetzen. Das ist ein Teil der Wahrheit, und es gibt noch einen zweiten. Das räume ich absolut ein. Nicht alle Stellen sind mit ausgebildeten Lehrkräften besetzt. Manche Stellen sind mit anderen Professionen besetzt. Und es gibt regionale Lücken und weitere Bedarfe. Ja, das ist richtig, das haben wir auch nie verschwiegen, das haben wir immer benannt. Wir arbeiten genau daran, diese Lücken zu schließen und die Lücken möglichst kleinzuhalten. Dabei geht es eben auch um Maßnahmen, die zu einer besseren Verteilung der Lehrkräfte im gesamten Land führen. Deswegen freue ich mich sehr, dass Abordnung Plus als Konzept hier durchgehend begrüßt wird. Ich bin absolut dabei, dass wir es noch weiterentwickeln können, dass wir es noch besser machen können. Ich habe dem bisher an keiner Stelle widersprochen. Wir sind absolut der Meinung, dass es richtig ist, dass die Menschen, die wir einstellen, möglichst gute Bedingungen für (Ministerin Dr. Dorit Stenke) ihren Berufseinstieg haben, dass sie ihr Leben möglichst gut gestalten können. Deswegen werden wir diese Flexibilisierung umsetzen. Wir haben jetzt schon mit Einzelnen intensiv darüber gesprochen. Wenn es diese Beispiele gegeben hat, haben wir natürlich dafür gesorgt, dass eine andere Bedarfsschule angewählt werden konnte. Aber es musste eben eine Bedarfsschule sein und nicht irgendeine Schule im Land, denn dann hätten wir ja den Sinn der Maßnahme verfehlt. Auch das werden wir kontinuierlich weiterentwickeln. Deswegen werden wir die Flexibilisierung aufnehmen. Ich finde es eigentlich wirklich schade, Herr Habersaat, aber das mit den Vertretungsverträgen über drei Jahre können wir nicht machen, weil wir dann unsere Maßnahme konterkarieren würden. Das möchte ich gar nicht irgendjemandem zuschreiben. Aber wenn wir eine solche Stelle für drei Jahre ausschreiben würden, dann weiß ich, was passiert: Unsere Erfahrung ist, dass die Person dann eben nicht nach Geesthacht oder Wedel geht, sondern in Kiel bleibt, weil sie sich sagt: Dann mache ich drei Jahre Vertretungslehrkraft; anschließend bin ich an meiner Schule. – Dann hätte ich eben nicht die Möglichkeit, dieses kleine Bisschen der Steuerung noch in der Hand zu behalten. Deswegen können wir dem nicht folgen. Was mir jetzt gerade sozusagen eine Brücke gebaut hat, war Ihre Überlegung, doch zumindest für die Schule eine Erleichterung zu schaffen. Das will ich tatsächlich gerne mitnehmen. (Martin Habersaat [SPD]: Vielen Dank! – Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD) Mit Blick auf die Ausschreibung für die künftigen Bedarfe habe ich leider ein Problem mit der Landeshaushaltsordnung. Ich richte meinen Blick einmal an die Finanzministerin, die ganz bestimmt nicht begeistert wäre, wenn ich ihr erklären würde, dass ich, um Lehrkräfte im Land zu binden, schon mal ein paar – ich will gar nicht sagen 100, aber eine gute Handvoll – mehr Stellen bräuchte, die ich schon im Voraus besetzen dürfte. Das darf ich leider nicht, weil ich nur Menschen auf Stellen bringen darf, die ich tatsächlich im Haushaltsplan habe. Deswegen kann ich nicht über den Bedarf hinaus einstellen. Wir haben eine Vereinbarung darüber, wie wir diesem Lehrkräftebedarf entsprechen. Der Bedarf ist an die Schülerzahlen gebunden. Deswegen habe ich gar nicht die Möglichkeit, ein solches Vorgehen einer Vorratshaltung auf den Weg zu bringen, obwohl ich das, wenn Sie mich persönlich fragen, eine gute Idee finde. Aber es geht mit unseren rechtlichen Möglichkeiten leider einfach nicht. (Zuruf Beate Raudies [SPD] – Martin Habersaat [SPD]: An den Bedarfsschulen sind die Stellen doch da!) – Nein, die sind ja dann an der anderen Stelle. (Zurufe) – Genau, aber das können wir gerne noch vertiefen. (Zuruf Beate Raudies [SPD] – Unruhe) – Ich bin gerne bereit, das noch zu vertiefen. Ich finde auch, wir können noch weiter darüber nachdenken, ob wir es noch schlauer machen können. Ich freue mich über jeden Ratschlag dazu. Das sage ich ohne Polemik. Das ist wirklich so. Wir denken intensiv darüber nach, und ich glaube, das wissen Sie auch. Wir stellen intensiv Überlegungen an, wie wir die Situation verbessern können, und wenn uns etwas einfällt, wie wir das machen können, bin ich absolut dabei. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das Gleiche gilt für das duale Studium. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, Konzepte für ein duales Gesamtstudium zu entwickeln, weil auch diese Konzepte an den unterschiedlichsten Stellen sehr viele Nachteile haben. Einer der Nachteile ist – und das sehen wir gerade in den Ländern, die es machen –, dass wir die Menschen damit nicht in die Bedarfsregionen bekommen, weil wir sie zum Studium ja auch immer wieder an den Hochschulen haben müssen. Das heißt, wenn ich sie sehr weit entfernt an einer Schule einstelle, wo sie den einen dualen Part machen, dann müssen sie sehr weit in die Universitätsstadt reisen, um dort dann das Studium zu absolvieren. Das funktioniert einfach nicht. Das Problem haben die Kollegen in Sachsen-Anhalt gerade. Ich bin intensiv mit denen im Gespräch. Die überlegen sich gegenwärtig, wie sie