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Karin Prien

20.11.2024 Sitzungen 20/72

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn Leistungen signifikant sinken, dann müssen wir wissen, woran das liegt, dann darf das nicht ohne Antwort bleiben. Ich glaube, darüber sind wir uns alle in diesem Haus einig. Das gilt übrigens auch, wenn Leistungen nur in einem Fach, in einem Prüfungsformat und einem Jahrgang gesunken sind. Es ist nämlich keineswegs so, dass wir Evidenz dafür hätten, dass die Matheleistungen bei den Prüfungen generell gesunken wären. Das Ergebnis des Matheabiturs hat sich zum Beispiel deutlich verbessert. Das habe ich jetzt von keinem der Redner hier heute gehört. Das ist übrigens aber auch kein Beleg dafür, dass es hier eine Trendumkehr gäbe. Das würde ich jetzt gar nicht behaupten wollen. Aber ich glaube, wir müssen Daten immer erst einmal vernünftig einordnen. Deshalb machen wir genau das: Wir analysieren Prüfungsergebnisse bei allen Abschlüssen gemeinsam mit den Schulen, gemeinsam mit der Schulaufsicht und der Wissenschaft, und dann gibt es die notwendigen Antworten. Zu den Ursachen ist einiges richtig gesagt worden. Ich will vielleicht einmal etwas provokant in den Raum stellen, ob wir eigentlich den Schülerinnen und Schülern während Corona einen Gefallen getan haben, indem wir die Prüfungsbedingungen so abgesenkt haben, denn das hat natürlich auch Konsequenzen auf deren Lernverhalten. Das haben wir gemeinsam so entschieden, dazu stehen wir auch, aber das ist natürlich auch ein Stück weit ein Bereich, in dem wir nacharbeiten müssen. Ich will im Übrigen sagen: Unabhängig von den einzelnen Prüfungsergebnissen – darüber haben wir mehrfach in diesem Hohen Hause gesprochen – hat das Bildungsministerium frühzeitig den Mathematikunterricht weiterentwickelt und auf allen dafür entscheidenden Ebenen entsprechende Maßnahmen getroffen. Am Ende – das hat Martin Balasus heute, wie ich finde, völlig richtig hervorgehoben – kommt es auf die Qualität des Mathematikunterrichts an – und auf fast nichts anderes. Ich sage das jetzt mit einem großen Selbstbewusstsein, weil wir die Freude hatten, in der vergangenen Woche John Hattie hier zu haben, der sich inzwischen in einer Metastudie 400 Millionen Schüler mit Blick auf die Wirksamkeit von Unterricht genau angeschaut hat. Am Ende kommt es eben nur in der Effektstärke auf die Wirksamkeit guten Unterrichts an. Deshalb konzentrieren wir uns in Schleswig-Holstein darauf. Wir haben hier im Rahmen des Masterplans Mathematik seit 2019 in allen Bereichen entsprechende Maßnahmen ergriffen. Dazu will ich Ihnen – zumindest noch ein bisschen – berichten, was wir machen. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Wenn es auf die Qualität des Unterrichts ankommt, dann kommt es natürlich entscheidend auf die Qualifizierung in den drei Phasen der Lehrkräftebildung an. Genau die haben wir seit 2019 in den Blick genommen. Wir haben darüber hinaus das Monitoring des Unterrichts und der zentralen Abschlussprüfung verbessert. Wir haben mit der Kooperation mathe.sh zwischen dem Bildungsministerium, dem IQSH und dem IPN gemeinsam daran gearbeitet, die Mathematikkompetenzen aller Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein zu verbessern. Es ist ja völlig richtig, Frau Waldinger-Thiering: Es kommt nicht nur auf die PerspektivSchulen und die Startchancen-Schulen an – Herr Vogt, übrigens: Programm des Bundes und der Länder. Aber es kommt (Ministerin Karin Prien) eben besonders auf diese Schulen an, weil dort die Kinder –ich dachte, darüber wären wir uns einig – besonders schlechte Startchancen haben. Deshalb unterstützen wir sie an dieser Stelle besonders. (Beifall Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Bei den Aus- und Fortbildungen geht es letztlich um die Frage: Wie können wir die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den tiefen Strukturen des Lernens in der Mathematik und zur kognitiven Aktivierung in den Unterricht, in die letzte Klasse in unserem Land bringen? – Das ist genau das, woran wir arbeiten. