landtag.ltsh.de ↗

Lasse Petersdotter

GRÜNE 21.11.2024 Sitzungen 20/73

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Wir alle haben im Sommer sehr wahrscheinlich den Olympischen und Paralympischen Spielen zugeguckt, gelauscht und Sportarten entdeckt, die wir vielleicht vorher gar nicht kannten, zumindest für die wir vorher noch kein Herz hatten. Wir haben Athletinnen und Athleten bei den Paralympischen und Olympischen Spielen kennengelernt, etwas über ihre Geschichte und über die sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in den Sportarten erfahren und uns begeistern können für diesen Die-Welt-kommt-zusammen-Moment bei den sehr herausragend guten Spielen in Paris. Wenn in Deutschland gesegelt wird, dann gefälligst in Kiel. (Beifall ganzes Haus) Kiel hat gezeigt, dass wir Olympische Spiele können, und Kiel hat gezeigt und zeigt jedes Jahr, dass wir Segel-Großevents können. Die Kieler Woche, immer noch größer als die Segelbereiche der Olympischen Spiele, finden jedes Jahr hier statt, wachsend und unter großer Begeisterung der Gesellschaft. Wir haben zweimal gezeigt, dass wir Olympische Spiele in Kiel umsetzen können, das letzte Mal 1972. Wie sehr hat das Kiel verändert? Wie sehr hat das Kiel-Nord, meinen Wahlkreis, verändert, aber insbesondere auch Schilksee? Betrachten wir beispielsweise das Umweltministerium. Das jetzige Umwelt- und Klimaschutzministerium tagt heute im ehemaligen Pressezentrum der Olympischen Spiele. Damals hat man noch nicht so nachhaltig gedacht, denn jedes einzelne Büro wurde so gebaut, dass man nicht ins andere hereingucken kann, damit man nicht sieht, was der andere Journalist so schreibt. Das war für zwei Wochen sehr sinnvoll. Aber für die 50 Jahre danach ist das nicht so ideal und nicht so kommunikativ. Trotzdem hat es diese Stadt verändert. (Heiterkeit SSW) Oder nehmen wir die Tatsache, dass Kiel die letzte Landeshauptstadt war, die mit der A 7 einen Anschluss an eine Autobahn bekommen hat. Heute wäre das kontroverser, aber es war damals ein Erfolg. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, FDP, SSW und Serpil Midyatli [SPD]) Auch der ZOB ist in der Zeit wegen der Olympischen Spiele entstanden und ebenso das Opernhaus. Oder auch wenn wir hier vors Haus gucken: Die Kiellinie als Promenade war ein Ergebnis der Olympischen Spiele von 1972. Und, davon haben wir alle was, auch das erste Kieler Klärwerk ist durch die Olympischen Spiele entstanden. Denn man hat sich schon Gedanken gemacht: Wenn die Leute in der Förde herumschwimmen, wo schwimmen sie da eigentlich? – Tatsächlich hatte Kiel vor 1972 kein Klärwerk, sondern nur die Ostsee. (Zurufe CDU: Oh!) Eins muss man wirklich betonen, der Kollege Koch hat das wunderbar recherchiert. In Schilksee ist es natürlich ein ganz besonderer Moment. Der Schilkseer Olympiahafen ist mit diesem ikonischen Bau von 465 Metern kaum wegzudenken; ein Betonbau, in dem die olympischen Athlet_innen damals untergekommen sind; hier wird bis heute noch Sport getrieben. Der Oberbürgermeister Günther Bantzer hat damals gesagt, die Olympischen Spiele sind ein Geldsegen. Ich hoffe, dass es auch dieses Mal so sein wird, und hoffentlich wird es vor allen Dingen ein Geldsegen aus Berlin. 2015 gab es einen Bürgerentscheid. 65 Prozent der Kieler Bevölkerung waren dafür. Wir Grüne nicht so wirklich, (Serpil Midyatli [SPD]: Was? Lasse!) aber wir konnten uns an der Stelle nicht durchsetzen. Ich sage ganz klar: Wer Bürgerentscheide will, respektiert sie auch, wenn sie stattgefunden haben. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, SSW und Serpil Midyatli [SPD]) (Lasse Petersdotter) Deswegen sind wir Grüne für Olympia. Trotzdem haben wir Ansprüche an die Olympischen und Paralympischen Spiele. Wir wollen den Meeresschutz stärken, wenn hier auf dem Wasser Sport gemacht wird. Wir wollen die Stadtbahn als klimaneutrale Möglichkeit, um durch Kiel durchzukommen, am besten in einer schienengebunden Variante. Und wir wollen natürlich die Spiele und die Infrastruktur nach Möglichkeit klimaneutral und mit einem guten Nachnutzungskonzept aufbauen. Genau das, was auch der Kollege Koch angesprochen hat, wäre sinnvoll, und zwar dass wir über die soziale Wohnraumförderung die Unterkünfte für die Athletinnen und Athleten schaffen und anschließend bezahlbaren Wohnraum da haben, wo wir ihn brauchen, und zwar in Schilksee. Das wäre ein großer Fortschritt für die Region. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und Serpil Midyatli [SPD]) Deswegen freue ich mich über diese Einigkeit. Wir haben einen gemeinsamen Text, nicht nur als Kieler Landtag mit allen Fraktionen, sondern auch mit der Ratsversammlung mit allen demokratischen Fraktionen geschaffen. Das ist ein wichtiger Fortschritt. Daher dürfen wir nicht vergessen: Die Olympischen Spiele sind mehr als zwei Wochen schöner Sport. Es gibt eigentlich nur zwei Momente, wo alle Menschen weltweit zusammenkommen. Das ist die UN, und das sind die Olympischen Spiele. Wir erinnern uns in diesem Sommer an das Bild von einer nordkoreanischen sowie von einer südkoreanischen Athletin, wie sie gemeinsam ein Foto machen: historisch einmalig, unvorstellbar, auch kontrovers in den jeweiligen Regionen wahrgenommen. Aber das schafft eben am Ende des Tages nur der Sport, das schaffen nur die Olympischen und die Paralympischen Spiele. Aus diesem Grunde ist Kiel als Ort mit Hafen, als weltoffene Stadt genau der richtige Standort, sportlich Spitzenleistung zu erbringen und diplomatisch Dinge zu schaffen, die andere nicht schaffen. Deswegen freue ich mich auf die Spiele 2036, aber noch viel lieber 2040. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, FDP, SSW und vereinzelt SPD)

Alle Reden von Lasse Petersdotter Protokoll ↗