Martin Balasus
Danke, sehr großzügig. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Nichts ist so beständig wie der Wandel.“ Dieser bekannte Aphorismus des griechischen Philosophen Heraklit hat zwar schon 2.500 Jahre auf dem Buckel, aber an seiner Gültigkeit nichts verloren, im Gegenteil. Unsere Gegenwart ist von einer selten gekannten Dynamik geprägt. Technologien entwickeln sich rasant weiter, Berufe, die gestern noch sicher erschienen, verändern sich oder verschwinden ganz. Wir sehen uns mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die wir uns so vor einigen Jahren überhaupt nicht hätten vorstellen können. In einer solchen Welt muss auch Schule als Spiegel der Gesellschaft in der Lage sein, flexibel, mutig und innovativ zu reagieren und zu agieren. Genau hier setzt die Experimentierklausel an, die wir in dieser Legislaturperiode auf den Weg gebracht haben: eine echte Erfolgsgeschichte und absolut einzigartig in Deutschland. (Vereinzelter Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich danke der Ministerin und dem Ministerium für den eben vorgestellten Bericht. Lassen Sie mich, liebe Kolleginnen und Kollegen, noch einmal etwas genauer ausführen, warum es so wichtig ist, dass wir unseren Schulen den nötigen Freiraum zum Experimentieren geben. Erstens. Jede Schule ist anders. Jede Schülerschaft hat ihre eigenen Bedürfnisse, Stärken und Schwächen. Standardlösungen sind in vielen Bereichen hilfreich, doch reichen sie nicht immer aus, um angemessen auf die vielfältigen Herausforderungen in den einzelnen Schulen einzugehen. Die Experimentierklausel gibt den Schulen den nötigen Spielraum, um auf diese individuellen Bedürfnisse besser reagieren zu können. Sie erlaubt den Schulen, maßgeschneiderte Lösungen für ihre ganz eigene Situation zu finden. Zweitens. Fortschritt entsteht durchs Ausprobieren, vielleicht so nach dem Motto: einfach mal machen. Innovation kommt nicht aus dem Nichts, sie entsteht durch Trial and Error, durch Versuch und Irrtum. Schulen brauchen die Freiheiten, neue Unterrichtsmodelle, alternative Formen des Lernens oder der Leistungsbewertung zu erproben. Fehler dürfen dabei nicht als Scheitern oder als Schwäche gewertet werden, sondern als Chance, daraus zu lernen und weiter voranzukommen. Drittens. Die Schule der Zukunft ist kooperativ, und sie ist vernetzt. Die Experimentierklausel fördert genau das: den Austausch der Schulen untereinander, man lernt anhand dieser Best-Practice-Beispiele voneinander, die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern und das Erproben von Projekten, die über den Alltag hinausgehen, sind hier der Schlüssel. Deutlich über 200 Schulentwicklungsideen von rund 150 Schulen sind beim Ministerium eingegangen. Die Spannweite ist dabei enorm. Manche Experimentierideen reichen über drei Wochen, man- (Martin Balasus) che erstrecken sich über sieben Jahre. Es ist ganz vielfältig. Alle Ideen wurden in drei Kategorien eingeteilt: erstens Ideen, die unmittelbar und ohne Genehmigung der Schulaufsicht durchzuführen sind, zweitens solche, die mit besonderer Erlaubnis durchführbar wären, und drittens gibt es natürlich auch Ideen, die zum Beispiel irgendwie abschlussgefährend sein könnten. Da wird es schwierig. Aber die Aufgabe der Schulaufsicht in diesem Szenario ist dabei nicht, der Bremser oder der Verhinderer zu sein, sondern stattdessen ein Möglichmacher. Sie berät zum Beispiel Schulen, wie aus einem Projekt der Kategorie 3 ein Projekt der Kategorie 2 werden kann und damit einer Realisierung nichts im Wege steht. Mehr Lesezeit, Fächer- oder jahrgangsübergreifender Projektunterricht oder ein konfessionsübergreifender Religionsunterricht in den Jahrgangsstufen 5 und 7: Das sind nur drei Beispiele, wo Schulen in Schleswig-Holstein derzeit zu Laboren werden, an denen an der Schule von morgen geforscht wird. Dazu kommen Projekte zur Stärkung der Selbstkompetenz, der Eigenlernzeit, modifizierte Leistungsbewertung, Umsetzung der Kontingentstundentafeln in den Epochen, und, und, und. Ich könnte das immer weiter aufzählen. Kurz, ein echter Katalysator für die Schulentwicklung und ein tolles Signal an unsere Schulleitungen: Wir vertrauen euch, ihr habt die Freiheit, die ihr braucht, ihr könnt loslegen. – Bei uns wird Schulentwicklung nicht nach dem Motto Top-down, also von oben nach unten, vorgeschrieben. Bei uns ist das Motto Bottom-up. Schulen sind hier auf Augenhöhe, Schulen befruchten sich gegenseitig, und so entsteht die Schule von morgen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser Forschergeist kann auch uns hier im Landtag nur weiterbringen. Schauen wir uns die Schulentwicklungsimpulse genau an, und ziehen wir die richtigen Schlüsse aus dieser Art der Unterrichtsentwicklung. – Vielen Dank. (Vereinzelter Beifall CDU)