das machen können. Wenn wir da auf weitere Ideen kommen, würde ich mich damit gern noch einmal auseinandersetzen. Sie wissen – Frau Waldinger-Thiering hat es eben erwähnt –: Wir haben schon zwei duale Masterstudien auf den Weg gebracht. Der eine davon ist wunderbar gelaufen, ist aber nach drei Jahren gewissermaßen ausgelaufen, weil es dann keine Nachfrage mehr gab. Das muss ich akzeptieren. Dann muss ich dafür nicht teure Stellen weiterfinanzieren. (Ministerin Dr. Dorit Stenke) (Christopher Vogt [FDP]: Woran lag das denn?) – Ja, das lag daran, dass wir die Personengruppe, die wir anwerben wollten, nicht mehr gefunden haben. Das ist tatsächlich noch nicht entschieden, aber die EUF überlegt jetzt – was ich schlau finde –, dass sie ein grundständiges Bachelorstudium für die berufliche Bildung anbietet. Dann kommen wir wieder in eine andere Situation. Da sind wir aber im Fluss und in der Dynamik; das ist das Ergebnis der Evaluation. Genauso stelle ich es mir vor, dass wir arbeiten. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ganz anders verhält es sich mit dem dualen Masterstudiengang in der Sonderpädagogik. Der ist super gut nachgefragt, der ist super gut evaluiert, und er erschließt neue Zielgruppen. Genau das wollten wir. Wir wollen nicht, dass die grundständig interessierten Lehrkräfte für die Sonderpädagogik alle in das duale Studium gehen. Die sollen grundständig Sonderpädagogik studieren, und das tun sie auch. Aber wir haben dort andere Berufe, wir haben andere Professionen, und die entscheiden sich nach ihrem ersten Bachelorabschluss für ein Lehramtsstudium. Das unterstützen wir im dualen Master, und das funktioniert sehr gut. Das werden wir weiter machen. Daraus werden wir weitere Erkenntnisse gewinnen, die uns dann – das ist ja das nächste wichtige Thema – sehr viel für die Verzahnung der drei Phasen der Lehrkräftebildung nutzen werden. Es ist nicht so simpel und trivial, wie es sich hier anhört. Deswegen kann ich verstehen, dass das noch sehr stark in einen Prüfauftrag gefasst ist. Denn wir müssen dazu tatsächlich intensiv mit den Universitäten sprechen. Sie wissen, dass wir sehr viel an unseren Schulen steuern können. Wir können sehr viel machen, was wir uns überlegen, wie wir an Schule die Themen weiterentwickeln. Aber bei den Universitäten verhält es sich anders. Da müssen Studiengänge umgebaut, da müssen sehr komplexe Strukturen verändert werden. Da geht es an Prüfungsordnungen, um Anerkennungsverfahren und natürlich um Praxisphasen. Das alles müssen und wollen wir gemeinsam mit den Universitäten entwickeln. Wenn ich mich jetzt hier hinstellte und sagte: „Wir machen das so und nicht anders“, würden Sie vielleicht applaudieren, aber die Unis würden mir sagen: Vergiss es, mache ich nicht, tue ich nicht. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Genau das will ich vermeiden. Ich will diese Themen gemeinsam mit den Universitäten entwickeln. Diesen ersten Schritt – diese Entwicklung anzugehen – sind wir tatsächlich gegangen. Das ist nämlich genau das, was wir vor zwei Monaten getan haben. Wir haben einen Kongress durchgeführt, wir haben uns dort zusammengesetzt. Wir haben eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die jetzt daran arbeitet und genau das zum Ziel hat. Denn dieses Ziel teile ich absolut: Die Lehrerbildung muss von Anfang an praxisorientierter sein. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP, SSW und vereinzelt SPD) Sie muss Praxisphasen einbeziehen, und vor allen Dingen müssen die Studierenden diese Praxisphasen reflektieren können. Dafür müssen wir an dieser Stelle die Ressourcen aus den Phasen der Lehrerbildung ein bisschen stärker zusammenbringen. Das wird Synergieeffekte haben, weil wir dann nämlich über Modularisierung auch Anerkennungsstrukturen schaffen, sodass eben ein bestimmtes Modul nicht zweimal gemacht werden muss, nur weil es zufällig zweimal in der Ausbildung vorkommt. Das wollen wir, weil es für die Studierenden attraktiv ist. Das ist für ihr Lernen attraktiv und wird das Lehramtsstudium besser machen. Davon sind wir sehr überzeugt. Ich weiß, dass die Universitäten diesen Weg jetzt mit uns gemeinsam gehen wollen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Patrick Pender [CDU]: Sehr gut!) Wenn wir diesen Weg, diese Debatten, diese Auseinandersetzungen gemeinsam weiterführen, wenn wir unser Wissen, unsere Überlegungen und Erfahrungen zusammenschmeißen und das Thema dann tatsächlich im Bildungsausschuss noch einmal vertiefen und intensiver diskutieren – was zu sagen mir an dieser Stelle ja gar nicht zusteht; aber ich würde mich freuen, wenn es der Fall wäre –, dann können wir die Ideen noch besser bündeln. Wir werden uns auch freuen, Ihnen bei nächster Gelegenheit einen nächsten Baustein vorzustellen, der sehr viele Elemente aus der Arbeit der Allianz enthalten wird. Dann wird sehr gut deutlich werden, wie viel wir in der Zwischenzeit schon erreicht haben und dass wir auf einem sehr, sehr guten Weg sind. – Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und SSW)

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