Martin Balasus
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Fast jede zweite Schülerin, jeder zweite Schüler hat in der Mathematikprüfung zum Mittleren Schulabschluss MSA nur die Note mangelhaft erreicht. Das ist bitter, das ist alarmierend, darüber müssen wir reden, und dafür werden wir dringend Lösungen finden. Doch zuallererst zu den Ursachen. Warum sind die Prüfungen so schlecht ausgefallen? Da sind an erster Stelle die coronabedingten Schulschließungen zu nennen, die Lern- und Leistungsrückstände nach sich zogen und ziehen. Noch so viele Tutorials im Internet können den persönlichen Austausch im normalen Unterricht nicht ersetzen. Rückstände müssen aufgeholt und gleichzeitig den aktuellen Anforderungen entsprochen werden. Weitere Ursachen sind eine immer heterogenere Schülerschaft: hoher Medienkonsum, mangelnde Sprachkenntnisse, Hyperaktivität und Konzentrationsprobleme, schwindende Unterstützung im Elternhaus, psychische Belastungen, und, und, und; über die Themen sprechen wir häufig. Hinzu kommt, dass Mathematik wenig Interpretationsspielraum gibt, entweder ist die Lösung richtig oder falsch, vieles baut aufeinander auf, (Beate Raudies [SPD]): Nur die Textaufgabe!) und Mathematik wird zu häufig fachfremd unterrichtet. Untersuchungen zeigen, dass der Unterricht manchmal langweilig, zu wenig motivierend ist, er müsste verstehensorientierter gestaltet werden. Zu häufig ist Mathematikunterricht zu wenig lebensweltrelevant. Schülerinnen und Schüler fühlen sich nicht angesprochen, und der Unterrichtsstoff ist für sie nicht so relevant. Das muss sich ändern. Bei all der Aufregung um die Matheergebnisse, um das vermeintliche „Debakel“, wie die Opposition es nennt, muss Folgendes betrachtet werden: In den letzten drei Jahren konnte ein Prüfungsfach wegen der Coronafolgen abgewählt werden, leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler entschieden sich dabei häufig für Mathe. Das war in diesem Jahr nicht mehr der Fall, man konnte nicht mehr abwählen, die Defizite schlugen voll durch. – Das ist keine Entschuldigung, es ist aber eine Erklärung. All diese Aspekte führen uns klar vor Augen: Der Mathematikunterricht muss dringend verbessert werden, und zwar kontinuierlich und nachhaltig. In hektischen Aktionismus zu verfallen, ist dabei die schlechteste Idee. Vorschläge müssen stets Hand und Fuß haben. Ich finde, die Vorschläge der Opposition sind wenig innovativ, sie sind kurzatmig und überschaubar. (Zuruf Christopher Vogt [FDP]) Eine Fortbildungspflicht ist ja eh unser erklärtes Ziel. Assistenzkräfte für den Matheunterricht, das klingt gut, aber wer soll das sein, und woher soll das Fachpersonal kommen? Für mich ist klar: Es ist viel sinnvoller, auf die eigentlichen Expertinnen und Experten, die Lehrkräfte, zu setzen. Sie sind der Schlüssel für einen besseren Mathematikunterricht. Und ihr Unterricht muss so gut sein, dass überhaupt keine Nachhilfe erforderlich ist. Ihrem Vorschlag für eine individuelle Nachhilfe ist daher in unseren Augen der falsche Weg. Unser Anspruch muss doch sein, guten Unterricht zu machen. (Martin Balasus) (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN – Jette Waldinger-Thiering [SSW]: Das ist kurzsichtig!) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben im Bereich Mathematik bereits einen ganzen Strauß an Maßnahmen beschlossen. Es braucht aber Zeit, bis Verbesserungen wirken und Erfolge sichtbar werden. Zum Beispiel haben alle Erstklässler seit diesem Schuljahr eine Stunde mehr Deutsch und Mathe. Das bedeutet mehr Zeit zum Lernen und nachhaltigeres Lernen. Mit MatheZeit, einem Förderprogramm für die 4. Klasse, oder bettermarks, einem Online-Lernsystem für Mathe, das die Antworten der Schülerinnen und Schüler analysiert und direkt Rückmeldung gibt, sind wichtige Schritte getan. Dazu kommen die mathe.sh-Strategie, das Programm „Mathe macht stark“, ein Ein-Fach-Masterstudiengang Mathe und der Zertifikatskurs Mathe für Lehrkräfte, die Mathe nicht studiert haben; 300 Lehrkräfte sind so zu Mathematiklehrkräften geworden. Besonders positiv stimmt mich aber der Start des QuaMath-Programms. Der Begriff steht für Unterrichts- und Fortbildungsqualität in Mathematik. 15 Bundesländer beteiligen sich, investieren über zehn Jahre. Erst sollen Multiplikatoren für einen besseren Mathematikunterricht ausgebildet werden und in Phase 2 wirken diese auf andere Lehrkräfte. Das ist der Weg der KMK. Schleswig-Holstein ist mittendrin. Ich finde, das ist goldrichtig. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Feld ist bereits ordentlich bestellt. Alle Maßnahmen, die es braucht, sind getroffen worden. Reiner Alarmismus oder Aktionismus ist die falsche Antwort. Anders ausgedrückt: Man kann eine Pflanze, die man gießen möchte, auch ersäufen. (Unruhe und Zurufe SPD – Zuruf Lars
