Martin Balasus
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Aber was es gerade so Neues bei Harry und Meghan gibt, das ist mir persönlich ziemlich egal. Mich interessiert auch nicht, wer wen aus dem Adel gerade heiratet oder geheiratet hat – auch nicht, wenn ich beim Zahnarzt oder beim Friseur bin. (Martin Balasus) (Sybilla Nitsch [SSW]: Ach komm! – Zurufe SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Noch langweiliger kann es für mich – in meinen Augen zumindest – nur noch werden, wenn man Adelsverbindungen aus der Vergangenheit betrachtet. Das krönende Beispiel: „Das höfische Heiratsverhalten des spätmittelalterlichen Adels“. – Ja, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist nur etwas für richtige Feinschmecker – und für Kollegin Kleinschmit, sagte sie mir gerade. Genau dieses Seminar mit diesem Titel aber wurde während meines Geschichtslehrerstudiums an der Universität angeboten. Da fragt man sich doch: Werde ich das wirklich später an der Schule brauchen? Müssen Schülerinnen und Schüler das wirklich wissen? (Dr. Heiner Garg [FDP]: Und?) – Die Antwort kennen Sie alle: Nein, das kann man auch beim Friseur lesen. Es muss doch so sein: Das an der Uni Gelernte bildet die Basis für die spätere berufliche Tätigkeit. Für das Lehramtsstudium würde das bedeuten, Überblickswissen zu sammeln, exemplarisch bei einigen Themen in die Tiefe zu gehen, wissenschaftliches Arbeiten zu lernen, die pädagogischen Schwerpunkte bei Didaktik und Methodik zu setzen sowie erste Erfahrungen in der Praxis zu sammeln. Denn nur so kann man ja für sich selbst klären: Bereitet mir die Arbeit mit Kindern wirklich Freude? Ist das etwas für mich? Liebe Kolleginnen und Kollegen, eine qualitativ hochwertige Lehrkräftebildung ist das Fundament eines guten Unterrichts. Die KMK empfiehlt, die drei Phasen der Lehrkräftebildung, also Studium, Vorbereitungsdienst und Berufseinstieg, enger zu verzahnen und Inhalte und Systematik aufeinander abzustimmen. Man könnte auch sagen: Ausbildung aus einem Guss. Nur so fühlen sich Referendare im Vorbereitungsdienst sicherer. Nur so kann frühzeitig erkannt werden, ob dieser Beruf einem auch wirklich gefällt. Nur so kann der Praxisschock, von dem manche Berufsanfänger berichten, gemildert werden. Das ist der richtige Ansatz. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Deshalb bitten wir die Landesregierung, einen offenen, partizipativen Prozess mit allen relevanten Stakeholdern einzuleiten, um diese engere Verzahnung der drei Phasen der Lehrkräftebildung auf den Weg zu bringen. Wünschenswert wären dabei zum Beispiel eine intensivere Kooperation zwischen Hochschulen oder Hochschule und IQSH, Mentoringprogramme, Reflexionsseminare in der Berufseinstiegsphase oder Betreuungsangebote für den Übergang Studium–Beruf. Mit diesen Vorhaben befinden wir uns voll und ganz auf KMK-Linie. Aber einen Unterschied gibt es dann doch. Den sprach auch Kollege Habersaat eben an. Laut Kultusministerkonferenz könnte unter bestimmten Voraussetzungen der Vorbereitungsdienst von 18 auf zwölf Monate reduziert werden. Als ich anfing, waren das gerade 18 Monate geworden. Das wurde gerade eingeführt, vorher waren es 24 Monate. Das würde jetzt demgegenüber eine doppelte, eine erneute Verkürzung darstellen. – Das wollen wir aber hier in Schleswig-Holstein nicht. Schließlich bildet das Referendariat das Herzstück der Lehrkräfteausbildung. Hier sollen vielfältige Erfahrungen gesammelt werden. Man soll sich ausprobieren, man soll gegenseitig hospitieren, und man soll kooperieren. Dafür braucht es vor allem eines, nämlich Zeit. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Auch der FDP scheint die Weiterentwicklung der Lehrkräfteausbildung ein ganz wichtiges Anliegen zu sein. Sehr gut. (Annabell Krämer [FDP]: Schon immer, Herr Kollege! – Christopher Vogt [FDP]: Das merkst du erst jetzt?) – Das wusste ich schon immer! – Denn sie schlägt mit einem Antrag vor: „Duales Lehramtsstudium jetzt!“. (Beifall FDP) Ich möchte daran erinnern, dass wir dieses Thema – ich habe noch einmal nachgeschaut – vor elf Monaten hier ausführlich diskutiert haben. Wir haben damals den Vorschlag verworfen, da Experten erhebliche Zweifel an den Erfolgsaussichten haben, Gewerkschaften das Ganze kritisch sehen und unzählige Fragen offen geblieben sind. Zum Beispiel: Wer bezahlt das Ganze? Wer begleitet die Studenten und Studentinnen in der Praxis? – Das ist nur ein Auszug aus der Liste der offenen Fragen. Die KMK gibt übrigens zu bedenken, dass Dualstudierende in Hinsicht auf ihre Kompetenzentwicklung nicht in gleicher Weise von Lerngelegenheiten im Studium profitieren würden wie Vollzeitstudierende. Oder einfacher ausgedrückt: Wer zwei oder drei Tage in der Woche an der Schule ist, der studiert natürlich länger.
