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Dirk Kock-Rohwer

GRÜNE 21.05.2025 Sitzungen 20/87

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute bringen wir als Koalition aus CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN einen gemeinsamen Antrag ein, der nicht weniger als ein zentrales Ziel unserer – das Wort „unserer“ dürfen Sie selber beurteilen – (Heiterkeit SSW) Agrarpolitik verfolgt: den wirksamen Schutz von Pflanzen mit deutlich weniger Pflanzenschutzmitteln. Beim Anbau von Kulturpflanzen, egal ob im Ökolandbau oder konventionell, sind Pflanzenschutz und Pflanzengesundheit zentrale Themen. Nur die Wege dorthin sind unterschiedlich. Ich möchte mir als Allererstes den Begriff Pflanzenschutzmittel angucken. Wenn man an Pflanzenschutzmittel denkt und mit Landwirtschaft ein bisschen was am Hut hat, dann denkt man an den Nachbarn mit der Giftspritze. Das ist leider so. Wir schützen mit Pflanzenschutzmitteln eine Pflanze, nämlich die Kulturpflanze. Zur Sicherstellung unserer Ernährungssicherheit müssen wir das angesichts der Mittel, die wir im Moment noch haben, tun. Aber wir müssen auch die Biodiversität schützen. Den Schutz der Biodiversität kriegen wir nicht mit den Pflanzenschutzmitteln hin, die wir heute einsetzen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW) In der EU und im Bund gibt es Vorgaben, den Pflanzenschutzmitteleinsatz zu reduzieren. Wir waren in der EU so weit, dass in der Sustainable Use Regulation 50 Prozent der Wirkstoffe und Wirkmittel reduziert werden sollten. Eine Lösung war auch der Ausbau des Ökolandbaus. Das Ganze ist im letzten Jahr gekippt worden. Ich möchte einmal etwas zum Ökolandbau sagen, weil ich da immer so viel höre: Wir setzen im Ökolandbau keine chemisch-synthetischen Mittel zur Pflanzengesundheit ein. Es werden in speziellen Anbaugebieten und Anbaukulturen Kupfer und Schwefel eingesetzt – Kupfer bei Kartoffeln, Schwefel im Weinanbau. Aber der normale Ökolandbau setzt keine Pflanzenschutzmittel in dem Sinne ein, dass er sie auf die Pflanzen spritzt. Warum sind aber diese Forderungen aus der EU laut geworden? – Wir haben Folgen für Mensch und für Natur. Für die Natur habe ich sie beschrieben: Wir haben bei Pflanzen und bei Insekten einen Biodiversitäts- und einen Artenverlust ohnegleichen. Für den Menschen hat das Folgen. Der Einsatz von Glyphosat ist gerichtlich bestätigter Verursacher von Krebs. Die Parkinson-Krankheit war in Frankreich und ist jetzt auch in Deutschland als Berufskrankheit bei Landwirten anerkannt, die mit Pflanzenschutzmitteln Kontakt hatten. Im (Dirk Kock-Rohwer) Agrar- und Umweltausschuss haben wir von den Wasser- und Bodenverbänden gehört, dass in fast allen Grundwasserproben Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachweisbar sind – noch nicht über der schädlichen Schwelle, aber nachweisbar. Und bevor solche Sachen im Grundwasser landen, dauert das eine Weile. Wir haben eine ganze Menge an Puffern im Boden, aus denen sich Metaboliten und Rückstände einfach auf den Weg ins Grundwasser machen. Daher müssen wir uns auf den Weg machen, den Pflanzenschutzmitteleinsatz zu reduzieren. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und Heiner Rickers [CDU]) Aber wie kommen wir da voran? – Wir können Alternativen aufzeigen, wir können 100 Prozent Ökolandbau machen. Leider bin ich in 100 Jahren nicht mehr hier, um es zu kontrollieren, aber ich denke mal, dann hätten wir es vielleicht erreicht. (Dr. Heiner Garg [FDP]: Man weiß nicht, wie weit die Wissenschaft dann ist! – Vereinzelte Heiterkeit) Wir können den integrierten Pflanzenbau fördern, damit mehr darauf geschaut wird, wann Mittel eingesetzt werden, wann sie wirklich notwendig sind und wann man den Kampf gegen die Blattläuse den Nützlingen überlassen kann, weil die Natur das nämlich von sich aus regelt. Wir können die mechanische Beikrautregulierung fördern, indem wir finanzielle Mittel, aber auch Beratung bereitstellen, damit das in den Köpfen von Junglandwirten überhaupt als Möglichkeit gesehen wird. Wenn man hier zum Beispiel Roggen anbaut, dann braucht man ihn in der Regel nicht mit Herbiziden zu behandeln, weil dadurch, dass sich seine Pflanzen im Frühjahr so stark bestocken und das Licht so stark wegnehmen, überhaupt keine Unkrautpflanzen von unten hochkommen. Aus Vorsorgegründen werden einfach immer Herbizide eingesetzt, weil man nicht darauf vertraut, dass sich die Natur selber hilft. Wir können vorbeugende Maßnahmen einführen. Eine zu starke Düngung hat einen erhöhten Insektizideinsatz zur Folge. Da müssen wir eine Mäßigung hinkriegen; das ist in gewissen Gebietskulissen ja auch auf dem Weg. Schließlich können wir durch eine Fruchtfolge, bei der man Wintergetreide und Sommergetreide wechselt, eine geringere Belastung hinkriegen. Als Beispiel würde ich mal den Weizen nennen. Wenn Sie jetzt über Land nach Hause fahren, oder wenn die, die in Kiel wohnen, vielleicht mal einen Ausflug in die Umgebung machen und dann über ein Weizenfeld gucken – das ist schön grün zurzeit, ohne Ähren dran –, dann sehen Sie so einen braunen Schimmer oben drüber. So ein brauner Schimmer ist nie gut, aber in diesem Fall guckt da Ackerfuchsschwanz oben raus, der nicht mehr zu bekämpfen ist, weil er inzwischen gegen viele Spritzmittel, die auftauchen, resistent ist. Dabei wäre es ganz einfach: Man nimmt eine Fruchtfolge – ob Wintergetreide, ob Sommergetreide –, dann regelt sich das von alleine.

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