Kristina Herbst
Für die Landesregierung erteile ich das Wort dem Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur, Tobias Goldschmidt. Tobias Goldschmidt, Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur: Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Abgeordnete Kumbartzky hat mich unter Beobachtung. Ich kann sagen, ich habe ihn auch unter Beobachtung. Ich habe gelesen, dass er die Romantisierung des Wolfes beenden möchte. Ich habe mich gefragt: Wer könnte gemeint sein, vielleicht ich? Ich möchte hier sagen: Es gibt keinen Grund, den Wolf zu romantisieren, denn er ist eine Herausforderung für die Weidetierhaltung. Darüber müssen wir nicht lange diskutieren. Und auf solche Herausforderungen braucht es Antworten. Ich glaube, wir haben ganz gute Antworten gefunden. Wir haben ein Wolfsmanagement, das in Schleswig-Holstein gut funktioniert. Wir hatten in diesem Jahr in Schleswig-Holstein drei Rissvorfälle. In allen drei Fällen war nicht wolfsabweisend gezäunt. Wir haben Entschädigungs- beziehungsweise Ausgleichsregelungen für die glücklicherweise wenigen Weidetierhalter, die betroffen sind, geleistet. Wir haben in Deutschland übrigens eine hohe Akzeptanz für den Wolf. Es gibt eine Forsa-Umfrage, nach der drei Viertel der Deutschen sagen: Wölfe gehören in die Landschaft und sollen auch in Deutschland vorkommen und leben. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung halten die Diskussion politisch für überdreht und medial für aufgebauscht. Wir haben also eine hohe Akzeptanz für den Wolf in der Bevölkerung. Wir haben inzwischen einen guten Umgang mit dem Wolf gefunden, beispielsweise mit Problemwölfen. Hierzu haben wir in der Umweltministerkonferenz einen einstimmigen Beschluss gefasst, dass es leichter sein soll, ihn zu entnehmen, und dass wir gegebenenfalls auch dazu bereit sind, dafür das Bundesnaturschutzgesetz zu ändern. Jetzt ist die Frage, ob die Berner Konvention geändert wird. Würde sie geändert, könnte die FFHRichtlinie geändert werden, dann könnte der Wolf von Anhang 4 nach Anhang 5 der FFH-Richtlinie umgelistet werden. Ich will aber auch sagen: Das würde einen einstimmigen Beschluss im EU-Rat erfordern und ist mit Sicherheit nicht schnell gemacht. Ich möchte einmal festhalten, dass der letzte Punkt Ihres Antrags, Herr Kumbartzky, in Schleswig-Holstein nicht relevant ist, weil wir hier keine Hybridwölfe nachweisen konnten. Aber sollte es so sein, so würde dies selbstverständlich bis zur vierten Nachfolgegeneration als Wolfsriss anerkannt wer- (Minister Tobias Goldschmidt) den. Insofern ist der Teil Ihres Antrags schon als erledigt zu begreifen. Ich plädiere dafür, dass wir weiter sachlich über das Thema sprechen; die heutige Debatte ist auch eine sachliche gewesen. Ich freue mich sehr, dass der Abgeordnete Kumbartzky anerkannt hat, dass die Rückkehr des Wolfes ein großer Erfolg des Naturschutzes ist und dass hier im Parlament keine Forderungen nach einer Ausrottung des Wolfes zu hören gewesen sind, sondern er vielmehr als integraler Teil des Ökosystems anerkannt worden ist. Wenn wir die Debatte so weiterführen, kriegen wir auch die Bevölkerung mit. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und Heiner Rickers [CDU])
