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Karin Prien

17.10.2024 Sitzungen 20/70

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Einigkeit besteht in diesem Hohen Haus darüber, dass frühkindliche Bildung im Elternhaus, in der Kita und in der Grundschule wahrscheinlich die entscheidende Voraussetzung für erfolgreiches lebenslanges Lernen ist. Und in einer Migrationsgesellschaft kommt einer gelingenden frühkindlichen Sprachförderung zudem eine entscheidende Bedeutung zu. Dabei spielt der Übergang vom Elementarbereich der Kita in den Primarbereich der Grundschule für die Bildungsbiografie eine große Rolle. Das Ziel ist es, einen nahtlosen Übergang für alle Kinder zu ermöglichen, denn die frühe Sprachförderung ist ein Prozess, der sich von der Kita bis zum Abschluss der Eingangsphase in der Grundschule vollzieht. Dies erfordert eine enge Kooperation aller am Übergang beteiligten Akteure sowie eine aktive Einbeziehung und Mitwirkung der Eltern. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es geht dabei um die sozial-emotionale und die motorische Kompetenzentwicklung, um die mathematischen Vorläuferkompetenzen und dann eben im Schwerpunkt der frühkindlichen Entwicklung um die Sprachförderung. Wir haben im September dem Landtag einen Bericht des Ministeriums zum Übergang von der Kita in die Grundschule vorgelegt. Der Bericht beschreibt sehr klar die Ausgangslage und die großen Herausforderungen, in denen wir in einer veränderten gesellschaftlichen Lage stehen. Er beschreibt das gemeinsame Konzept zur schrittweisen Umsetzung einer intensivierten Sprachförderung in Schleswig-Holstein. Ich danke Ministerin Touré sehr dafür, dass wir gemeinsam in einer bisher nicht gekannten Art und Weise in Zusammenarbeit der Ministerien diesen Weg beschritten, dieses Konzept erarbeitet und dann der Öffentlichkeit vorgestellt haben. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das zentrale Element für die gemeinsame Gestaltung des Weges von der Kita in die Grundschule stellt eine frühzeitige Feststellung möglicher Förderbedarfe insbesondere bei den sprachlichen Kompetenzen dar. Hier geht es auch um mehr Verbindlichkeit. Auch da sind wir uns einig. Es geht darum, das passsende Format und den passenden Ort der Förderung bei differenziert zu bestimmenden Bedarfen anzubieten. Das kann die Kita sein, das kann die Schule sein, das kann aber auch in den Sozialräumen und Familienzentren stattfinden. Die vorhandenen Strukturen der frühkindlichen Sprachförderung müssen ausgebaut und die Zusammenarbeit zwischen Kitas und Grundschulen weiter gestärkt werden. Wir fangen hier natürlich keineswegs bei null an, wie hier suggeriert wird. Schon heute wird ein Kind auf Grundlage des Schulgesetzes zur Teilnahme an einem Sprachförderkurs, der sogenannten Sprachintensivförderung SPRINT verpflichtet, wenn im Anmeldeverfahren an der Grundschule festgestellt wurde, dass dieses Kind einen erheblichen Sprachunterstützungsbedarf hat. Die SPRINT-Maßnahme beginnt in der Regel aber erst ein halbes Jahr vor Schuleintritt. (Serpil Midyatli [SPD]: Genau! Das ist das Problem!) Im weiteren Verlauf werden die Kinder regulär eingeschult, erhalten aber in der Schule durch die schulischen Fachkräfte weitere zusätzliche Förderung. Wir werden SPRINT vorerst fortführen, und es wird dann in eine landesweite frühere Förderung übergehen. (Ministerin Karin Prien) Mit dem Landesprogramm Sprach-Kitas unterstützen wir Kitas bereits jetzt mit einem überdurchschnittlichen Anteil an Kindern mit besonderem Bedarf an sprachlicher Bildung und Sprachförderung. Sie wissen, wir haben hier mit Landesmitteln das Bundesprogramm ersetzen müssen. Ich hätte mir auch gewünscht, wir hätten die Gelder zusätzlich hier hineinstecken können. Das war aber leider nicht möglich, weil die Bundesregierung die entsprechenden Mittel zusammengestrichen hat. (Zurufe SPD) Aber, meine Damen und Herren, die bisherigen Maßnahmen – da sind wir uns ja auch einig – setzen zu spät an und sind zu wenig standardisiert. Es gilt, frühzeitig einheitliche Verfahren zur Sprachstandserfassung einzuführen und sicherzustellen, dass Kinder mit Sprachunterstützungsbedarf gezielte, bedarfsgerechte und rechtzeitige Förderung erhalten. Das werden wir jetzt tun. Wir konzentrieren uns zunächst, und das macht ja auch Sinn, auf die Schülerinnen und Schüler, die weniger gute Startchancen haben. Dabei hilft uns unser PerspektivSchulsystem und der Sozialindex, den wir für das ganze Land entwickelt haben. Wir führen PerspektivKitas im Rahmen eines Pilotprojekts ein. Die PerspektivKitas kooperieren fest mit bereits bestehenden PerspektivSchulen in räumlicher Nähe. Dabei gibt es insbesondere eine intensive Zusammenarbeit in der Sprachdiagnostik und Sprachförderung, um sprachliche Defizite von Kindern möglichst schon vor dem Schuleintritt abzubauen und damit für möglichst gleiche Startchancen zu sorgen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Wortmeldung Martin Habersaat [SPD])

Protokoll ↗