Martin Habersaat
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Damen und Herren! Vor zwei Monaten haben wir an dieser Stelle über die Abiturnoten gesprochen. SchleswigHolstein lag 2024 zum dritten Mal in Folge auf dem letzten Platz aller Bundesländer. Das ist vor allem ein Problem von Abiturientinnen und Abiturienten, die sich um einen Studienplatz bewerben und mit Abiturschnitten aus anderen Ländern konkurrieren. Heute sprechen wir über den MSA, den Mittleren Schulabschluss, und über den ESA, den ersten Schulabschluss. Wir sprechen über Mathematik. Wir schreiben in unserem Antrag von einem Debakel. Ich will einmal darlegen, warum. 84 Schülerinnen und Schüler gingen beim MSA mit einer Eins nach Hause. Das waren 0,9 Prozent. 631 – 6,9 Prozent – hatten eine Zwei. 1575 – 17,3 Prozent – hatten eine Drei. Eine Vier hatten 2.459 Schülerinnen und Schüler. Das waren 27 Prozent. Die größte Gruppe – 39,7 Prozent – von 3.609 jungen Menschen hatten eine Fünf. 742 Schülerinnen und Schüler – 8,2 Prozent – hatten eine Sechs. Der Kollege Vogt hat es gesagt: Es hatten mehr Leute eine Sechs als eine Eins oder eine Zwei. Beim ESA, dem ersten Schulabschluss, ist über ein Drittel der Lernenden in Mathe durchgefallen. Nur 13 Prozent hatten gute oder sehr gute Leistungen. Im Schnitt ergibt das eine 3,91 als Matheabschlussnote beim ESA. Man könnte sagen: knapp (Martin Habersaat) ausreichend. Beim Abi erreichten übrigens knapp ein Viertel der Schülerinnen Punktzahlen, die als durchgefallen gelten. Das Thema Mathe geht daher nicht nur Schülerinnen und Schüler aller Schulformen in SchleswigHolstein an. Es ist ein Problem für die örtliche Wirtschaft, die seit Langem über junge Menschen klagt, die keinen Dreisatz können oder bei denen Grundlagen des Faches zu Beginn einer Ausbildung aufwendig wiederholt werden müssen. Frau Ministerin, das ist ein Problem der Landesregierung. Schülerinnen und Schüler befinden sich vor wichtigen Prüfungen ohnehin in einer schwierigen Phase. Der MSA, mit dem man sich um eine Ausbildung oder einen Platz an einer weiterführenden Schule bewirbt, ist eine wichtige Prüfung. Was macht es mit jungen Menschen, wenn sie sehen, dass sie mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit in Mathematik scheitern werden? Ich bleibe bei der hier schon einmal vorgetragenen These: Wenn ein Fach in seiner jetzigen Struktur Ängste auslöst, dann ist die Ansage, dass es eine Stunde mehr gibt, nicht die Lösung. Wenn jemand Angst vor einer Spinne hat, wird ihm diese nicht dadurch genommen, dass man eine zweite Spinne danebensetzt. (Beifall SPD und SSW) Interessanterweise sehen Sie bei Ihrem Vorhaben das Problem nicht, die zusätzlichen Fachkräfte zu besorgen, die Ihnen fehlen. Da sagen Sie: Eine Stunde Mathe mehr, das geht bestimmt alles wunderbar. Aber wenn wir sagen: „Mensch, eine zweite Assistenzkraft im Raum könnte die Lösung sein“, dann ist es unmöglich, so viele Fachkräfte zu finden. Das müssen Sie logisch durchdenken, liebe Kollegen von CDU und Grünen. Die Stunde mehr wäre wenigstens noch ein mit mehr Ressourcen verbundener Schritt. Jetzt legen Sie ausschließlich Maßnahmen vor, die vor allem eines sind – kostenneutral. Eltern leiden mit ihren Kindern mit. Sie erleben zu Hause den Stress, die Frustration, die Selbstzweifel und die Trauer. Gleichzeitig sorgen sie sich um die Zukunft ihrer Kinder; denn wer gut in Mathe ist, hat mit größerer Wahrscheinlichkeit später einen höheren Verdienst und einen besseren Job. (Zuruf) – Ja, es gibt mehrere Studien, die belegen, dass das so ist. In dieser Situation suchen Eltern Auswege. Wer es sich leisten kann, wählt den Weg der privaten Nachhilfe. Und wer es sich nicht leisten kann? Nach dem abgelehnten Antrag „Mathe starkmachen“ legen Ihnen SPD, FDP und SSW heute erneut Vorschläge vor. Weil das Thema so wichtig ist, lassen wir nicht nach und legen Ihnen konkrete Punkte vor. Eine Fortbildungspflicht empört abzulehnen, wenn man sich selbst im Koalitionsvertrag eigentlich einmal eine Fortbildungspflicht für alle Lehrkräfte vorgenommen hatte, (Beifall SPD, FDP und SSW) finde ich deutlich sonderbar, vor allem vor dem Hintergrund vieler fachfremd erteilter Mathematikstunden. (Martin Balasus [CDU]: Ein Spektakel macht er aus dem Debakel!) Die prekäre Lage von Vertretungslehrkräften, die nach fünf Jahren an die Luft gesetzt werden und durch neue Vertretungslehrkräfte ersetzt werden, haben wir hier schon besprochen. – Herr Balasus, Assistenzkräfte sind genau die Lösung, die uns Mathematiklehrkräfte empfohlen haben. (Martin Balasus [CDU]: Wer ist das denn? Wer ist das denn?) Denn was ist denn der Erfolg oder das Geheimnis einer privaten Nachhilfestunde? – Sie haben da eine Eins-zu-eins-Situation, einen persönlichen Bezug zum Lernenden oder zur Lernenden. Und diese kleinere Eins-zu-eins-Begebenheit können Sie häufiger auch im Unterricht darstellen, wenn Sie eine Assistenzkraft haben. (Serpil Midyatli [SPD]: Total logisch!) Das ist übrigens ähnlich wie das, was der Landesrechnungshof uns kürzlich im Bildungsausschuss ausführlich erläutert hat. Da wurde schon über die Frage gesprochen, wer das denn sein könnte. Sie haben in der letzten Legislaturperiode eine Studie zum Thema Schulassistenz bestellt und das Ergebnis geliefert bekommen, dass eine Ausweitung der Schulassistenz dringend empfohlen wird. Da haben Sie eine Antwort auf Ihre Frage, wer das sein kann. (Beifall SPD und vereinzelt SSW – Zuruf Martin Balasus [CDU])
