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Sophia Schiebe

SPD 21.11.2024 Sitzungen 20/73

Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Liebe Kolleg_innen! Ich möchte meine Rede mit den meiner Meinung nach wichtigsten Erkenntnissen aus den beiden Berichten beginnen: Bis 2030 wird der Bedarf an Fachkräften in Kindertageseinrichtungen dramatisch ansteigen. Gleichzeitig geht die Zahl der verfügbaren Fachkräfte zurück, unter anderem durch Renteneintritte, mangelnden Nachwuchs und die wachsenden Anforderungen im Bereich der frühkindlichen Bildung. Der Bericht zur Fachkräfte- und Ausbildungssituation ergänzt dieses Bild um weitere Details. Trotz erster Ansätze zur Fachkräftegewinnung wie dem Ausbau der Praxisintegrierten Ausbildung, der Anerkennung ausländischer Abschlüsse oder dem Versuch, Quereinsteiger_innen zu gewinnen, bleiben diese Maßnahmen hinter den Erwartungen zurück. Die Ausbildungszahlen reichen nicht aus, die Arbeitsbedingungen sind vielerorts unattraktiv, und die Umsetzung der Strategie wirkt oft uneinheitlich. Hier setzt auch meine erste Kritik an. Sie bezieht sich auf die fehlende Verbindlichkeit der bisherigen Maßnahmen. Zwar werden in den Berichten Strategien wie die Verkürzung von Ausbildungszeiten oder die Stärkung des PiA-Modells erwähnt, doch die Umsetzung dieser Maßnahmen erfolgt oft schleppend, uneinheitlich und vor allem ohne klare Zielvorgaben. Es reicht nicht, gute Ideen auf den Weg zu bringen, wir brauchen klare Fristen, messbare Ziele und zentrale Koordination. (Beifall SPD) Positiv hervorzuheben ist, dass es nun endlich eine Fachkräftevorausberechnung geben soll. Es geht also doch! Mit den Ergebnissen dürfen wir laut Bericht Ende 2025, nach den Äußerungen der Ministerin eben Anfang 2026 rechnen. An dieser Stelle zeigt sich: Oppositionsarbeit wirkt. (Beifall SPD und Christian Dirschauer [SSW]) Die beiden Berichte konzentrieren sich stark auf kurzfristige Maßnahmen wie zum Beispiel die Gewinnung von Quereinsteiger_innen. Während solche Ansätze helfen können, akute Engpässe zu lindern, fehlt es an einer umfassenden Planung für nachhaltige Lösungen. Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse wird als zentrale Maßnahme genannt. Doch die Praxis zeigt, dass die bürokratischen Hürden und die langwierigen Verfahren viele potenzielle Fachkräfte weiter abschrecken. Einheitliche Standards und eine schnellere Abwicklung sind dringend notwendig, um diese Zielgruppe besser einzubinden. Vielleicht ist es auch angebracht, die Personalqualifikationsverordnung erneut anzufassen. Um das noch einmal in Verbindung zu setzen: Die Berichte gehen nur unzureichend auf die Anforderungen einer zunehmend diverser werdenden Gesellschaft ein. Insbesondere die Gewinnung von Fachkräften aus verschiedenen kulturellen und sozialen Kontexten wird zwar als Ziel formuliert, jedoch fehlen konkrete Ansätze, um diese Gruppen gezielt anzusprechen und in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Beide Berichte heben zwar hervor, dass Arbeitsbedingungen und Vergütung eine wichtige Rolle spielen, setzen hier jedoch zu wenig an. Der Beruf in den Kindertageseinrichtungen, in der Ganztagsbetreuung und in der Jugendhilfe wird von Fachkräften häufig als belastend und wenig wertschätzend wahrgenommen. Warum nicht die Helfenden Hände zusätzlich zum Fachpersonal in den Kitas finanzieren oder – wie vom Aktionsbündnis Kindeswohl schon seit Langem gefordert – die Kinder- und Jugendeinrichtungsverordnung anpassen? Zumindest könnte die Sozialministerin noch einmal als Moderatorin vermitteln und dafür sorgen, dass wir endlich wieder einen Landesrahmenvertrag für unsere Jungendhilfeeinrichtungen haben. (Beifall SPD) Wir haben steigende Anforderungen durch pädagogische und administrative Aufgaben; das wissen wir alle. Die Entlohnung ist an vielen Stellen unzureichend und führt zu einem Attraktivitätsverlust dieser Berufe. Ohne spürbare Verbesserungen der Gehälter, Arbeitsbedingungen und Weiterbildungsmöglichkeiten werden die Bemühungen um die Fachkräftegewinnung nicht erfolgreich sein. Bei keinem der beiden Berichte wird der Fachkräftemangel im ländlichen Raum hinreichend adressiert. Hier sind spezifische Maßnahmen erforderlich, um dem Wegzug junger Fachkräfte entgegenzuwirken und Anreize für die Arbeit in strukturschwachen Regionen zu schaffen. Was in beiden Berichten auch nicht erwähnt wird, ist die Abbruchquote in den jeweiligen Ausbildungsgängen. Ich habe mir die Mühe gemacht und (Sophia Schiebe) beim Bildungsministerium nachgefragt. Die Zahlen sind dramatisch: 28,82 Prozent aller angehenden Sozialpädagogischen Assistenzen vollenden ihre Ausbildung nicht, 20,77 Prozent in der Heilerziehungspflege, 17,54 Prozent der Heilpädagog_innen und 14,86 Prozent der Erzieher_innen. Wenn man alle Ausbildungsgänge zusammennimmt, bedeutet das, dass circa ein Fünftel die Ausbildung nicht beendet und uns als Fachkräfte verloren geht. Warum spricht die Landesregierung in diesem Bericht nicht darüber, und – die viel wichtigere Frage – warum tut sie nichts dagegen? (Beifall SPD) Ich fordere einen Runden Tisch mit allen dazugehörigen Berufsschulen, um in Erfahrung zu bringen, warum die Zahlen so hoch sind und was dagegen getan werden muss, um die Abbruchquote endlich zu verringern. Die Schulen dort alleinzulassen, halte ich für schlichtweg verantwortungslos. (Beifall SPD) Es bleibt trotz erster Bemühungen reichlich zu tun. Das zeigen uns die beiden Berichte, das zeigt uns die bisherige Arbeit der Landesregierung. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

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