Martin Habersaat
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Damen und Herren! Wir haben uns natürlich im Anschluss an die diesjährigen MSA- und ESA-Ergebnisse mit Mathematiklehrkräften darüber unterhalten: Wie kann das sein? Wie schätzt ihr das ein? Was hättet ihr für Lösungsideen? Eine Lösungsidee – die verfolgen Sie auch – war: Man muss dafür sorgen, dass die Mathematikprüfung nicht versehentlich eine Deutschprüfung ist, dass also Schülerinnen und Schüler, die eigentlich die Aufgabe bewältigen könnten, die Textaufgabe nicht verstehen und deswegen die Rechnungen nicht schaffen. – Da mache ich einen Haken. Eine zweite wesentliche Rückmeldung war: Wir müssen es irgendwie schaffen, näher an den individuellen Lernprozess heranzukommen. Das wurde zumindest von den Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich gesprochen habe, der Mathenachhilfe als großes Pfund zugeschrieben. Es ist ja nicht so, dass in der Mathematiknachhilfe nur Leute tätig sind, die pädagogische Extratalente sind, die sich an unseren Schulen als Mathelehrkräfte nicht finden, sondern das Besondere an so einer Mathenachhilfesituation ist, dass man sich in einer kleinen Gruppe intensiver mit dem Thema befassen kann, möglicherweise leichter als vor einer ganzen Klasse Rückfragen stellen kann. Möglicherweise kann die Nachhilfelehrkraft genauer über die Schulter gucken und sieht: „Mensch, da bist du auf deinem Lösungsweg vom rechten Pfad abgekommen; versuch doch noch einmal das und das“, und darüber werden oftmals große Erfolge erzielt. So ein Nachhilfevertrag wird meistens mit einem besonderen Ziel abgeschlossen: Wir wollen von der Fünf auf eine Vier oder auf eine Drei. – In ganz vielen Fällen gelingt das. Die Frage darf doch sein: Wie schaffen wir es, solche Erfolge, für die Eltern privat bezahlen müssen, auch an den Schulen zu ermöglichen? – Einer der Pfade, die wir deshalb vorschlagen, ist es, eine zusätzliche Assistenzkraft in manche Mathestunden zu setzen, die genau solche Situationen herstellen kann. Ich verstehe diese empörte Ablehnung und die empörte Reaktion nicht: „Das kostet alles mehr Ressourcen“, wenn Sie doch im gleichen Zuge oder in einem Zug davor zusätzliche Mathestunden angeordnet haben, die ja teurer sind als das, was wir Ihnen an dieser Stelle vorschlagen. Auch das Modell des individuellen Rechts auf Nachhilfe in Hamburg ist genau auf solche Überlegungen zurückzuführen. Da sehen wir auch, dass es funktioniert, dass man den Schulen eben sagt: Bevor ihr Schülerinnen und Schülern habt, denen ihr mitteilt: „Tut uns leid, du kannst es einfach nicht“, braucht ihr zusätzliche individuelle Angebote, um diese Schülerinnen und Schüler zu fordern. – Wir bitten Sie noch einmal: Denken Sie auch einmal in diese Richtung! Natürlich ist es toll, was an PerspektivSchulen überall in Deutschland und in Schleswig-Holstein passieren kann, weil es ja schon vorher angefangen hat und so weiter. Aber das enthebt uns doch nicht von der Aufgabe, das Problem möglichst an allen Schulen zu lösen. (Beifall SSW und Birgit Herdejürgen [SPD]) Es kann jetzt nicht sein, dass Sie alle Probleme auf die PerspektivSchulen schieben und sagen: „Die sollen es lösen“, nur weil die Geld dafür haben, (Martin Habersaat) dass Sie nicht aus Ihrem Haushalt stemmen müssen. – Vielen Dank. (Beifall SPD, SSW und Dr. Heiner Garg [FDP])
