Beate Raudies
Für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat jetzt die Abgeordnete Catharina Nies das Wort. Catharina Johanna Nies [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleg_innen! Immer mehr Eltern vertrauen ihre Kinder einer Kindertagesbetreuung an. Insbesondere die Bedarfe im U‑3-Bereich steigen. Das ist positiv, denn es ist gut, wenn Kinder früh den Zugang zu frühkindlicher Bildung erhalten. Damit wird die Kita auch immer mehr zu dem Raum, in dem eine gute Ernährung und eine warme Mahlzeit der Kinder gesichert werden kann. Es war richtig und wichtig, dass der Bundestag im Mai 2023 einen ersten Bürger_innenrat eingesetzt hat, der sich mit dem Thema „Ernährung im Wandel: Zwischen Privatangelegenheit und staatlichen Aufgaben“ beschäftigen sollte. Denn wie und was unsere Kinder essen, ist schon lange keine Privatangelegenheit mehr, sondern findet eben auch in Kita und Schule statt. Die Ernährung hat Auswirkungen auf die kindliche Gesundheit und körperliche Entwicklung, auf die Hirnentwicklung und die Konzentrationsfähigkeit, auf das Gewicht der Kinder und auf ihre Energie. Schon sehr früh prägt sich beim Kind das spätere Ess- und Ernährungsverhalten aus. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder bereits in Kita und Schule eine (Catharina Johanna Nies) gesunde und ausgewogene Ernährung bekommen und erfahren, wie schön es ist, gemeinsam mit anderen an einem Tisch zu sitzen und zu essen. Denn das ist auch kulturelle Bildung und stärkt die sozialen Beziehungen. (Beifall ganzes Haus) Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat klare Richtlinien für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen formuliert. Diese Empfehlungen sind nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern auch praxisnah. Sie betonen die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und hochwertigen Eiweißen und arm an Zucker ist. Wann immer möglich, sollten die verwendeten Nahrungsmittel natürlich regional und saisonal sein und idealerweise Bioqualität haben. Besonders in Kitas, wo Kinder oft mehrere Mahlzeiten am Tag einnehmen, ist es entscheidend, dass diese Nahrungsmittel auf dem Speiseplan stehen und auf gesüßte Getränke verzichtet wird. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Kinder sind besonders anfällig für negative Auswirkungen einer zuckerreichen Ernährung, die zu Übergewicht und anderen gesundheitlichen Problemen führen kann. Mahlzeiten und ihre Zubereitung sind auch Lerngelegenheit, Sozial- und Erfahrungsraum. Insofern ist es ein Erfolg der Kitareform, dass sich der Anteil der Kitas, die ein Mittagessen anbieten, von 74 Prozent im Jahr 2019 auf mittlerweile 92 Prozent erhöht hat. Das zum Thema warme Mahlzeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Gesunde Ernährung ist Bildung und kann durch gemeinsames Kochen oder den Besuch von Bauernhöfen und Märkten gelehrt werden. Solche Erfahrungen fördern nicht nur das Verständnis für die Herstellung von Lebensmitteln, sondern auch die Wertschätzung für Natur und Tiere. Nicht jede Kita hat den Luxus, selbst kostengünstig kochen zu können. Caterer und Bioprodukte sind oft teurer. Insgesamt sollte es also eine Balance zwischen Qualität und Kosten geben. Das KiTaG regelt bereits, dass die Kosten in Kita und Hort angemessen sein müssen und dass die Kalkulation der Beiträge den Elternvertretungen offenzulegen ist. Über das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes wird das Mittagessen an Kita und Schule seit 2019 für Kinder in Bedarfsgemeinschaften komplett ohne Zuzahlung übernommen. Ich halte das für eine wichtige soziale Errungenschaft. Das muss so bleiben. Selbstverständlich würde auch ich mich freuen, wenn wir über das Bildungs- und Teilhabepaket hinweg allen Kindern kostenfrei ein qualitativ hochwertiges Bio-Mittagessen anbieten könnten. Der Bericht zeigt aber – das wurde schon genannt –, dass dies finanziell durch das Land allein nicht leistbar ist. Die Kosten für die Finanzierung eines kostenlosen Mittagessens für alle Kitakinder würde laut Bericht um die 140 Millionen Euro jährlich kosten. Nur für diejenigen an Grundschulen, die dort bereits derzeit Mittag essen, wären es mindestens 50 Millionen Euro. Das ist einfach Geld, das wir im Landeshaushalt gerade nicht haben. Aber der Bürger_innenrat selbst schlägt ja vor, wie auch der Kollege Habersaat eben schon gesagt hat, dass sich der Bund zur Hälfte an der Finanzierung beteiligen soll. Das ist auf jeden Fall etwas, wofür wir uns alle gemeinsam auf Bundesebene starkmachen sollten. Vielleicht machen wir uns ja auch darüber hinaus gemeinsam dafür stark, dass das Schulobstprogramm der EU weiter ausgebaut wird. Denn ich finde es großartig, wie sehr unsere Kinder hiervon jetzt schon profitieren. Deutschland erhielt im Jahr 2023/24 knapp 21 Millionen Euro für Schulobst und Schulgemüse, und das ging an mehr als 25.000 Bildungseinrichtungen in Deutschland. Solange die Kosten für eine Vollfinanzierung nicht getragen werden können, finde ich es richtig, stattdessen weiterhin Familien, die finanziell auf eine Förderung angewiesen sind, gezielt über das BuT zu unterstützen. – Ich danke Ihnen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU)
