Sybilla Nitsch
Geehrte Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Ostern steht vor der Tür, also auch die Ferien. Ich bin mir sicher, wenn ich jetzt die Abfrage starten würde, wer einen Campingurlaub geplant hat, würden hier vielleicht einige Hände in die Höhe gehen. (Dr. Heiner Garg [FDP]: Also meine nicht! – Weiterer Zuruf: Frag doch mal! – Vereinzelte Heiterkeit) Camping ist unglaublich beliebt und hat in den Coronajahren einen wahren Höhenflug erlebt. Vor zwei Jahren wurden rund 42,3 Millionen Gästeübernachtungen auf Campingplätzen in der Bundesrepublik gezählt, so viele wie noch nie. (Unruhe – Glocke Präsidentin) Ähnlich wie das Campen generell ist dabei Schleswig-Holstein sehr beliebt und wird häufig als Urlaubsdestination angesteuert. Das belegen die Buchungszahlen eindeutig. Darüber hinaus hat eine Forschungsgemeinschaft kürzlich Schleswig-Holstein als beliebtestes Urlaubsland in der Bundesrepublik ausgemacht. Das ist tatsächlich bemerkenswert. Aber eine Sache ist noch bemerkenswerter, nämlich, dass Schleswig-Holstein bei der Gästezufriedenheit auf Platz eins liegt. Das Schönste dabei ist: Wir haben die Bayern überholt. (Zurufe – Beifall Christian Dirschauer [SSW]) – Da kann man gut mal klatschen. Im vorliegenden Antrag soll es um eine spezielle Form des Campens gehen, beziehungsweise um eine besondere Form der Campingplätze, nämlich sogenannte Kleinstcampingplätze. Das sind Campingplätze mit bis zu fünf Stellplätzen. Daran erkennt man schon den Unterschied zu den ganz normalen Campingplätzen, von denen zum Beispiel der Kollege Hölck gesprochen hat. Denn hier spielt die Vermietung von Stellplätzen nur eine Nebenrolle. Das betrifft dann nämlich häufig landwirtschaftliche Betriebe oder ehemalige Betriebe – schlichtweg Menschen mit Raum und Platz für Camper. Schleswig-Holstein war in Zeiten des Lockdowns eines der ersten Länder, das ein wenig Tourismus erlaubt hat. (Beifall FDP und SSW) Dazu gehörte auch die Form des Campings. Wir haben schon viel in den Vorträgen, die hier zum Landesnaturschutzgesetz gehalten worden sind, davon gehört: Da konnte man es auch schon früher beantragen. Dieser Erlass, der in der Coronazeit aufgelegt wurde, war dann ab 2023 nicht verlängert worden. So viel zur Vorgeschichte. Natürlich gibt es einige Faktoren zu betrachten. Die sind im Antrag genannt: Natur- und Umweltschutz, insbesondere auch Sanitäranlagen. Dafür muss es eine Infrastruktur geben. Denn es macht schon einen Unterschied, ob dann zeitweise zehn oder 15 Personen kurzfristig dazukommen. Da muss man mit den Kommunen ins Gespräch kommen, wie das dann insgesamt von der Infrastruktur zu lösen ist. 6456 Schleswig-Holsteinischer (Sybilla Nitsch) Pragmatische Lösungen sind für uns hier immer klar im Vorteil. Es wurde auch schon genannt, dass wir dann halt drauf schauen müssen, dass der riesige Bürokratieanteil dementsprechend gelöst wird. Denn sonst würde kaum jemand so einen Stellplatz anbieten. Auch Mindeststandards für die Ausstattung dieser Campingplätze sind durchaus Gegenstand der Debatte. Das haben wir auch gestern Abend mit den Touristikern besprochen. Das sind halt Fragestellungen, bei denen wir sagen müssen, hier brauchen wir eine Handhabung. Das kann man gut im Ausschuss diskutieren. Auch das Marketing muss von Anfang an mitgedacht werden, weil – wir sprachen vorhin schon darüber – es bestimmte Zielgruppen gibt. Es gibt eine bestimmte Zielgruppe, die diese Kleinstcampingplätze durchaus bevorzugt und nicht an den überfüllten Destinationen stehen möchte. Von daher ist das schon ein Angebot, das wir im Tourismusmarketing durchaus mit betrachten können. (Beifall SSW und FDP) Grundsätzlich befürworten wir den Vorschlag, Kleinstcampingplätze bei uns im Land zu etablieren. Das bietet viele Vorteile für uns im Norden. Eine solche Möglichkeit kann nämlich auch helfen, den Tourismus zu entzerren. (Beifall FDP und Jette Waldinger-Thiering [SSW] – Annabell Krämer [FDP]: Genau!) Overtourism hat man nicht nur am Mittelmeer, sondern gerade auch bei uns hier an den Küstenorten. Bei überfüllten Campingplätzen kann man nicht davon sprechen, dass Camping eine Urlaubsromantik hat. Von daher ist das schon eine sehr gute Ergänzung für Leute, die bei uns Urlaub machen wollen und es vielleicht ein bisschen ruhiger lieben. Eine andere Sache spielt auch eine Rolle: Es ist eine preisgünstige Form des Urlaubmachens. Das ist für viele Leute ein Punkt. Es wäre zum Beispiel schön, daran zu denken, dass es Leute gibt, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, ihr Zelt im Gepäck haben oder auch mit dem Kleinbus anreisen und dann den Vorteil hätten, solche Plätze nutzen zu können. Gerade weil das eine Urlaubsform ist, die nicht viel Geld kostet, sollte man hier ein bisschen pragmatischer und sachgemäß an die Sache rangehen, denn es ist eine gute Ergänzung. Das ist in einer touristischen Planung nicht von der Hand zu weisen. Jetzt wurde noch einmal die Tourismusstrategie genannt. Da muss ich sagen: Kleinstcampingplätze fallen ganz klar in alle möglichen Nachhaltigkeitsraster. (Beifall Annabell Krämer [FDP]) Nachhaltigkeit ist im Tourismus eine Querschnittsaufgabe. Von daher ist das hier alles gar kein Problem. – Danke. (Beifall SSW und FDP – Zuruf Sandra Redmann [SPD])
