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Sophia Schiebe

SPD 26.02.2025 Sitzungen 20/81

Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Liebe Kolleg_innen! Mit dem Tampon in der Hand versteckt unauffällig zur Schultoilette schleichen, die Binde so langsam wie möglich auspacken, um Geräusche zu vermeiden – all das, nur damit niemand mitkriegt, dass man seine Periode hat. Solche Szenen gehören für viele junge Menschen zum Alltag und zeigen, wie sehr das Thema Menstruation noch immer mit Scham, Ekel und Angst behaftet ist. Das Absurde daran: Die Periode ist ein ganz natürlicher Prozess. Er betrifft ungefähr die Hälfte der Bevölkerung irgendwann in ihrem Leben, und trotzdem schämen wir uns so sehr dafür. Eine Umfrage von Plan International Deutschland verdeutlicht, wie tief Stigmatisierung und Scham in unserer Gesellschaft verankert sind. 97 Prozent aller befragten Mädchen und Frauen empfinden Blutflecken auf der Kleidung als Worst-Case-Szenario, und 33 Prozent der Befragten fühlen sich während der Periode als unrein. Gleichzeitig möchten sich 35 Prozent nicht mehr für ihre Periode schämen müssen. Deshalb fordern wir die Landesregierung auf, dringend eine stärkere Aufklärung über die Menstruation, Menstruationsprodukte und Periodenarmut zu schaffen, um solchen Stigmata und Tabus endlich entgegenzuwirken. (Beifall SPD, vereinzelt SSW und Beifall Dr. Bernd Buchholz [FDP]) Besonders an Schulen bedarf es an Aufklärung. Dort werden wichtige Grundlagen für den Umgang mit der Periode gelegt. Dazu gehört auch, dass wir anerkennen, dass die Menstruation nicht nur Mädchen und Frauen betrifft, sondern auch trans- und intergeschlechtliche Personen. (Vereinzelter Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Beifall Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Viele erleben noch eine zusätzliche Belastung. Manch eine würde sich freuen, wenn sie überhaupt einen Tampon heimlich zur Toilette tragen könnte, denn nicht jede kann genügend Menstruationsprodukte wie Binden oder Tampons kaufen. Periodenarmut bedeutet, dass Menstruationsprodukte für manche eine große finanzielle Belastung darstellen (Sophia Schiebe) können. Für armutsgefährdete Personen ist das auch hier in Deutschland ein weit verbreitetes Problem. Erschreckende Zahlen bestätigen das: 23 Prozent der Mädchen und Frauen sagen, die monatlichen Ausgaben für die Periode seien für sie eine finanzielle Belastung. Menstruationsprodukte sollten aber keine Luxusprodukte sein. Sie sind ein notwendiges Gut und hygienisch und gesundheitlich erforderlich. Die WHO warnt, dass eine unzureichende Menstruationshygiene zu Infektionen des Harnund Reproduktionstraktes führen kann. Zusätzlich erschwert der fehlende Zugang die gesellschaftliche Teilhabe. Viele Menstruierende fühlen sich gezwungen, während ihrer Periode zu Hause zu bleiben, weil sie keine geeignete oder saubere Toilette nutzen können oder geeignete Produkte vorfinden. Unsere Forderung an die Landesregierung ist daher klar: kostenlose Menstruationsprodukte in allen Liegenschaften des Landes. (Beifall SPD) Menstruationsprodukte sollten wie Toilettenpapier und Seife zum sanitären Grundangebot gehören. Es ist unverständlich, dass in öffentlichen Gebäuden des Landes, in denen täglich viele Menschen ein- und ausgehen, keine Menstruationsprodukte zur Verfügung stehen. Besonders im Landtag, der als Ort der politischen Entscheidungsfindung eine Vorbildfunktion hat, sollte eine angemessene Ausstattung selbstverständlich sein. Ich wurde auch schon mehrmals von Schülerinnen aus Besuchergruppen darauf angesprochen. Es fällt also auf. Die aktuelle Situation ist mehr als unangenehm, besonders wenn junge Menschen, die sich an ihren eigenen Schulen für kostenfreien Zugang einsetzen, im Landtag nichts vorfinden. Das darf einfach nicht sein. (Beifall SPD, Anne Riecke [FDP] und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Darüber hinaus soll die Landesregierung zusammen mit den Kommunen den kostenlosen Zugang zu den Produkten in öffentlichen Bildungseinrichtungen unterstützen. Besonders Schüler_innen, Auszubildende und Studierende leiden unter den finanziellen Belastungen. Daher ist es so wichtig, den kostenfreien Zugang zu Menstruationsprodukten gerade in den Bildungseinrichtungen zu ermöglichen. Erfreulicherweise sind bereits die ersten Schritte getan. Städte wie Schleswig oder einzelne Schulen und Universitäten wie die Universität Lübeck haben sich selbst verpflichtet und kostenfreie Menstruationsprodukte bereitgestellt. Aber es kann nicht sein, dass dieser kostenlose Zugang zu Menstruationsprodukten abhängig vom Wohnort ist. Wir fordern eine flächendeckende Umsetzung für Schleswig-Holstein, um diese Ungleichheit zu beseitigen. (Beifall SPD, vereinzelt SSW und Beifall Dr. Heiner Garg [FDP]) Um zum Schluss noch einmal auf die Befragung von Plan International zurückzukommen: 80 Prozent der Befragten finden, dass sich die Politik des Themas Periodenarmut annehmen sollte. Deshalb bitten wir, dass die Anträge an den Sozialausschuss überwiesen werden, denn Ziel muss es sein, dass Mädchen in Zukunft nicht mehr heimlich mit einem Tampon zur Schultoilette laufen müssen, sondern sicher sein können, dass die Produkte dort bereits vorzufinden sind. (Beifall SPD, vereinzelt FDP und SSW)

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