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Silke Backsen

GRÜNE 26.03.2025 Sitzungen 20/84

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Vielfalt von Pflanzen und Tieren ist unsere wichtigste Lebensgrundlage. In den letzten Jahrzehnten ist jedoch ein in diesem Tempo bisher beispielloses Massenaussterben von Pflanzen und Tierarten zu beobachten. Der Einfluss des Menschen auf alle Bereiche unserer Umwelt hat so eben nicht nur zur Klimakrise geführt, sondern auch dazu, dass ein großer Teil der biologischen Vielfalt unwiederbringlich verloren gegangen ist. Es ist wichtig, dass sowohl Klimaschutz als auch Naturschutz untrennbar miteinander verbundene Aufgaben für uns als Gesellschaft sind. Deshalb sollten in unseren politischen Entscheidungen immer beide miteinander verbundenen Krisen, also die Klimakrise und die Krise der biologischen Vielfalt, eine zentrale Rolle spielen. Wir haben in den letzten Jahren im Bund und hier im Land beim Ausbau der erneuerbaren Energien auf die Tube gedrückt. Dieser jetzt im überragenden öffentlichen Interesse liegende Ausbau dient vor allen Dingen dem Klimaschutz. Bei der Ausgestaltung dieses Ausbaus müssen wir auf eine möglichst umweltfreundliche Umsetzung achten. Denn für uns ist klar: Fläche ist ein extrem kostbares Gut. Deshalb ist ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Flächenverbrauch enorm wichtig. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und Dr. Michael Schunck [SSW]) Das Solarpaket des Bundes betont das Prinzip des Mehrfachnutzens. Das findet sich im Solar-Erlass der Landesregierung wieder. Im besten Fall lassen sich Energieerzeugung, Förderung der Biodiversität und landwirtschaftliches Einkommen miteinander verbinden. (Silke Backsen) Auch Anlagen über bereits versiegelten Flächen wie zum Beispiel Parkplätzen werden stärker gefördert. Es bleibt klar: Vor allem der Solarausbau auf den Dachflächen und ehrlicherweise auch unsere Bemühungen um einen deutlich geringeren Energieverbrauch müssen weiter vorangehen. (Vereinzelter Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Bundesweit – wir haben es gerade schon gehört – gibt es bereits viele Beispiele für besonders naturverträgliche Freiflächen-Solaranlagen. Diese Beispiele wollen wir jetzt in und für Schleswig-Holstein sichtbar machen und – wie meine Kollegin es gerade sagte – auch den kommunalen Gremien und den Akteur_innen vor Ort konkrete Orientierung geben. Mit unserem Antrag bitten wir daher die Landesregierung, diese Best-Practice-Beispiele aufzuzeigen und einen Leitfaden dafür zusammenzustellen, zum einen für die biodiversitätsfördernden und zum anderen auch für Agri-Solaranlagen, die – wie ich eben schon sagte – sowohl die ökologischen als auch die ökonomischen Potenziale für SchleswigHolstein aufzeigen. Weiterhin bitten wir die Landesregierung, sich im Bund für eine Verstetigung eben der Förderung von Agri-Photovoltaikanlagen einzusetzen. Diese Förderung gibt es bereits im Erneuerbaren-Energien-Gesetz durch die sogenannten Innovationsausschreibungen, und wir begrüßen dies ausdrücklich. Aus meiner Sicht ist dennoch eine Verstetigung aktuell wichtiger denn je. Für biodiversitätsfördernde Photovoltaikanlagen ist darüber hinaus aus unserer Sicht ein eigenes Fördersegment sinnvoll. Last, but not least – wir haben es gerade gehört – nehmen wir ein weiteres wichtiges Thema in den Fokus. Unsere Landschaft in Schleswig-Holstein ist durch künstliche Barrieren wie zum Beispiel Autobahnen, Siedlungen und andere Verkehrswege bereits stark zerschnitten. Beim Rotwild etwa zeigen Studien, dass es nahezu keinen genetischen Austausch mehr zwischen bestimmten Populationen gibt. Die Zerschneidung der Lebensräume führt zur Verinselung dieser Populationen und damit zur Inzucht. Schon seit einiger Zeit berichten Jägerinnen und Jäger immer wieder von verkürzten Unterkiefern und anderen Deformierungen. Der Landesjagdverband hat erst vor Kurzem sehr eindringlich und nachdrücklich dazu im Ausschuss berichtet. WP) – 84. Sitzung (neu) – Mittwoch, 26. März 2025 Für uns heißt das: Wir brauchen einfach noch deutlich mehr Wildquerungen, Wildbrücken, Grünbrücken für das Großwild, aber auch zum Beispiel Krötentunnel, Otterbermen und andere Querungshilfen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und Dr. Michael Schunck [SSW]) Dies muss bei der Erarbeitung und bei der Evaluation des Wildwegeplans dringend berücksichtigt werden. Wir betonen daher die Bedeutung der Durchlässigkeit auch von Freiflächen-PV-Anlagen und AgriPV-Anlagen für Wildwanderrouten. Diese Aspekte – wir haben es schon gehört – müssen bereits bei der Planung mitgedacht und bedacht werden. (Vereinzelter Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Grundsätzlich – ich komme noch einmal auf die Flächen zurück – gilt für mich aber auch: Wir brauchen eben auch freie offene Landschaften, wir brauchen Flächen für Wiesenvögel, für Bodenbrüter, wir brauchen Brachflächen, wir brauchen Naturflächen, wir brauchen artenreiche Knicks und beweidetes Grünland. Wir müssen bei unseren Entscheidungen eben immer den Klimaschutz und den Naturschutz zusammendenken, denn die Vielfalt von Pflanzen und Tieren ist und bleibt unsere wichtigste Lebensgrundlage. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und Dr. Michael Schunck [SSW])

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