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Thomas Hölck

SPD 30.01.2025 Sitzungen 20/79

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte mich erst einmal beim Kollegen Christian Dirschauer und seiner Fraktion für diese Initiative bedanken, eine Initiative, die jetzt in einen fraktionsübergreifenden Antrag gemündet ist, mit der Zielsetzung, dass die Wildmuschelfischerei in der Flensburger Förde auf deutscher, aber auch auf dänischer Seite am Ende ausgeschlossen sein wird. Ich finde, das ist ein guter Erfolg. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP, SSW und vereinzelt CDU) Auch ich habe gestern Abend festgestellt, welch wunderbare Menschen es in der SSW-Fraktion gibt. (Beifall Christian Dirschauer [SSW] – Unruhe) Folglich ist das eine gute Initiative. Die Muscheln in der Flensburger Förde, (Anhaltende Unruhe) aber auch in der gesamten Ostsee haben eine wichtige ökologische Funktion. Es sind die Muscheln, die das Wasser filtern und somit maßgeblich zur Aufrechterhaltung des Ökosystems beitragen. Ein Quadratmeter Miesmuschelbank kann innerhalb einer Stunde bis zu 140 Liter Wasser filtern – das ist eine wichtige Reinigungsfunktion, deren Bedeutung vielleicht nicht immer allen bewusst ist. Die Miesmuschel und andere Muschelarten fungieren sozusagen als Kläranlage. Man stelle sich einmal vor, was los wäre, wenn unsere Kläranlagen nicht oder nur sehr unzureichend funktionierten. – Der Schutz der Muschelbänke ist allerdings kein reines Umweltschutzthema, aber darauf komme ich nachher noch zu sprechen. Der Schutz der Muschelbänke ist essenziell für die Frage, ob die Flensburger Förde als Ökosystem zukünftig Bestand haben wird. Ich will – wir wollen –, dass das Ökosystem in der Flensburger Förde Bestand hat. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP, SSW und Uta Wentzel [CDU]) Umweltexperten sind sich einig: Die Relevanz von Muschelbänken ist elementar, auch und insbesondere in unseren küstennahen Gewässern, unseren Förden, Buchten und Hafenanlagen. Intakte Muschelbänke sind wichtig für den Fortbestand vieler anderer Ostseebewohner wie Würmer und Krebse, die in und um die Muschelbänke ihren Lebensraum haben. Doch die Lage ist ernst. Der Sauerstoffgehalt in der Ostsee sinkt dramatisch. Dies wird durch den hohen Düngemitteleintrag aus der Landwirtschaft verstärkt. Umso mehr brauchen wir die wichtigen natürlichen Wasserfilter unserer Muscheln. Bereits 2019 konnten Taucher des Unterwasserteams Flensburg dokumentieren, dass sich die Muschelbänke nicht so schnell regenerieren, wie von vielen angenommen. Mit dem Rückgang der Muschelbänke geht auch die Anzahl der Fische zurück, denn diese verlieren so ihre Schutz- und Jagdbereiche. Die Miesmuscheln werden mit stählernen Schleppnetzen vom Boden abgekratzt. Wenn man sich dann den Boden anguckt, stellt man fest: Da ist nichts mehr. Dort wird alles umgepflügt, da wächst so schnell nichts mehr. Deshalb ist es richtig, in der Flensburger Förde darauf zu verzichten. (Beifall SPD, vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Beifall Christian Dirschauer [SSW]) Die vielfach erhoffte Regeneration tritt nicht so schnell ein wie gedacht. Das war ein Wunschdenken. Klar ist: Die Muschelbänke brauchen Zeit. Die wollen wir ihnen auch geben. Das Verbot der Wildmuschelfischerei in der Flensburger Förde ist von dänischer Seite beschlossene Sache. An der Umsetzung hapert es noch. Es ist richtig, ein dauerhaftes Verbot auch auf deut- (Thomas Hölck) scher Seite zu ermöglichen. – Da hat sich Minister Schwarz bisher ein bisschen schwergetan, aber jetzt, mit diesem Antrag, gibt es einen klaren Auftrag, und Sie können dann handeln. Bisherige Argumente, dass die Muschelfischerei im öffentlichen Interesse sei, da die Nachfrage nach Muscheln als Lebensmittel bestehe, sind für die Nordsee, nicht aber für die Flensburger Förde nachvollziehbar. Mit dem heutigen Beschluss werden wir einen wirklich wegweisenden Auftrag an die Landesregierung geben. Das macht wirklich Sinn. Es handelt sich nicht nur um einen umweltpolitischen Antrag, sondern es geht auch um den Tourismus, denn Gewässerqualität ist eine Grundlage dafür, dass der Tourismus funktioniert und erfolgreich umgesetzt werden kann. Es ist kein wirtschaftlicher Einbruch zu erwarten, weil dort zurzeit – seit Monaten – niemand mehr mit Schleppnetzen fischt. Auch deshalb ist das Verbot vertretbar. Die Befürchtung, dass ein Verbot die Diskussion um die Muschelzucht in der Nordsee, vor Hörnum, wieder aufleben ließe, ist unbegründet. Man darf die Gewässer nicht gegeneinander ausspielen, auch nicht die Schutzinteressen. Für die Nordsee gibt es einen sogenannten Muschelfrieden. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und Marc Timmer [SPD])

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