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Silke Backsen

GRÜNE 18.10.2024 Sitzungen 20/71

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wölfe sind sehr anpassungsfähige Säugetiere, und sie kommen in den unterschiedlichsten Regionen der Welt vor. Unter natürlichen Bedingungen ist ein Wolfsrudel ein Familienverband, das ist sehr wichtig für die soziale Betrachtung. Die meisten Jungwölfe wandern im Alter von ein bis zwei Jahren ab – wir haben es gerade schon gehört –, um sich ein eigenes Territorium zu suchen und selbst ein Rudel zu gründen. (Unruhe SPD) – Freut mich, Herr Dolgner, dass Sie so aktiv dabei sind. (Zuruf Dr. Kai Dolgner [SPD]) Wölfe sind hochmobile Tiere, und gerade die abwandernden Jungtiere können auf der Suche nach einem eigenen Territorium weite Strecken zurücklegen, manchmal eben sogar über 1.000 Kilometer in nur wenigen Wochen. Der Wolf hat keine natürlichen Feinde, und er war ursprünglich auf der gesamten nördlichen Halbkugel verbreitet. In den 1850er-Jahren wurde er in Deutschland komplett ausgerottet. Es ist eben ein Erfolg des Naturschutzes – wir haben es gerade gehört –, dass nach rund 150 Jahren wieder einige Hundert Tiere in Deutschland leben, ein Bruchteil davon in Schleswig-Holstein. Wir haben auch schon gehört: Wir haben aktuell zwei Territorien, ein Territorium mit einem Rudel im Bereich Segeberg und ein weiteres Territorium im Bereich Sachsenwald mit einem weiteren Wolfsrudel. (Zuruf CDU) Insgesamt sind es knapp 20 Tiere. Jetzt soll die Landesregierung also aufgefordert werden, ein wirksames Bestandsmanagement samt schadensunabhängiger Bejagung vorzubereiten. Doch wo stehen wir eigentlich wirklich aktuell? – Das zu betonen ist mir wichtig. In der EU ist im September dieses Jahres mehrheitlich entschieden worden, einen Antrag der EUKommission zur Herabstufung des Schutzstatus des Wolfs in nächsten Sitzung der Berner Konvention zu unterstützen. Auch Deutschland hat dem zugestimmt. Ziel des Antrags der Kommission ist eine Umlistung des Wolfes von „streng geschützt“ zu „geschützt“. Wird dieser Antrag von der Berner Konvention angenommen, kann die EU in einem weiteren Schritt unter Umständen den Wolf von Anhang 4 in Anhang 5 der FFH-Richtlinie umstufen. Erst diese Änderung in den Anhängen würde die rechtliche Basis des Wolfsmanagements verändern. Die Streichung des Wolfs muss zudem einstimmig erfolgen. Also, auch nach einer möglichen Einstufung im Anhang 5 der Richtlinie bleibt der Wolf eine geschützte Art – das ist mir wichtig, hier zu betonen –, (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, SPD und SSW) bei der der günstige Erhaltungszustand gesichert sein muss. Der günstige Erhaltungszustand ist in Deutschland gegenwärtig eben nicht erreicht. Der Wolf wird dauerhaft ein Teil der Natur in Europa und auch in Schleswig-Holstein sein. Dies stellt die Weidetierhaltung weiterhin vor die Herausforderung, insbesondere Schafe dauerhaft durch Herdenschutzmaßnahmen schützen zu müssen. Das muss auch gesagt werden; ich will mich nicht den Realitäten verweigern, das wäre ja wirklich absurd. Ich selbst bin viel im Land unterwegs, habe Schafrisse gesehen. Wölfe reißen Schafe, und das ist ein Problem. Sie haben nur nicht – wie Herr Kumbartzky das gerade sagte – irgendwelche außerordentlichen Hungerattacken. Das fand ich schon wirklich erstaunlich. (Lars Harms [SSW]: Das ist Wolf Kumbartzky!) Wölfe reißen Schafe, das ist ein Problem. Das müssen wir hier benennen. Aber: In Schleswig-Holstein gibt es seit Jahren ein etabliertes Wolfsmanagement. Wir müssen auch weiterhin gute Wege finden, um die Konflikte zwischen dem Wolf und den Nutztieren zu minimieren. Wir setzen hier auf guten Herdenschutz und auf die Ausgleichszahlungen, die bei Rissen gewährt werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in Schleswig-Holstein mit unseren aktuellen rechtlichen Grundlagen, die wir gemeinsam geschaffen haben, und dem umfassenden Wolfsmanagement auf einem vertretbaren Weg sind. Zudem können Problemwölfe entnommen werden. Das ist mir wichtig zu betonen. (Silke Backsen) Ich finde es allerdings nicht in Ordnung, dass hier Erwartungen der Nutztierhalter und Nutztierhalterinnen geweckt werden. Anstatt nämlich von einem wirksamen Bestandsmanagement und schadensunabhängiger Bejagung zu reden, sollten wir uns zunächst der Realität der rechtlichen und der fachlichen Grundlagen zuwenden, (Beifall BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und vereinzelt SPD) anstatt hier über Scheinlösungen wie wolfsfreie Zonen zu diskutieren. Die wären zum Beispiel auch nach Änderung der FFH-Richtlinie nicht ohne Weiteres möglich. Auch Wolfshybride, die in dem Antrag erwähnt werden, die extrem selten sind, und ihre Risse werden in der Regel schon jetzt den Wolfsrissen gleichgestellt. Also, anstatt hier über Scheinlösungen zu diskutieren, sollten wir weiter daran arbeiten, die Konflikte anders als mit dem Gewehr zu lösen. Diesen Herausforderungen sollten wir uns ehrlich widmen, anstatt allen Beteiligten mit vorliegenden Forderungen eine vermeintlich leichte Lösung vorzugaukeln, die es so eben nicht gibt und die so auch nicht funktionieren wird. Klar ist – jetzt einmal sehr einfach gesagt –: Zäune, vor allen Dingen Herdenschutzzäune, schützen Schafe. Der Abschuss hilft nur in Ausnahmefällen. – Vielen Dank.

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