Hauke Hansen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich halte die Rede heute in Vertretung für meine Kollegin Andrea Tschacher, die leider erkrankt ist und der ich von dieser Stelle noch einmal gute Genesungswünsche sende. (Beifall) Ich danke der Ministerin für ihren umfassenden Bericht zum Maßnahmenpaket zur Sicherstellung der pflegerischen Versorgung in Schleswig-Holstein. Pflege betrifft uns alle. Sie ist das Herzstück einer der größten sozialen Herausforderungen unserer Zeit. Mit dem Maßnahmenpaket haben wir im Land einen wichtigen Schritt gemacht. (Birte Pauls [SPD]: Wir?) Es umfasst rund 30 Maßnahmen mit kurz‑, mittelund langfristigen Zielen. Mein Dank gilt dem Landespflegeausschuss, dem Sozialministerium und allen, die daran mitgewirkt haben. Mir ist wichtig, die Pflege nicht nur aus der politischen Perspektive zu verstehen, sondern auch die Praxis aus Sicht der Pflegekräfte kennenzulernen. Deshalb habe ich Anfang November 2024 in einer Pflegeeinrichtung in Lauenburg hospitiert und die Frühschicht ab 6 Uhr morgens begleitet. Nach der Verabschiedung des Maßnahmenpakets habe ich die Mitarbeiter der Einrichtung eingeladen und mir ihre Meinung zu den einzelnen Maßnahmen angehört. Die praktischen Rückmeldungen waren sehr hilfreich. Auf Basis dieser Erfahrungen und der Gespräche möchte ich nun vier zentrale Punkte aus dem Maßnahmenpaket hervorheben, die mir besonders wichtig erscheinen, auch wenn es noch viele weitere gute Ansätze in diesem Maßnahmenpapier gibt. Zunächst einmal die Unterstützung pflegender Angehöriger. Pflegende Angehörige sind das Rückgrat unseres Pflegesystems. Sie leisten jeden Tag einen unschätzbaren Beitrag. Hier müssen wir ansetzen und gezielt Verbesserungen schaffen. Maßnahmen wie familiale Pflege und der Pflege-Guide unterstützen bei der Pflegeorganisation zu Hause und erleichtern die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, ein Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinnt. Zweitens die Förderung der Digitalisierung in der Pflege. Die Digitalisierung ist ein wichtiger Schlüssel, um Pflegekräfte und Angehörige zu entlasten. Ein gutes Beispiel hierfür ist das digitale Pflegebistro. Das zeigt, wie digitale Innovationen die Pflegepraxis sinnvoll unterstützen können. Die Maßnahmen zur digitalen Pflegebedarfserhebung mit Frühwarnsystem finde ich besonders spannend, weil sie mithilfe von KI-Technologie frühzeitig Versorgungsdefizite und weiße Flecken in der Pflegeversorgung aufdecken kann. Drittens der Abbau bürokratischer Hürden. Die Bürokratie im Pflegesektor bindet wertvolle Zeit; Zeit, die für die direkte Pflege genutzt werden könnte. Während meiner Hospitation schilderten Pflegekräfte das eindrücklich. Bürokratieabbau ist eine zentrale Maßnahme, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und mehr Zeit für die Pflege zu schaffen. Auch pflegende Angehörige kämpfen mit aufwendiger Bürokratie. Komplizierte Anträge und zeitintensive Kommunikation, das muss der Vergangenheit angehören; hier brauchen sie mehr Entlastung. Ich komme zum vierten Punkt, die Einbindung von Geflüchteten in den Pflegesektor. Die Einbindung von Geflüchteten in den Pflegesektor ist eine Maßnahme, die ich ausdrücklich begrüße. Die Maßnahme hat das Potenzial, eine Win-win-Situation zu schaffen. Die Einwanderung von Geflüchteten kann das Fachkräfteproblem, den Fachkräftemangel mindern und eröffnet gleichzeitig Perspektiven in einem zukunftssicheren Berufsfeld. Das Pilotprojekt des Sozialministeriums zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten in die Pflege zeigt eindrucksvoll, wie dieses Potenzial gehoben werden kann. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Pflege ist ein Thema, das uns alle betrifft. Unser Ziel muss es sein, eine Pflege zu gewährleisten, die gerecht, zugänglich und finanzierbar bleibt – jetzt und in der Zukunft. Das schaffen wir nur gemeinsam. Das Maßnahmenpaket ist ein wichtiger Schritt, doch es (Hauke Hansen) braucht auch bundesweit Reformen, um das Pflegesystem zukunftsfähig zu machen. Ich danke für die heutige Aufmerksamkeit und freue mich auf die Zusammenarbeit bei der Umsetzung dieser Punkte. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
