Malte Krüger
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Ehrlich gesagt, ist heute ein besonderer Tag. Denn wir bringen hier einen Antrag zur Lehrkräftebildung ein. Ehrlich gesagt, ist dieses Thema einer der Gründe, warum ich überhaupt für den Landtag kandidiert habe, weil mir Lehrkräftebildung wirklich extrem wichtig und ein Thema ist, mit dem ich mich schon mein ganzes Leben auseinandersetze. Lehrkräfte sind zentral für gute Bildung an unseren Schulen. Sie lassen sich nicht einmal eben durch Maschinen ersetzen. Schülerinnen und Schüler kann man auch nicht einfach dem Computer oder der KI überlassen. Ich bin mir sicher, dass das hier niemand will. Deshalb brauchen wir gut ausgebildete Lehrkräfte. Wir haben viele sehr engagierte und kompetente Lehrkräfte an unseren Schulen. Der Großteil von ihnen arbeitet täglich daran, Kinder und Jugendliche bestmöglich auf ihr Leben vorzubereiten. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Trotzdem können wir die Lehrkräftebildung natürlich weiter verbessern. Die Verantwortung dafür liegt genau bei uns, beim Land. Wir wollen dieser Verantwortung gerecht werden. Noch einmal: Auch heute leisten unsere Lehrkräfte Hervorragendes. Aber natürlich hat jeder und jede von uns auch einmal negative Erfahrungen mit Lehrkräften gemacht. Ich erinnere mich zum Beispiel an meine Klassenlehrerin auf der Realschule. Sie meinte damals, es sei keine gute Idee, dass ich mich am Gymnasium bewürbe und das Abitur anstrebte. Das würde ich nämlich eh nicht schaffen. Jahre später – da hatte ich mein Abi – habe ich sie noch einmal getroffen, und da sagte sie: Ja, die Gymnasiallehrkräfte hätten bessere Noten vergeben, weil sie gewusst hätten, dass ich von der Realschule gekommen sei. Das ist kein Unterstützen gewesen, wie ich das von Lehrkräften an unseren Schulen erwarte. Wenn ich heute mit Schüler_innengruppen spreche, höre ich solche Geschichten, ehrlich gesagt, häufiger. Ich betone dann immer: Das sind Ausnahmen. – Viele von ihnen haben natürlich auch Lieblingslehrkräfte, die Sie geprägt haben. Auch ich habe Lehramt studiert und mich während des Studiums oft gefragt: Wie schaffen wir es, Lehrkräfte an unseren Schulen zu haben, die junge Menschen bestärken, anstatt ihnen Steine in den Weg zu legen? – Ich glaube, ein ganz entscheidender Punkt dafür ist, dass wir eine bessere Verzahnung von Studium und Vorbereitungsdienst in unserer Bildungslandschaft bekommen. Viele von Ihnen haben sicherlich schon vom sogenannten Praxisschock im Vorbereitungsdienst beziehungsweise im Referendariat gehört. Das ist für manche der Moment, wenn sie direkt nach dem Studium an die Schule kommen und in den Vorbereitungsdienst einsteigen. Plötzlich kommen tausend Dinge auf sie zu: Unterricht vorbereiten, Fragen der Schulleitung beantworten, Schülerinnen und Schülern in den Pausen Fragen beantworten, Hospitationsunterlagen schreiben und sich schon darauf vorbereiten. Nicht alle erleben diesen Schock, aber viele berichten, dass sie das Studium nicht ausreichend auf diese Phase vorbereite. Genau da setzen wir mit unserem Antrag an. Wir wollen eine engere Verzahnung der ersten und zweiten Ausbildungsphase. Gemeinsam mit den Hochschulen soll ein Konzept dafür erarbeitet werden. Die Kooperation zwischen den Hochschulen und dem IQSH soll institutionell gestärkt werden. Zum Beispiel sollen regelmäßige Besuche der Studienleitungen in den fachdidaktischen Veranstaltungen der Hochschulen stattfinden. Das sind also nicht nur Prüfaufträge, wie es Martin Habersaat gerade gesagt hat – vielleicht müssen Sie das an der Stelle noch einmal lesen –, sondern das sind ziemlich konkrete Dinge. Frau Riecke, das ist doch auch kein Ausbremsen des Lehramtsstudiums. