Thomas Hölck
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Kollegin Krämer, wozu dieser Antrag eigentlich? Die Frage um die Kleinstcampingplätze ist doch längst befriedet worden, und ich finde es falsch, dass wir die Gräben wieder aufreißen und die Diskussion von Neuem beginnen. (Beifall SPD – Zuruf Annabell Krämer [FDP]) Schleswig-Holstein ist ein erfolgreiches Tourismusland. Was der Hamburger Hafen für Hamburg ist, ist der Tourismus für Schleswig-Holstein: Motor für Wohlstand, Arbeitsplätze, Einkommen und Lebensqualität. 2024 war für den Tourismus in SchleswigHolstein ein echtes Rekordjahr. Touristen haben so viele Übernachtungen gebucht wie nie zuvor. Ich möchte das einmal zum Anlass nehmen, den Arbeitnehmerinnen, den Arbeitnehmern, den Unternehmerinnen und Unternehmern, die in der Tourismusbranche tätig sind, für ihren großartigen Einsatz und für das Ergebnis zu danken. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Peer Knöfler [CDU]) Das bedeutet, dass unser Produkt in allen seinen Facetten grundsätzlich sehr gut ist. Die Liste der bestbewerteten Campingplätze führt SchleswigHolstein nach einer Bewertung des ADAC-Campingportals PiNCAMP an. Danach gelten sechs Campingplätze in Schleswig-Holstein als sechs der besten Campingplätze bundesweit. Wird ein Campingplatz mit fünf Sternen bewertet, wird dieser Platz mit dem Prädikat „Superplatz“ ausgezeichnet. Beurteilt werden in diesem Ranking die Bereiche Sanitärausstattung, Platzgelände, Versorgung, Freizeitangebote und Bademöglichkeiten. Hier gute Standards anzubieten, ist die Grundlage für den Erfolg. (Unruhe) Die Frage ist doch: Brauchen wir bei diesem Erfolg die sogenannten Fünferstellplätze? Brauchen wir noch Kleinstcampingplätze? Brauchen wir dieses Angebot überhaupt? Wenn man sich dafür entscheiden sollte, muss doch klar sein: Die Rahmenbedingungen, die Standards der erfolgreichen Campingplätze müssen die Messlatte sein und für alle gelten. (Beifall SPD) Liebe Kolleginnen und Kollegen, einen Zweiklassen-, einen Zweistandards-Campingtourismus darf es bei uns nicht geben. Fest steht – das wurde schon gesagt –: Eine Campingnutzung ist baurechtlich grundsätzlich nur auf dafür vorgesehenen Flächen zulässig. Das ist wichtig und richtig so, und es gibt auch Alternativen, zum Beispiel ist das „Landvergnügen“ eine wunderbare Idee. (Beifall SPD) Dort wird eine sinnvolle Alternative geboten, Besitzerinnen und Besitzern von Wohnmobilen die Übernachtung da zu erlauben, wo eine Direktvermarktung stattfindet, um die Produkte, die dort angeboten werden, zu erwerben oder zu verköstigen und die Gastfreundlichkeit des Direktvermarkters zu nutzen. Ich finde das gut, weil damit die Direktvermarktung und Produktion von alternativen, hochwertigen Lebensmitteln erhöht wird. Das ist gut für unsere erfolgreiche Gastronomie vor Ort. Ob Kleinstcampingplätze den Ansprüchen der Tourismusbranche gerecht werden, wage ich zu bezweifeln. (Annabell Krämer [FDP]: Können wir das die Menschen nicht selbst entscheiden lassen? – Anhaltende Unruhe) Der Erfolg unseres Tourismus ist vereinzelt bereits an seine Grenzen gestoßen. In einigen Orten ist das Limit erreicht. Wir laufen in einigen Destinationen Gefahr, bei der einheimischen Bevölkerung die Akzeptanz für den Tourismus zu verlieren. (Annabell Krämer [FDP]: Durch Kleinstcampingplätze?) Wir können nicht überall die Gästezahlen steigern und den Tourismus weiter ausbauen. Verkehrsprobleme und unbezahlbarer Wohnraum stören die Menschen und führen zu Frust. – Frau Kollegin Krämer, Sie mögen da lachen; vielleicht sollten Sie sich einmal bei den Menschen in einigen Orten an der Ost- und Nordseeküste informieren. (Annabell Krämer [FDP]: Im Binnenland!) (Thomas Hölck) Ohne Akzeptanz vor Ort wird der Tourismus nicht erfolgreich sein. (Vereinzelter Beifall SPD und Beifall Eka von Kalben [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Deshalb müssen wir darauf achten, welche Signale wir aussenden. Wir können nicht immer weiter auf Wachstum setzen, sondern müssen vielmehr verstärkt auf Qualität im Tourismus achten und uns um die Gästezufriedenheit kümmern. Das ist auch die Grundlage der neuen Tourismusstrategie, die der ehemalige Wirtschaftsminister Bernd Buchholz mit erarbeitet und unterzeichnet hat. Dabei geraten die Ansprüche an Nachhaltigkeit und Naturverträglichkeit immer mehr in den Fokus der Gäste. Frau Kollegin Krämer, daher habe ich Zweifel, ob Ihr Antrag tatsächlich im Sinne der weiterentwickelten Tourismusstrategie 2030 ist. Eine ungesteuerte Genehmigung von Kleinststellplätzen ist keine intelligente Ansiedlungsstrategie und keine vernünftige Steuerung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, trotz des Rekordjahres 2024 muss man wissen, wenn man sich die Zahlen genauer anguckt: Wir haben einen Rückgang bei den Übernachtungszahlen bei den Campingplätzen. Da stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, das Angebot zu erhöhen, statt die vorhandenen Strukturen zu stärken. Insofern geht Ihr Antrag in die falsche Richtung. Ich bin gerne bereit, das Thema im Ausschuss weiter zu diskutieren, aber ich bin nicht von Ihrem Antrag überzeugt. – Danke schön. (Beifall SPD)
