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Annabell Krämer

21.05.2025 Sitzungen 20/87

Für die Landesregierung erteile ich nun das Wort dem Minister für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz, Minister Werner Schwarz. Werner Schwarz, Minister für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz: Sehr geehrte Frau Präsidentin, vielen Dank. – Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Ich danke Ihnen für die Möglichkeit, heute einen aktuellen Sachstand zum BTV‑3-Geschehen geben zu dürfen. Wie ich bereits in meiner Rede im September 2024 zum Tierseuchengeschehen insgesamt erwähnt habe, lässt sich in den letzten Jahren beobachten, dass es ein zunehmend virulentes Geschehen bei Tierseuchen gibt. Aufgrund der klimatischen Veränderungen nehmen dabei Übertragungen beispielsweise durch Stechmücken, sogenannte Vektorübertragungen, zu. Darunter fällt auch die Blauzungenkrankheit. Betroffen sind Wiederkäuer, also vor allem Schafe, Ziegen und Rinder, aber auch Paarhufer wie Rot‑, Damm- und Rehwild. Die Tiere werden durch den Stich einer bestimmten Stechmücke aus der Art der Gnitzen mit dem Virus infiziert. Es handelt sich durch Einstufung der EU hierbei um eine anzeige‑, aber nicht um eine bekämpfungspflichtige Seuche. Das BTV‑3-Geschehen hat die Tierhalterinnen und Tierhalter im letzten Jahr vor große Herausforderungen gestellt. Wir alle haben sicherlich noch die Bilder, vor allem von der Westküste, vor Augen. Ich jedenfalls habe die Bilder noch sehr präsent im Kopf. Die Impfung ist nach wie vor der wirkungsvollste Schutz vor Tierverlusten durch die Blauzungenkrankheit. Erfreulicherweise haben viele Tierhalterinnen und Tierhalter die Möglichkeit genutzt, ihre Tiere durch Impfung zu schützen. Mittlerweile sind, und das ist der Stand vom 16. Mai 2025, rund 93 Prozent der Schafe und Ziegen und rund 48 Prozent der Rinder geimpft und in der HIT-Datenbank erfasst. Auch in diesem Jahr gibt es bereits BTV‑3-Nachweise im Land, und mit der Gnitzensaison ist mit einem weiteren Anstieg der Fallzahlen zu rechnen. Ein erheblicher Teil der Tiere ist durch die Impfung und die erfolgte Infektion im Jahr 2024 gegen schwere Verläufe der Blauzungenkrankheit geschützt. Allerdings sind derzeit noch etwa 58 Prozent aller empfänglichen Tiere, also Rinder, Schafe und Ziegen zusammen, nicht geimpft. Von diesen hat sich nur ein Teil im letzten Jahr mit BTV‑3 infiziert, sodass viele auch in diesem Jahr voll empfänglich für eine Infektion sind. Dank eines bereits etablierten landesweiten Monitorings konnten die Ersteinträge in 2024 und nachfolgend zahlreiche BTV‑3-Fälle in Schleswig-Holstein nachgewiesen werden. Das bereits seit etwa 15 Jahren jährlich durchgeführte BTV-Monitoring, das bis 2024 dem Nachweis der BTV-Freiheit im Lande diente, wurde im letzten Jahr aufgrund des zunehmenden Eintragsrisikos neu auf die frühe Erkennung von BTV-Infektionen ausgerichtet. Sehr geehrter Herr Dr. Garg, BTV‑3 ist 2023 von den Niederlanden gekommen, und man konnte sehr gut sehen, wie mit dem Wind die Gnitzen Richtung Norden und Nordwesten getrieben worden sind. Durch das Monitoring, weil wir sehr früh wussten, wann die Gnitzen in Schleswig-Holstein ankommen werden, konnten wir schon im Juni 2024, also zu Beginn der Saison, eine Impfempfehlung rausgegeben, dass möglichst alle impfen. – Wir sind damit leider nicht genug durchgedrungen. Die Information ist aber landesweit und über alle Medien breit gestreut worden. Im Rahmen dieses Monitorings wurden 2024 und 2025, also in anderthalb Jahren, rund 12.500 Proben im schleswig-holsteinischen Landeslaboren untersucht, davon ein großer Teil von klinisch auffälligen Tieren. Wir monitoren inzwischen auch gegen BTV‑8, eine weitere Virusvariante. Wir sind also dabei zu schauen, ob es auch noch weitere Infektionsherde geben könnte. (Minister Werner Schwarz) Das Untersuchungsverfahren in Landeslaboren ist etabliert und liefert schnell verlässliche Ergebnisse. Durch die fortlaufende Auswertung liegt uns ein guter Überblick über den Infektionsdruck im Land vor. Die aktuellen BTV‑3-Nachweise werden wöchentlich auf der Homepage des MLLEV aktualisiert. Damit hat jede und jeder die Chance, ein Lagebild zur Situation einzuholen. An dieser Stelle appelliere ich erneut an alle betroffenen Tierhalterinnen und Tierhalter, ihre Tiere impfen zu lassen. Nur mit einer flächendeckenden Immunisierung können die Tierbestände in Schleswig-Holstein wirksam geschützt werden. (Beifall Rixa Kleinschmit [CDU], Dr. Heiner Garg [FDP] und Christian Dirschauer [SSW]) Daher unterstützt das Land die Impfung erneut unbürokratisch finanziell. In diesem Jahr beträgt der Zuschuss erneut zwei Euro je Rind, ein Euro je Schaf oder Ziege für die erstmalige Grundimmunisierung des Bestandes. Neu ist, dass ab diesem Jahr nachgeborene Schaf- und Ziegenlämmer bezuschusst werden – auch dann, wenn der Bestand bereits eine geförderte Grundimmunisierung erhalten hat. Meine Damen und Herren, mir ist sehr bewusst, dass jedes kranke Tier für tierhaltende Betriebe eine große emotionale Belastung darstellt und natürlich mit wirtschaftlichen Einbußen einhergeht. Daher ist es mir ein wichtiges Anliegen, bei der Bekämpfung von Tierseuchen gut aufgestellt zu sein. Meines Erachtens ist mein Haus und das Landeslabor, gerade was das Monitoring von BTV‑3 angeht, sehr gut vorbereitet und professionell in der Durchführung. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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