Malte Krüger
Sehr geehrter Herr Präsident! Der Job von Lehrkräften ist in vielerlei Hinsicht besonders. Wer fährt sonst beruflich eine Woche lang mit über 20 Jugendlichen mit voller Verantwortung sowohl pädagogisch als auch organisatorisch auf Klassenfahrt? Wer trägt Tag für Tag neben dem Bildungs- auch noch einen Erziehungsauftrag? Der Alltag von Lehrkräften ist viel mehr als nur der Unterricht. Er besteht aus Vorbereitungen, Korrekturen, Elterngesprächen, Konferenzen, Klassenfahrten, Projekten und ganz oft auch aus Arbeit am Abend oder am Wochenende. Diese Leistung verdient unsere Wertschätzung, und sie verdient gute Rahmenbedingungen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und vereinzelt SPD) Ja, die Anforderungen sind gestiegen – mehr Heterogenität, mehr Digitalisierung, mehr Aufgaben –, und das alles bei einer ohnehin schon knappen Personaldecke. Lehrkraft ist ein schöner, aber eben auch ein fordernder Beruf. Gleichzeitig gibt es natürlich Schulferien, in denen Lehrkräfte zwar arbeiten, aber keine Unterrichtsverpflichtung haben. Die Arbeitszeit von Lehrkräften systematisch zu erfassen, ist gar nicht so einfach. Bei Lehrkräften gibt es eine erhebliche Spannbreite der individuellen Arbeitszeiten. Zudem besteht die Arbeit aus vielfältigen Tätigkeiten, die oft außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden und dabei flexibel organisierbar sind. Sehr arbeitsintensiven Korrekturphasen stehen dann auch wieder 70 Ferientage gegenüber. Die Arbeit findet an unterschiedlichen Orten und oft zeitversetzt statt. Das macht eine standardisierte Erfassung extrem komplex. Juristisch ist zudem noch nicht abschließend geklärt, ob die EuGH-Rechtsprechung zur Arbeitszeiterfassung überhaupt auf Lehrkräfte angewendet werden muss oder unter eine sogenannte Bereichsausnahme fällt. Es ist richtig, die Entwicklung in anderen Bundesländern aufmerksam zu verfolgen. In Sachsen und Bremen wird die Arbeitszeit von Lehrkräften nun erfasst. An den Ergebnissen sind wir als grüne Landtagsfraktion sehr interessiert. Es ist aber klug, parallel dazu keine eigenen Studien zu starten. Wir wollen keine teuren Parallelprojekte aufbauen, sondern mit den Ergebnissen aus Bremen und Sachsen im kommenden Jahr weiterarbeiten. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Deshalb schlagen wir mit unserem Alternativantrag eine länderübergreifende Begleitung der Studien zur Arbeitszeiterfassung, die Auswertung bestehender Studien und Pilotprojekte und einen Bericht über die gewonnenen Erkenntnisse im Bildungsausschuss Anfang 2026 vor. Das ist unserer Meinung nach ein pragmatischer Weg und einer, der verhindert, dass jedes Bundesland am Ende seine eigene Insellösung bastelt. Zum zweiten Antrag – das ist auch ein wichtiges Anliegen –, mehr Lehrkräfte im System zu halten: Der Lehrkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen im Bildungsbereich. Viele der von der SPD vorgeschlagenen Maßnahmen sind aber extrem kostenintensiv, und das gerade in einer Phase, in der wir mit einem knappen Haushalt umgehen müssen. (Zuruf Beate Raudies [SPD]) Viele Großprojekte im Bildungsbereich kosten nun einmal viel Geld. Dennoch haben wir bereits viel für verbesserte Rahmenbedingungen auf den Weg gebracht. 6426 Schleswig-Holsteinischer (Malte Krüger) (Martin Habersaat [SPD]: Stellen abgebaut!) Es wurden bereits drei Maßnahmenpakete geschnürt, und der Handlungsplan zur Lehrkräftegewinnung wird laufend angepasst. Dabei haben wir alle Phasen der Lehrkräftebildung in den Blick genommen. Gleichzeitig sind die Ideen und konzeptionellen Vorschläge der Allianz für Lehrkräftebildung in Erarbeitung. Diese sollten wir meiner Meinung nach im Bildungsausschuss weiter diskutieren. Deshalb schlage ich vor, dass wir Frau Professor Parchmann als Vorsitzende der Allianz für Lehrkräftebildung in den Ausschuss einladen, damit sie über diese Ergebnisse berichten kann. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Aber es muss auch klar sein: Wir sehen jetzt erst einmal keinen Mehrwert darin, eine neue Allianz zu gründen, zumal Lehrkräftegewinnung insgesamt für Entlastungen im Gesamtsystem sorgt. Der Lehrkräftemangel ist ein ernsthaftes Problem, und es wird auch weiterhin Maßnahmen brauchen, um mehr Lehrkräfte für den Beruf zu gewinnen und den Beruf in diesem Maße zu erhalten. Wir brauchen gute Rahmenbedingungen und Entlastungen im Schuldienst, aber auch eine gute und praxisnahe Ausbildung. Daran müssen wir arbeiten. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)
