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Malte Krüger

GRÜNE 17.10.2024 Sitzungen 20/70

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sprache ist facettenreich. Sprache kann wirkmächtig sein; das merken wir in diesem Parlament, und das haben wir auch in den letzten zwei Tagen immer wieder gemerkt. Sprache ist essenzieller Bestandteil unserer Identität, und deshalb führen wir leidenschaftliche Diskussionen über die Tiefen der Grammatik oder über das Gendern. Kleine Anmerkung dazu: Ich denke auch, ehrlich gesagt, dass Markus Söder öfter über das Gendern sprechen will als wir Grüne. Aber das nur als kleine Anmerkung dazu. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das ist der Grund, warum wir eine andere Sprache lernen wollen oder warum wir uns den Übergang zwischen Kita und Grundschule verstärkt anschauen. Ein fließender und gut geplanter Übergang von der – – (Christopher Vogt [FDP]: Bisher hat darüber kein Mensch geredet! Du redest öfter darüber als Söder selbst! – Heiterkeit) – Herr Vogt, ich werde das in dem Protokoll noch mal nachschauen, aber ich glaube, ich habe den Namen hier noch nie erwähnt. (Zurufe CDU und FDP) Diese Diskussion über Sprache ist also der Grund, warum wir andere Sprachen lernen wollen oder warum wir uns den Übergang zwischen Kita und Grundschule verstärkt anschauen. Ein fließender und gut geplanter Übergang von der Kita zur Grundschule ist essenziell, um Chancengerechtigkeit und Bildungserfolg zu gewährleisten. Kinder kommen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule: sprachlich, sozial, emotional und motorisch. Es ist unsere Aufgabe, diese Unterschiedlichkeiten zu erkennen und darauf individuell einzugehen. Die sprachliche Förderung hat dabei eine zentrale Rolle. Wir wissen, dass Spachkompetenz einer der wichtigsten Schlüsselfaktoren für den schulischen Erfolg ist. Kinder, die bereits frühzeitig in ihrer sprachlichen Entwicklung gefördert werden, haben später deutlich bessere Chancen, sich in der Schule zu integrieren und dem Unterricht zu folgen. Dadurch haben sie natürlich auch bessere berufliche Chancen. Dass wir im Bereich der Sprachförderung einen Handlungsbedarf haben, wissen wir aufgrund verschiedener Studien; ein Fünftel der Schülerinnen erreicht zum Ende der Grundschulzeit nicht die Mindeststandards. Ein wichtiger Schritt, um diesen Übergang zu erleichtern, ist die enge Zusammenarbeit zwischen Kitas und Grundschulen. Deshalb ist es richtig, dass wir in dieser Legislatur beim Übergang von Kita zur Schule einen ganz klaren Schwerpunkt setzen. (Beifall Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) In Schleswig-Holstein haben wir in den letzten Jahren viel dafür getan, dass diese Kooperationen gestärkt werden. Ab dem Schuljahr 2024/2025 startet das Modellprojekt „Entwicklungsfokus Viereinhalb“, das den Sprachstand von Kindern 18 Monate vor der Einschulung erfasst und entsprechende Fördermaßnahmen einleitet. Diese frühe Sprachstandserfassung stellt sicher, dass Kinder, die noch Unterstützung benötigen, diese rechtzeitig und noch bevor sie in die Schule kommen, erhalten. Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern wie BadenWürttemberg, Hamburg und Hessen zeigen, dass (Malte Krüger) eine solche vorausschauende Sprachförderung langfristig zu besseren Lernerfolgen führt. Frau Midyatli, Sie haben vorhin in Ihrer Rede zu Recht darauf hingewiesen, dass andere Bundesländer diesbezüglich vorweggehen. Aber Sie müssen auch anerkennen, dass Hamburg immer noch ein Stadtstaat ist, eine komplett andere Struktur hat als Schleswig-Holstein und dass wir finanzielle Rahmenbedingungen haben, die alles andere als einfach sind. (Beate Raudies [SPD]: Oh, wie lange wollen Sie sich damit noch rausreden?) – Ja, Frau Raudies, legen Sie ruhig los! Aber wissen Sie, was mich wirklich in Ihrer Argumentation stört? Dass Sie immer Hamburg, weil der Oberbürgermeister nun mal der SPD angehört, ins Feld führen! (Zuruf Serpil Midyatli [SPD] – Zuruf SPD) Ich weiß nicht, wie oft Sie schon gehört haben, dass wir grüne Bildungsministerinnen hier irgendwie voranstellen. Wir gucken sachlich auf die Sachen, und wenn Hamburg gute Ideen hat, dann ist uns doch egal, welches Parteibuch die haben. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU – Zuruf Serpil Midyatli [SPD]) Besonders Kinder, deren Erstsprache nicht Deutsch ist oder die aus sozial benachteiligten Familien kommen, profitieren von einer frühzeitigen Förderung. Denn Chancengerechtigkeit beginnt nicht erst in der Schule, sondern bereits in der Kita. (Beate Raudies [SPD]: 15.000 Plätze fehlen im Land! 15.000 Kinder haben keine Chance!) Natürlich orientieren wir uns dabei an den bestehenden Programmen. Trotzdem braucht es zunächst eine Pilotierung an einzelnen Standorten, um nachbessern zu können. Programme aus anderen Bundesländern lassen sich aufgrund der unterschiedlichen Strukturen eben nicht einfach mal so eins zu eins auf Schleswig-Holstein übertragen. Wir wissen, dass insbesondere Kinder in sozial herausfordernden Umfeldern verstärkte Unterstützung benötigen. Dies ist der Gedanke hinter den PerspektivSchulen, und vor Kurzem haben wir ja hier an dieser Stelle schon über die PerspektivKitas gesprochen. Die Bildungsministerin hat gerade darauf hingewiesen: Wir gehen da ja einen echt extrem wichtigen Schritt. Natürlich würden auch wir uns wünschen, dass das gleich an mehreren PerspektivKitas geht oder dass wir noch viel mehr PerspektivKitas haben, klar! Aber die finanziellen Bedingungen sind so, wie sie sind. Das haben wir hier gestern während der ersten Haushaltslesung sehr ausführlich diskutiert. Eines ist aber eben offensichtlich: Die Zusammenarbeit zwischen PerspektivKitas und PerspektivGrundschulen – ich nenne sie jetzt mal – ist etwas, was wir fördern wollen. Wir wollen, dass auch diese Schulen und Kitas, die von diesen Geldern profitieren, noch verstärkt miteinander zusammenarbeiten können. Das ist auch ein Fokus, den wir setzen wollen. In dem Bericht wird zu Beginn deutlich gemacht, dass keine Diagnose ohne Förderung und keine Förderung ohne Diagnose stattfinden soll. (Beifall Eka von Kalben [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Dies bedeutet, dass wir nicht nur den Sprachstand der Kinder erfassen, sondern auch gezielte Maßnahmen ergreifen, um Defizite auszugleichen. Das ist, ehrlich gesagt, besonders meiner Fraktion enorm wichtig. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das beginnt mit der alltagsintegrierten Sprachförderung in der Kita und setzt sich in der Schule fort. Multiprofessionelle Teams aus Lehrkräften, Erzieherinnen und Sprachförderkräften sollen Hand in Hand arbeiten und jedem Kind die Förderung zukommen lassen, die es benötigt. Catharina Nies und mir ist dabei besonders wichtig, dass neben der sprachlichen Entwicklung eben auch weitere basale Kompetenzen der Kinder, wie soziale, motorische und kognitive Fähigkeiten, angemessen berücksichtigt werden. Dass Sprache im Fokus liegt, ist klar, aber diese anderen Kompetenzbereiche müssen wir auch im Blick behalten. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Der Übergang von der Kita zur Grundschule ist kein kurzer Moment, sondern ein Prozess, der oft schon lange vor der Einschulung beginnt und erst mit dem Ende des ersten Schuljahres abgeschlossen ist. Es ist unsere Aufgabe, diesen Prozess so zu gestalten, dass jedes Kind, unabhängig von seiner Herkunft, seiner Erstsprache oder seinem sozialen Hintergrund, die gleichen Chancen auf einen erfolgreichen Start in die Schule hat. (Malte Krüger) Mit den beschlossenen Maßnahmen zur frühzeitigen Sprachförderung und der intensiven Zusammenarbeit zwischen Kita, Grundschule und Eltern sind wir auf einem guten Weg, den Übergang für alle Kinder erfolgreich zu gestalten. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass jedes Kind in Schleswig-Holstein eine faire Chance auf Bildung und Teilhabe hat! Natürlich geht es der SPD nicht schnell genug. Als Opposition kann man auch leicht fordern, dass alles größer und schneller kommen soll, weil man sich eben nicht um die Umsetzung kümmern muss und auch nicht haushalterischen Zwängen unterworfen ist, wie wir es als regierungstragende Fraktionen sind. (Beate Raudies [SPD]: Wie gesagt: Wenn euch das zur Last fällt, übernehmen wir gerne!) Zur Erinnerung: Das Bildungsministerium hat 1 Million Euro, also 20 zusätzliche Stellen, für die zusätzliche Förderung ab dem Schuljahr 2025/2026 zur Verfügung gestellt. Für die Einrichtung der PerspektivKitas stellt das Land jährlich 2 Millionen Euro bereit. Ich freue mich aber, dass auch die SPD der Einführung der Spracherhebungen für Viereinhalbjährige grundsätzlich positiv gegenübersteht. (Martin Habersaat [SPD]: Das beantragen wir seit Jahren!) Ich möchte damit enden, dass ich auch noch einmal der Bildungsministerin Karin Prien und der Sozialministerin Aminata Touré herzlich für die Zusammenarbeit ihrer beiden Ministerien an dieser Stelle danke. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Ich bin auch der Meinung, dass wir jetzt eine große Chance haben, zukünftig an diesem Thema noch viele weitere Schritte zu gehen und möchte mich da gerne positiv einbringen. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

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