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Da frage ich mich wirklich, was Sie eigentlich gerade gelesen haben, jedenfalls nicht unseren Antrag. Zudem schaffen wir auch noch die Möglichkeit zur Abordnung von Lehrkräften an Hochschulen. Das gibt es zum Teil jetzt schon, aber wir wollen es auch umkehren. Wir wollen, dass zum Beispiel Hochschuldozierende an Schulen abgeordnet wer- (Malte Krüger) den können. Zumindest wollen wir prüfen, ob das möglich ist. Wir hören, dass das etwas sein kann, was wirklich zu einer Entlastung führen kann. (Vereinzelter Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wenn wir schon bei Abordnungen sind, dann möchte ich natürlich noch auf den zweiten Antrag zu sprechen kommen, mit dem wir uns hier befassen. Darin geht es auch um Abordnung. Das ist eine andere Art von Abordnung. In den letzten Jahren war hier im Landtag der Lehrkräftemangel immer wieder Thema. Auch in früheren Legislaturperioden haben wir uns immer wieder mit dem Lehrkräftemangel beschäftigt. Besonders das Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land, zwischen Ost und West, also zwischen Ostküste und Westküste in Schleswig-Holstein, wurde hier häufig diskutiert. Hier prallen zwei berechtigte Interessen aufeinander. Das ist ein Spannungsfeld. Es gibt auf der einen Seite das staatliche Interesse an einer gleichmäßigen Verteilung von Lehrkräften im Land, sodass alle Schulen genug Lehrkräfte haben. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Auf der anderen Seite gibt es das individuelle Interesse vieler, insbesondere junger Lehrkräfte, die ihren Arbeitsort selbst wählen wollen. Das sind zwei Interessensebenen, die im Konflikt miteinander stehen. Lange war dieses Spannungsverhältnis sehr einseitig zuungunsten des ländlichen Raumes ausgelegt. Mit Abordnung Plus haben wir nun ein Instrument geschaffen, das vor allem Regionen wie die Westküste oder den Kreis Herzogtum Lauenburg stärkt. Das ist richtig, und deshalb sollte das Land an diesem Programm festhalten. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Es ist doch gar keine Frage, bei neuen Programmen, egal in welchem Politikfeld wir unterwegs sind, treten bei der Umsetzung natürlich praktische Probleme zutage. Das ist auch bei Abordnung Plus so. Diese Herausforderungen müssen natürlich analysiert werden. Unser Antrag fordert daher die Landesregierung auf zu prüfen, wie die Zuordnungen von Lehrkräften zu Bedarfsschulen flexibler und individueller gestaltet werden können, um mit den Problemen, die Abordnung Plus hervorruft, besser umzugehen. Ich will noch kurz etwas zum Antrag zum dualen Lehramtsstudium sagen. Der Kollege Balasus hat schon darauf hingewiesen, dass wir dieses Thema in dieser Legislaturperiode schon hatten. Ich finde gut, dass Christopher Vogt klargestellt hat, dass das auch für die FDP kein Allheilmittel ist. Grundsätzlich ist das keine schlechte Idee, aber man muss sich davon wegbewegen – ich behaupte nicht, dass die FDP das sagt –, dass das eine flächendeckende Lösung für alle Probleme ist. Es kann an der einen oder anderen Stelle sicherlich sinnvoll sein, aber derzeit halte ich es für sinnvoller, andere Herausforderungen anzupacken. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU – Zurufe FDP) Der Kollege Habersaat ist gerade auf die Verkürzung des Vorbereitungsdienstes eingegangen. Das Lob nehmen wir sehr gern an. Ich stimme dem Kollegen Balasus zu: Eine Verkürzung des Vorbereitungsdienstes würde all die Probleme, die wir haben, nicht verbessern, sondern wir brauchen ausreichend Zeit für unsere Lehramtsausbildung. Deswegen halten wir an den 18 Monaten fest. Ich glaube, der Lehrkräftemangel hat schon längst einen Aufbruch, Frau Riecke. Wir haben schon drei Pakete zur Gewinnung von Lehrkräften verabschiedet. Das heißt nicht, dass bei den drei Paketen bleibt; es wird weitere Pakete geben. Den Aufbruch gibt es längst. Ich bin gespannt, was wir noch alles machen, damit wir bessere Lehrkräfte an unseren Schulen haben. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU – Unruhe)
