Martin Habersaat
Vielen Dank, Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr Balasus, jetzt waren wir fast schon in einem Dialog, aber das können wir im Ausschuss (Martin Habersaat) vertiefen. Ich will nur meine Fragen noch einmal verdeutlichen. Erstens. Sie nehmen die beliebtesten Schulen in Schleswig-Holstein gewissermaßen als Köder. Lehrkräfte, die dahin wollen, müssen vorher drei Jahre an eine ungeliebte Schule. Das ist im Prinzip okay. Aber Sie versetzen damit die beliebten Schulen in die Lage, dass sie, wenn sie eine Lehrkraft einstellen, die sie nicht sofort bekommen, die für drei Jahre wegmuss, drei Jahre lang eine Lücke haben, die sie per Vertretung füllen müssen. Und just in dieser Zeit verschärft das Ministerium die Regelungen für Vertretungslehrkräfte und macht es schwerer, Vertretungslehrkräfte einzustellen. Das heißt, der Zeitraum ist verkürzt, für den die Schulen diese Leute einstellen dürfen. Meine Bitte ist, mindestens für die Abordnung-Plus-Fälle zu überlegen, ob man dafür nicht erleichterte Vertretungen schaffen könnte. (Beifall SPD und FDP) Die Ministerin hat das Problem verstanden, da bin ich mir sicher. Zweitens. Wenn ich Schulleiter einer beliebten Schule bin und eine 64-jährige Mathelehrkraft habe, von der ich weiß, dass sie in drei Jahren in den Ruhestand geht, warum darf ich dann nicht heute schon jemanden einstellen und per Abordnung Plus ins Land verschicken? Denn schon heute würde diese Mathelehrkraft ja in Geesthacht, Pinneberg oder Wedel dringend gebraucht, und in drei Jahren hätte ich die dann passgenau, wenn meine Lehrkraft geht. Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre, dass meine Lehrkraft aus gesundheitlichen Gründen früher geht. Dann müsste ich eben vertreten, aber das muss ich sonst ja sowieso. Das ist ein konstruktiver Vorschlag, der nicht mehr kostet und aus meiner Sicht umgesetzt werden könnte. (Beifall SPD und FDP) Das war der konstruktive Teil. (Zurufe) Drittens. Herr Kollege Krüger, ich glaube, Sie merken es inzwischen gar nicht mehr. Sie beschweren sich darüber, dass ich Ihnen vorwerfe, Sie hätten schon wieder nur Prüfaufträge in Ihren Antrag geschrieben. Ja, Sie haben nur Prüfaufträge in Ihren Antrag geschrieben. (Beifall SPD, FDP und SSW) Der Kernsatz in Ihrem Antrag lautet: „Der Landtag bittet die Landesregierung, zu prüfen, inwieweit die Lehrkräftebildung ohne eine Verkürzung des Vorbereitungsdienstes weiterentwickelt werden kann.“ Das ist ein Prüfauftrag. Dann setzen Sie sechs Bulletpoints unter den Prüfauftrag, die berücksichtigt werden sollen. Sie schreiben, es soll ein offener, partizipativer Prozess sein. – Sehr schön. Es soll ein Konzept mit verschiedenen Varianten entwickelt werden. Warum verschiedene Varianten? – Wahrscheinlich, weil Sie hinterher prüfen wollen, welche davon Sie nehmen. (Vereinzelte Heiterkeit und Zurufe SPD und CDU) Und dann kommt zweimal „prüfen“. Und zweimal, da haben Sie recht, kommt in den Bulletpoints nicht „prüfen“, sondern „überprüfen“. (Zurufe SPD – Beifall SPD und FDP) Ein einziger konkreter Punkt steht da. Der einzige konkrete Bulletpoint lautet, dass Sie Beratungsangebote für den Übergang vom Studium in den Beruf schaffen wollen. (Beifall SPD, FDP und SSW – Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt doch gar nicht! – Unruhe) Das ist konkret, und das ist in Ordnung. Alles andere ist ein großer Prüfauftrag.