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Zum Beispiel mit Blick auf die Prüfungsnoten ist bekannt – das gucken wir uns eben auch genau an –, dass die Vornoten im Fach Mathematik deutlich besser als die Noten in den schriftlichen ESAund MSA-Prüfungen ausfallen. Deshalb richten wir unseren Fokus jetzt noch genauer auf die Prüfungsvorbereitung. Wir verpflichten alle Schulen, die Prüfungsvorbereitung mit den richtigen, den aktuellen Aufgabenheften und den Übungsaufgaben, die wir den Schulen im Rahmen des Masterplans zusätzlich zur Verfügung stellen, eine entsprechende Prüfungsvorbereitung vorzunehmen, damit die Schülerinnen und Schüler besser auf die Prüfungen vorbereitet sind. Eine ganz wichtige neue Maßnahme wird sein, dass es in allen Klassen der weiterführenden Schulen in jeder Klassenarbeit einen Wiederholungsteil geben wird, damit Schülerinnen und Schüler bestimmte mathematische Aspekte und Aufgaben – Malte Krüger hat uns davon einen kleinen Eindruck gegeben – kontinuierlich immer wieder üben und diese eben nicht mehr vergessen werden, weil das ein Riesenproblem im Mathematikunterricht ist. Die Dinge bauen aufeinander auf; wenn ich den Track verliere, dann bin ich irgendwann raus. Dagegen müssen wir etwas tun, und das ist eine Maßnahme, von der wir uns tatsächlich viel versprechen. Seien wir ganz ehrlich: Das mit dem Üben war ja eine Zeitlang ein bisschen aus der Mode geraten. Da müssen wir einfach an manch bewährte Methoden wieder anknüpfen. Über die PerspektivSchulen ist schon gesprochen worden. Dort haben wir besondere Förderprogramme, besondere Förder- und Forderbänder – das ist mir wichtig. Wir müssen auch einen Blick auf die begabten Schülerinnen und Schüler an den PerspektivSchulen weiter richten und darüber hinaus personelle Verstärkung, aber eben auch die Lizenz für bettermarks, die wir den PerspektivSchulen und den Startchancen-Schulen zur Verfügung stellen, weil die Lehrkräfte hiermit eine erhebliche Unterstützung bekommen. Ehrlich gesagt: Das mit den Assistenzkräften Mathematik finde ich nun schon – erlauben Sie mir bitte die Anmerkung – zumindest einmal bemerkenswert. Wie sollen diese Kräfte denn ausgebildet sein, und wo wollen Sie die denn ausbilden? (Zuruf Martin Habersaat [SPD]) – Entschuldigung, wie sollen denn diese Kräfte guten Mathematikunterricht machen, die das gar nicht gelernt haben? (Martin Balasus [CDU]: Richtig!) Also, meine Damen und Herren, dieser Vorschlag ist nicht wirklich durchdacht. (Christopher Vogt [FDP]: Das ist ja so – wie an vielen Schulen!) Es gibt übrigens keinerlei wissenschaftliche Evidenz dafür, dass eine solche Maßnahme tatsächlich die Qualität des Mathematikunterrichts verbessern würde. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Meine Damen und Herren, wichtig ist mir, noch einmal zu erwähnen – das haben wir, Herr Vogt, seinerzeit zum Teil gemeinsam beschlossen und waren uns da auch einig –, dass wir den Zertifikatskurs Mathematik an der Europa-Universität Flensburg eingeführt haben, um gerade den Lehrkräften, die an Grundschulen unterrichten und Mathe eben nicht als Fach haben, als fachfremd Unterrichtenden eine höhere Kompetenz in der Vermittlung von Mathematik zu ermöglichen. Dieser Kurs wird sehr gut angenommen. Wir haben in jedem Semester zwischen 80 und 120 Lehrkräfte, die an diesen Kursen teilnehmen, so wie wir auch sehr viele Teilnehmer an den Kursen „Mathe macht stark“ – ein wesentliches Förderprogramm im Bereich der Mathematik über das IQSH – haben. QuaMath ist bereits erwähnt worden; ich werde Ihnen gerne einmal im Bildungsausschuss im Detail über die Umsetzung berichten. (Ministerin Karin Prien) Darüber hinaus haben wir den Ein-Fach-Masterstudiengang; den führen wir jetzt an der Christian-Albrechts-Universität ein. An der EUF haben wir, wie Sie vielleicht auch wissen, das neue Programm „Studienpfad Grundschulmathematik“ eingeführt, indem wir uns schon im Bachelorstudiengang auf die Grundschulmathematik einerseits und die Mathematik für die weiterführenden Schulen andererseits konzentrieren. Meine Damen und Herren, Sie sehen: Wir nehmen das mit der Aus- und Fortbildung sehr ernst, im Übrigen auch mit der Weiterbildung für fachfremd Unterrichtende. Insofern decken wir alle Bereiche ab, die notwendig sind, um die Qualität des Mathematikunterrichts zu verbessern. Ich bin sicher, dass unsere Schulen das gut umsetzen werden, aber sie brauchen eben ein bisschen Zeit. Ich darf Sie bitten, uns dabei zu unterstützen, den Schulen die Zeit auch zu lassen. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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