Martin Balasus
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Robinson. – Robinson lebt auf einer einsamen Insel. (Dr. Heiner Garg [FDP]: Ja!) Er benötigt eine Angel, um Fische zu fangen. (Martin Balasus) (Annabell Krämer [FDP]: Das glaube ich jetzt nicht!) Montag besitzt eine Angel, möchte aber in Muscheln bezahlt werden, (Zuruf Dr. Kai Dolgner [SPD]) die Robinson nicht hat. Dienstag hat Muscheln, braucht aber Kokosnüsse, die Robinson nicht hat. (Zuruf Dr. Heiner Garg [FDP]) Mittwoch hat Kokosnüsse, möchte aber Bananen, die Robinson besitzt. Überlegt und erläutert, wie das Problem lösbar ist! Ich weiß, was Sie sich jetzt fragen. (Zuruf Dr. Heiner Garg [FDP]) Was ist aus dem guten alten Freitag geworden? Ist er wegen der Viertagewoche schon im Wochenende? (Martin Habersaat [SPD]: Was ist aus dem Freitag geworden? – Vereinzelt Heiterkeit, Beifall und Zurufe CDU) Nein, im Ernst. Diese Aufgabe aus jugend und FINANZEN, dem Schulservice der Volksbanken Raiffeisenbanken für die Mittelstufe, zeigt anschaulich, wie praktisch Geld als Zahlungsmittel ist. Doch der richtige Umgang damit will gelernt sein. Und wo soll das geschehen? Na, ganz klar, die eigene Wissbegier im Privaten ist gefragt, das Engagement im Elternhaus ist gefragt, aber natürlich auch die Schule. Dort muss es eine zentrale Rolle spielen. Schule hat die Aufgabe, die Fähig- und Fertigkeiten junger Menschen zur Entfaltung zu bringen, den Weg zu einem mündigen Bürger zu bereiten oder zu ebnen und die Grundlagen für ein selbstbestimmtes Leben zu schaffen. Dazu gehört definitiv die Finanzbildung. Selbstverständlich ist es die FDP, die einen Antrag zur besseren Finanzbildung stellt. Bis vor Kurzem stellte sie noch den Bundesfinanzminister. Bis vor Kurzem. (Zuruf Christopher Vogt [FDP] – Heiterkeit Thomas Jepsen [CDU] und Patrick Pender [CDU]) Nicht sonderlich überraschend, mag man denken, aber ich finde, sie haben einen Punkt: Im Bereich Finanzbildung ist noch Luft nach oben. Vorgaben, Inhalte, Initiativen, Materialien, Kooperationsideen, Netzwerke – all das gibt es bereits. Sie müssen aber auch stärker, nachhaltiger und umfassender genutzt werden. Die Vorgaben sind alle da. Finanzbildung findet hauptsächlich in den Fächern Wirtschaftspolitik und Verbraucherkunde statt. So sehen die Fachanforderungen für Verbraucherbildung unter der Überschrift „Prinzipien des Finanzund Vorsorgemanagements kennen und kritisch anwenden“ die Auseinandersetzung mit Handy, Taschengeld, Kontoführung, Schuldenprävention und zum Beispiel Versicherung vor. In WiPo stehen in der Oberstufe gleich mehrere finanzpolitische Schwerpunkte auf der Agenda: Finanzpolitik zwischen ausgeglichenem Haushalt und Verschuldung, die Steuerpolitik als Gestaltungsinstrument und die Schuldenbremse im Grundgesetz. (Annabell Krämer [FDP]: Oh!) Je mehr ich darüber nachdenke, ist es wirklich nicht überraschend, dass ausgerechnet die FDP das Thema aufs Tableau gehoben hat. Initiativen gibt es ebenfalls. Denken Sie an das Landeskonzept Entrepreneurship Education SH „Wir unternehmen was!“ Schülerinnen und Schüler werden hier zu Unternehmern, ihr Pionier- und Forschergeist oder ihre Innovationskraft sind gefragt, und sie müssen am Markt bestehen. Ich erinnere mich noch an einen schönen Besuch an der Beruflichen Schule Elmshorn mit Frau Krämer und Frau Raudies. Dort haben sich die Schüler eine ganze Woche lang mit einer Unternehmensgründung beschäftigt. Und am Ende? Manche waren pleite, manche hatten Start-ups, die durch die Decke schossen. Alle waren aber um eine Erfahrung reicher. In vielen Schulen gibt es Schülerfirmen. Im letzten Jahr gewann zum Beispiel die Firma Endlosschleife aus Rendsburg, die Geschenkpapier aus Stoff herstellt, den Landesentscheid in SchleswigHolstein. Materialien gibt es en masse. Nicht nur die Volksbank liefert bereits Arbeitsblätter und Themen für den Unterricht. Der Sparkassenverband, der Bundesverband Deutscher Banken sowie der Berufsverband Deutscher Vermögensberater sind ebenfalls ganz aktiv in dem Bereich, ja, vor allem mit dem Schwerpunkt Funktion des Geldes, Zinsen, Sparen et cetera. Unter www.verbraucherbildung.de finden Sie alle möglichen – finde ich zumindest – sehr gut didaktisch aufbereiteten Materialien. Hinzu kommen natürlich noch die vielen Schulbücher, die sich auch mit den ganzen Themen auseinandersetzen. (Martin Balasus) Also, man merkt: Man kann bereits auf einen breiten Fundus zurückgreifen, man muss es aber auch tun. In einer Studie des Deutschen Bankenverbandes aus dem Jahr 2021 gaben 70 Prozent an, dass sie nicht viel oder nichts über Wirtschaft und Finanzen gelernt haben. Höchste Zeit, den Fokus in der Schule stärker auf Finanzbildung zu legen. In WiPo und Verbraucherbildung dürfen die Themen nicht hintenüberfallen. Weitere Materialien, warum nicht? Fortbildung dazu? Ebenfalls absolut sinnvoll. Warum nicht noch stärker Expertise von außen durch Kooperation mit Verbänden, mit der IHK und so weiter in die Schule holen, um produktunabhängige Informationen zu erhalten? Aber auch andere Fächer sind gefragt. In Mathe gibt es Schnittmengen, im Wahlpflichtbereich, im AG-Bereich können breite Angebote gemacht werden. Ich bin der Überzeugung, dass das vor Ort in der Schule entschieden werden sollte. Finanzbildung ist eine Querschnittsaufgabe. Ich danke der FDP für ihren Impuls, die Finanzen stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Wir sehen aber in den Schulen keinen weiteren Handlungsbedarf, weil alles, was man braucht, vor Ort vorhanden ist. (Zuruf Dr. Kai Dolgner [SPD]) Aber den Impuls, den wir in die Fläche senden, finde ich absolut richtig. Also: Finanzbildung ist alltagsrelevant, schützt vor Verschuldung und bereitet auf die Zukunft vor. Schließlich sollen sich unsere Schülerinnen und Schüler später nicht die Frage stellen: Warum ist am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig? – Vielen Dank. (Beifall CDU – Zuruf Dr. Kai Dolgner [SPD])
