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Sophia Schiebe

SPD 16.10.2024 Sitzungen 20/69

Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Liebe Kolleg_innen! Bei diesem Tagesordnungspunkt sprechen wir über ein Thema, welches oft im Schatten steht und trotzdem Teil unserer Gesellschaft ist, und zwar Sexarbeit. Zunächst sollten wir uns der Tatsache bewusst sein, dass es Menschen gibt, die freiwillig in der Sexarbeit tätig sind und in dieser Branche Erfüllung und finanzielle Unabhängigkeit finden. Für manche ist die Sexarbeit eine Form der Selbstbestimmung, die es ihnen ermöglicht, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, oft flexibler als in herkömmlichen Berufen. In einigen Fällen finden Sexarbeiter_innen Gemeinschaft in ihrer Branche, erleben Solidarität und gegenseitige Unterstützung. Dennoch gibt es ebenso viele, wenn nicht mehr Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind, weil ihnen schlichtweg die alternativen Möglichkeiten fehlen. Für diese Menschen kann Sexarbeit körperlich und emotional belastend sein. Das Stigma, das die Gesellschaft oft mit dieser Tätigkeit verbindet, verschärft die Situation zusätzlich. Die Betroffenen erfahren Diskriminierung und soziale Isolation. Dies erschwert ihnen, über Alternativen nachzudenken oder Unterstützung zu suchen. Gewalt, gesundheitliche Risiken und die Gefahr von Ausbeutung sind weitere negative Begleiterscheinungen, die Sexarbeiter_innen erleben können. In diesem Spannungsfeld wird die Notwendigkeit einer Umstiegsberatung besonders deutlich. Eine solche Beratung ist wichtig. Sie bietet Menschen in der Sexarbeit, die einen Umstieg in Betracht ziehen, wertvolle Ressourcen, Information und Unterstützung. Die Gründe, warum Menschen die Sexarbeit verlassen wollen, sind vielfältig. Manche wünschen sich eine stabilere und weniger belastende Arbeit. Andere leiden unter den psychischen und physischen Folgen ihrer Tätigkeit. Wieder andere haben den Wunsch, sich vor dem sozialen Stigma zu schützen. