Anette Röttger
Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In einer Zeit von vorweihnachtlichem Glanz und gelebter Nächstenliebe steht in dieser Plenarwoche das Thema Gewalt gleich mehrfach auf unserer Tagesordnung. Neben den für morgen gesetzten Tagesordnungspunkten zu Fragen der häuslichen Gewalt und zur geschlechterspezifischen Gewalt geht es heute um die Frage, wie wir einer zunehmenden Kinder- und Jugendgewalt entschieden begegnen können. Leider leben wir in einer Zeit, in der eine Zunahme an Kindswohlgefährdungen existiert. Dramatische Einzelvorfälle wie die Ereignisse in Heide, Uetersen und Geesthacht lassen uns fassungslos und traurig zurück. Landtag und Landesregierung haben sich dem sensiblen Thema der Kinder- und Jugendgewalt in diesem Jahr daher ausführlich gestellt. Mit einer gemeinsamen Anhörung des Bildungs‑, des Sozialund auch des Innen- und Rechtsausschusses konnten wichtige Erkenntnisse zum Umgang mit diesem sensiblen Thema zusammengetragen, 14 konkrete Einzelmaßnahmen abgeleitet und mit öffentlichen Mitteln hinterlegt werden. Ich nenne beispielhaft aus dem Bildungsbereich die Unterstützungsmaßnahmen aus dem StartChancenProgramm, die Stärkung der Schulsozialarbeit, die Stärkung des schulpsychologischen Dienstes und die Schaffung von Schnittstellen zwischen Schule, Polizei und Jugendhilfe. Ich freue mich, dass wir uns zu diesem sehr wichtigen Thema auf einen fraktionsübergreifenden Antrag verständigt haben. Das zeigt ein entschlossenes, aber auch ein geschlossenes Handeln in diesem sensiblen Bereich. Kitas und Schulen beklagen es: Immer mehr Kindern und Jugendlichen fehlen wichtige basale Kompetenzen im sozial-emotionalen Bereich. Mit multiprofessionellen Teams und guten Konzepten begegnen unsere Kitas und Schulen diesen Herausforderungen, um jedes einzelne Kind, jede Schülerin, jeden Schüler möglichst gut in die jeweilige Klassengemeinschaft zu integrieren. Trotz eines deutlich beklagten Fachkräftemangels ist es für viele junge Menschen schwerer geworden, die passgenaue berufliche Orientierung und den richtigen Platz im Leben zu finden. Die Folgen der Pandemie, die multiplen Krisen und zu starke Nutzungsgewohnheiten digitaler Medien beeinträchtigen die mentale Gesundheit. Das, was (Anette Röttger) sich zunächst als Lustlosigkeit oder Antriebsarmut äußert, kann sich in Einzelfällen zu einer Perspektivlosigkeit weiterentwickeln. Und Perspektivlosigkeit befördert im schlimmsten Fall eine Gewaltbereitschaft. Deshalb gilt es, Kinder und Jugendliche rechtzeitig abzuholen. Mit den in unserem gemeinsamen Antrag konkret formulierten 14 Einzelmaßnahmen sorgen wir in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung dafür, dass Kinder und Jugendliche hier in unserem Land gewaltfrei aufwachsen können. Kinder- und Jugendgewalt treten wir durch klare und verlässliche Unterstützungsprogramme entschlossen entgegen. Kinder und Jugendliche brauchen echte Aufmerksamkeit der Erwachsenen. Sie brauchen echte Vorbilder. Sie brauchen Verlässlichkeit und Vertrauen, viel Geduld, Zuwendung und Zeit. Kümmern wir uns gemeinsam um ihre Anliegen, bleiben wir insbesondere denjenigen gegenüber wachsam und aufmerksam, die sich traurig zurückziehen! Dort, wo es Kindern und Jugendlichen an verlässlichen häuslichen Strukturen in Elternhäusern fehlt oder ein schwieriges soziales Umfeld das Aufwachsen begleitet, wird es umso notwendiger, den Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit multiprofessionellen Teams und konkreten Maßnahmen zur Gewaltprävention wirkungsvoll zu begleiten. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft, und jeder einzelne ist wertvoll. Wir wünschen unseren Kindern eine unbekümmerte Kindheit, in der die emotionalen und sozialen Kompetenzen gestärkt werden. Gewaltfreie Kindererziehung ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Neben der Präventionsarbeit, dem Umgang mit Konflikten und einer analogen Streitschlichtung weisen Expertinnen und Experten sehr deutlich auch auf die Gewalt aus dem digitalen Raum hin. Ich bin unserer Ministerin sehr dankbar, dass sie eben auch zu dem vorherigen Thema am Schluss gesagt hat, wie wichtig es ist zu erkennen, dass in einer bislang ungeahnten Dynamik verletzende Postings, Filme und Fotos schnell und weit verbreitet werden und viel Schaden anrichten können. Ein sachgerechter Umgang ist erforderlich. Die meisten Kinder in unserem Land wachsen allerdings und glücklicherweise mit echten und vertrauten Bezugspersonen auf und sind von Menschen umgeben, die sich Zeit für sie nehmen, denen sie sich anvertrauen können und mit denen sie über alles reden können. Helfen wir denjenigen, die dieses Glück nicht haben! Ich bitte um Zustimmung. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
