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Malte Krüger

GRÜNE 11.12.2024 Sitzungen 20/75

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Schiefer, Frau Waldeck, Frau Waldinger-Thiering, Frau Katja Rathje-Hoffmann, Frau Röttger, Frau Schiebe, Herr Balasus, Herr Vogt, Herr Habersaat, es ist ein gutes Zeichen, dass wir heute gemeinsam diesen Antrag mit ganz konkreten Maßnahmen einreichen, und dafür bin ich Ihnen persönlich und natürlich den jeweiligen Fraktionen sehr, sehr dankbar. Ich glaube, es ist ein gutes Zeichen, dass wir heute gemeinsam diesen Antrag einreichen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und vereinzelt SSW) Seit über einem Jahr arbeiten wir im Bildungsausschuss und im Plenum an einem Plan gegen Kinder- und Jugendgewalt. Dabei hatten wir eine erkenntnisreiche Anhörung, an der verschiedene Ausschüsse beteiligt waren, mit Expert_innen, die die Prävention in meinen Augen sehr in den Fokus gerückt haben. Es zeichnet diesen Landtag – finde ich – aus, dass wir bei solchen fundamentalen Themen zusammenstehen und nicht ins parteipolitische Klein-Klein verfallen, sondern von allen Fraktionen Ideen und Perspektiven zu dem Thema bekommen haben, die in diesen Antrag eingeflossen sind, den wir dann hoffentlich heute auch verabschieden. Ehrlich gesagt geht dieses Thema Kinder- und Jugendgewalt uns alle etwas an. Ich glaube, vielen von uns, wenn man sich an die Schulzeit erinnert, ergeht es ähnlich. Das ist ja bei einigen schon länger her; bei mir ist es auch schon ein paar Jahre her, aber ich erinnere mich trotzdem noch sehr gut daran, und ich glaube, dass es vielen ebenso ergeht. Ich kann mich da schon an vieles erinnern: Prügeleien auf dem Schulhof, Tritte an der Bushaltestelle, die zum Beispiel auch mich einmal getroffen haben, und dann auch oftmals eine Ohnmacht von Lehrkräften im Umgang damit. Das sind alles Erfahrungen, die auch jetzt an Schulen gemacht werden. Natürlich muss von die- (Malte Krüger) sem Haus dann auch das Zeichen ausgehen, dass wir Gewalt an keiner Stelle tolerieren. (Vereinzelter Beifall ganzes Haus) Vom Babyalter bis in die Jugend haben Kinder ein Recht auf Fürsorge und Schutz vor Gewalt. Kinder, die stabile Bindungen erleben, Wertschätzung erfahren, Erfolge verbuchen und eine Zukunft sehen, sind meist nicht gewalttätig. In allen Bereichen versuchen wir daher, gute Lebenssituationen für Kinder zu schaffen. Zur Jugend gehört dann auch mal Grenzüberschreitung, und eine Rauferei ist sicherlich ab und zu dabei. Wird ein Jugendlicher jedoch andauernd gewalttätig, ist oftmals lange davor schon etwas schiefgegangen. Nachdem Gewalttaten lange Zeit zurückgingen, steigen sie in den letzten Jahren in einigen Bereichen bei Kindern und Jugendlichen wieder an. Die Ursachen sind vielfältig, doch die Lebensbedingungen waren meist schwierig, und die Täter und Opfer sind überwiegend männlich. Gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen zu hinterfragen, ist auch Aufgabe von Pädagogik und Gesellschaft. Dazu haben wir ja auch etwas in unserem Antrag drin. Das gesamte Leben von Kindern verbessern kann unser Antrag nicht. Unser Antrag verbessert aber die Prävention und die systematische Aufarbeitung von Gewalttaten. Der Schwerpunkt liegt auf der Schule, denn hier sind alle Jugendlichen ansprechbar. Für Lehrkräfte wird Gewaltprävention noch stärker Teil der Ausbildung und ihrer Fortbildung. Wir stellen den Schulen Handreichungen für den Ernstfall zur Verfügung und verstärken eben auch die Kooperation mit Polizei und Jugendhilfe. Ich möchte einmal ein paar Maßnahmen aus unserem Papier herausgreifen. Ich habe gerade schon etwas zu Maßnahme 5 gesagt, dass wir geschlechtsspezifische Inhalte insbesondere in der Prävention an Kitas und Schulen verstärkt berücksichtigen und uns da vor allem Angebote zur Jungenpädagogik angucken, denn wir wissen ja aus den Zahlen, Daten und Fakten, dass es eben vor allem männliche Schüler trifft. Gleichzeitig brauchen wir auch – davon bin ich überzeugt – eine gute Kooperationsstruktur für Partnerschaften von Schulen und Polizeidienststellen. Ich kenne das bei mir aus Itzehoe sehr gut, da ist die Polizeidirektion gut mit den Schulen im Austausch. Ich höre von beiden Seiten, sowohl von Schule als auch von Polizei, dass es da einen echten Mehrwert gibt, auch für die Polizei übrigens, weil die natürlich auch davon profitiert. Das ist also eine gute Maßnahme, bei der wir schauen müssen, wo wir das in Schleswig-Holstein noch weiter etablieren können. Unter anderem muss es natürlich auch darum gehen, kommunale Präventionsketten weiterzuentwickeln, die wir natürlich auch stärken wollen. Da geht es natürlich um die bessere Vernetzung zwischen Schule, Jugendhilfe, Kinderschutz, Gesundheitsfürsorge, Polizei und Schulsozialarbeit, gegebenenfalls auch Justiz. Dann geht es natürlich auch um die psychologische Unterstützung von Betroffenen, weil es natürlich nicht bei jeder Gewalttat dessen bedarf, aber bei einigen eben schon. Dann brauchen die jungen Menschen eben schnell Unterstützung. Ich weiß nicht, wer von Ihnen in letzter Zeit mal versucht hat, Psychotherapeut_innen zu erreichen. Das ist nicht so einfach. Wenn man in einer Krisensituation ist und dann bei einer Psychotherapeutin aufs Band spricht und hofft, dass man mal irgendwann zurückgerufen wird, ist das keine tolle Situation, noch weniger, wenn man das Ganze als junger Mensch erleben muss. Deswegen ist das ein ganz wichtiger Punkt an der Stelle. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU – Birte Pauls [SPD]: Aber genau das habt ihr doch vor einigen Tagen noch abgelehnt!) – Frau Pauls, ich will mich jetzt bei dem Thema gar nicht mit Ihnen streiten, weil wir so große Einigkeit haben. Das will ich jetzt nicht auf den letzten Metern anfangen. Zuletzt – das ist ja auch etwas, weswegen wir das heute noch einmal debattieren – finde ich es richtig, dass das Ministerium auch gesagt hat, dass wir jährlich einen Bericht im Bildungsausschuss zu dem Thema haben, denn das Thema wird ja nicht morgen vorbei sein, sondern uns weiter beschäftigen. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und Jette Waldinger-Thiering [SSW])

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