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Tobias Koch

CDU 21.11.2024 Sitzungen 20/73

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der antiken Sage nach schlossen die griechischen Stämme im Jahr 884 vor Christus das Abkommen zum olympischen Frieden, mit dem die Sicherheit für die Dauer der Wettkämpfe garantiert wurde. Einen solchen olympischen Frieden würde ich mir gerade auch in der heutigen Zeit wünschen, damit der russische Aggressor im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sowie die Konfliktparteien im Nahen Osten zumindest für ein paar Wochen innehalten würden und Zeit hätten, über ihr eigenes Handeln nachzudenken. (Beifall ganzes Haus) Nun ist die Sage des olympischen Friedens historisch nicht eindeutig belegt, und vielleicht ist dieser Wunsch heutzutage auch wenig realistisch. Mit der Einführung der Olympischen Spiele der Neuzeit haben sich die Olympischen Spiele aber nicht nur zum größten Sportereignis der Welt entwickelt, sondern sie dienen immer auch der Völkerverständigung, wenn sich die Welt zum fairen sportlichen Wettkampf trifft. Bei aller Kommerzialisierung des Sportes ist es dieser positive olympische Gedanke von Völkerverständigung, um faires Kräftemessen, der die Men- (Tobias Koch) schen an Olympischen Spielen begeistert. Genau das brauchen wir in der heutigen Zeit mehr denn je. (Vereinzelter Beifall CDU, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und SSW) Wir haben diese Begeisterung für Olympia auch bei uns in Schleswig-Holstein schon erlebt. Olympia in Deutschland hieß bislang immer auch olympische Segelwettbewerbe in unserer Landeshauptstadt Kiel. Diese Chance haben wir jetzt wieder. Wenn sich Deutschland um die Austragung der Olympischen Sommerspiele der Jahre 2036 oder 2040 bewirbt, dann braucht es einen Austragungsstandort für die olympischen Segelwettbewerbe. Keine andere Region und keine andere Stadt in Deutschland sind dafür mehr prädestiniert als Schleswig-Holstein und die Stadt Kiel. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW – Serpil Midyatli [SPD]: Bravo!) Allein schon wenn man an die Olympiabauten in Kiel-Schilksee denkt: Auf 465 Meter Länge reihen sich dort Bootshallen, Schwimmhalle, ehemalige Unterkünfte für Athletinnen und Athleten. Das ist Infrastruktur, auf die wir aufbauen können. (Vereinzelter Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Meine Damen und Herren, nun ist uns natürlich auch bewusst, dass die Begeisterung für Großereignisse in Deutschland etwas ambivalent ist und statt Freude und Zuversicht oftmals Bedenken und Kritik im Vordergrund stehen. Olympia ohne Zustimmung der Bevölkerung kann jedoch nicht gelingen, und deshalb will ich bei aller Begeisterung sachlich und nüchtern auf dadurch entstehende Herausforderungen eingehen. Olympische Segelwettbewerbe in Kiel bedeutet erstens, dass es Unterkünfte für die Athletinnen und Athleten bedarf. Diese Aufgabe sollte im Rahmen der bestehenden sozialen Wohnraumförderung in den nächsten Jahren zu leisten sein. Mehrere hundert Wohneinheiten könnten so entstehen und stünden nach Abschluss der Olympischen Spiele als bezahlbarer Wohnraum für die heimische Bevölkerung zur Verfügung. (Beifall Silke Backsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Für die Zuschauerinnen und Zuschauer der olympischen Wettbewerbe braucht es zweitens geeignete öffentliche Verkehrsmittel. Ein Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs ist aber ohnehin erforderlich, wenn der Verkehrssektor bis 2040 klimaneutral werden soll. Mit olympischen Segelwettbewerben bei uns im Land bestünde somit ein noch stärkerer Anreiz, um das zu tun, was wir aus Klimaschutzgründen ohnehin tun müssen. (Vereinzelter Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Drittens braucht es moderne und wettbewerbsfähige Sportstätten. Bei aller nachhaltigen Nutzung der vorhandenen Infrastruktur werden dafür sicherlich zusätzliche Investitionen erforderlich sein. Wir würden damit in solche Sportstätten investieren, die wie kaum eine andere Sportart den Markenkern des Sportlandes Schleswig-Holstein ausmachen. Segeln in Schleswig-Holstein ist nach wie vor die beste Standortwerbung, das beste Werbeargument, um Fachkräfte für unser Land zu gewinnen. Mit diesen Investitionen würden wir somit unseren Standortvorteil perfekt ausbauen. (Beifall CDU) Meine Damen und Herren, zu guter Letzt könnte man einwenden, dass eine Olympiabewerbung nicht zur aktuellen Haushaltslage mit ihren Kürzungen passen würde. Gerade in Krisenzeiten braucht es Perspektiven für die Zeiten danach. Es braucht Aufbruchstimmung und Zuversicht, wie sie mit einer Olympiabewerbung verbunden sind. Die Weichen für die Olympischen Spiele 2036 oder 2040 werden bereits jetzt gestellt. Wenn wir uns heute nicht bewerben, dann hätten wir vermutlich für die nächsten 100 Jahre die Chance auf Olympia in Schleswig-Holstein vertan. Das kann wirklich niemand ernsthaft wollen – (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) zumal wir ja die Kielerinnen und Kieler für dieses Vorhaben auf unserer Seite haben: Die Bevölkerung der Stadt Kiel hat beim Bürgerentscheid 2015 mit eindrucksvoller Zweidrittelmehrheit zum Ausdruck gebracht, dass sie die Chance auf erneute Olympische Spiele in ihrer Stadt ergreifen möchte. Lassen Sie uns deshalb mit dem gleichlautenden Beschluss des Landtages von allen Fraktionen gemeinsam und der Kieler Ratsversammlung am heutigen Tage ein klares und deutliches Signal in Richtung des Deutschen Olympischen Sportbundes aussenden, dass wir die Bewerbung der Stadt Kiel als Austragungsort für die olympischen Segelwettbewerbe, für Küstenrudern und Freiwasserschwimmen aus voller Überzeugung unterstützen. (Tobias Koch) (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und Serpil Midyatli [SPD]) Lassen Sie uns den Staffelstab für die Olympiabewerbung in die Hand nehmen und lassen Sie uns das olympische Feuer in Schleswig-Holstein entfachen, damit unsere Nachfolger einmal verkünden können: Die Olympischen Spiele in Schleswig-Holstein sind eröffnet. – Herzlichen Dank. Ich bitte um Zustimmung. (Beifall ganzes Haus)

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