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Malte Krüger

GRÜNE 20.11.2024 Sitzungen 20/72

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Zunächst vielen Dank an die FDP für den Antrag, weil ich glaube, dass irgendwo in dem Antrag schon ein Punkt enthalten ist, den wir weiter diskutieren sollten. Ich spreche mich sehr dafür aus, dass wir das im Ausschuss weiterhin tun. Sie haben bereits wichtige Aspekte genannt. Bei jungen Menschen ist es zum Teil sehr erschreckend, wie wenig Wissen über finanzielle Bildung vorhanden ist. Die Geschlechterunterschiede haben Sie angesprochen. Es gibt jedoch ein Problem mit Ihrem Antrag. Er tut nämlich so, als gäbe es gar nichts. (Christopher Vogt [FDP]: Nein!) – Wenn ich Ihren Antrag durchlese, habe ich den Eindruck, dass Sie denken, dass es an unseren Schulen gar nichts gibt. Es gehört zur Ehrlichkeit dazu, dass wir an unseren Schulen in verschiedenen Fächern schon sehr, sehr viel zu diesem Thema machen. Ich bin selbst WiPo-Lehrkraft. Die Planspiele mit Robinson Crusoe hatten wir nicht als Beispiel, aber ich habe das mit ähnlichen anderen Teilen mit Schüler_innen gemacht. Da ging es zum Beispiel eher vor allem um nachhaltiges Fischen. Also, man stelle sich vor: Man ist Fischer und will einen See nicht überfischen. Wie kriegt man das hin, dort nachhaltig zu agieren? Das hat auch im weiteren Sinne was mit Finanzen zu tun, weil ich ja nicht will, dass ich meine Lebensgrundlage als Fischer verliere. Also, es gibt das schon. Finanzbildung ist enorm wichtig. Politisch haben wir das heute Vormittag gesehen: Wir haben über den Sachsenwald gesprochen, wir haben über den Haushalt gesprochen, wir haben über die Steuerschätzung gesprochen. Bei der finanziellen Bildung geht es nicht darum, dass wir alle junge Menschen zu Steuerbeamten machen, sondern es geht darum, sie in grundlegenden Aspekten unseres Finanzsystems voranzubringen. Worum geht es konkret? Ich nenne sechs Punkte. Erstens: Grundlagen im Umgang mit Geld. Was ist überhaupt der Wert von Geld? Diese Frage können wir schon jetzt im Unterricht thematisieren. Zweitens: Sparen und Verschuldung. Zinseszins im Mathematikunterricht. Damit haben wir schon ein zweites Fach, das sich mit dem Thema auseinandersetzen kann. Drittens: Umgang mit Taschengeld. Das kann schon in der Grundschule gemacht werden, also mit den Kleinsten. Viertens: Geld und Währung. Verschiedene Währungen könnte man im Geografieunterricht behandeln. Zwei Aspekte, die im WiPo-Unterricht thematisiert werden, sind Altersvorsorge und Einkommensteuermodelle. Das sind alles Aspekte, die schon jetzt an Schulen stattfinden. So zu tun, als gebe es gar nichts, greift zu kurz. Ich kann an meine eigene Schulzeit anknüpfen: Als ich zur Schule gegangen bin, war die Finanzkrise in ganz Europa das dominierende politische Thema. Natürlich haben wir versucht, (Malte Krüger) im Unterricht zu verstehen, wie die Finanzkrise entstanden ist, was Eurobonds sind, was Verschuldung ist, was der Leitzins ist. Diese Themen haben wir damals im Unterricht behandelt. Das unterstreicht, dass es an Schulen in der Hinsicht schon viel gibt. Trotzdem glaube ich, dass das Thema interessant ist und es sich lohnt, es weiter im Ausschuss zu behandeln. Warum? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Ich treffe erstaunlich viele junge Leute, die bei Instagram in irgendwelchen Communitys unterwegs sind und irgendwelche dubiosen Finanzprodukte bewerben. Da werden irgendwelche Fitnessprodukte angeboten, es wird immer ein schneller Gewinn mit ganz wenig Aufwand versprochen. Es werden dort Porsches und BMW gezeigt. Ich habe das heute Morgen noch einmal gecheckt. Leute, die ich im Kopf habe, posten permanent so etwas. Das fühlt sich sehr nach Schneeballsystem an. Das sind zum Teil sehr junge Menschen. Ich glaube, dass das für viele eine Gefahr darstellt, weil sie sich damit nicht auskennen. Deswegen glaube ich, dass wir gucken müssen, wo man bei der finanziellen Bildung noch besser werden kann. (Vereinzelter Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD) Sie haben den Genderaspekt angesprochen. Natürlich gibt es große Geschlechtsunterschiede. Gucken wir uns den Gender-Pay-Gap an: Frauen verdienen bei gleicher Qualifikation immer noch circa 18 Prozent weniger als Männer. Das ist ein Zustand, der überhaupt nicht geht. Wir dürfen bei dem Thema natürlich auch die Teilzeitfalle nicht verschweigen, die aufgrund von Care-Arbeit vor allem bei Frauen entsteht. Das sind alles Aspekte, die man immer wieder in den Mittelpunkt der Diskussion stellen kann. Das Thema hat sehr viel zu bieten und ist brandaktuell. Deswegen ist es richtig, das Thema im Ausschuss weiter zu behandeln. Für uns Grüne ist wichtig festzuhalten: Finanzielle Bildung braucht auf jeden Fall den Aspekt der sozialen Gerechtigkeit, aber immer auch eine ökologische Perspektive. Wenn wir das Thema auf der Grundlage diskutieren, kommen wir sicherlich auf einen Nenner. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU)

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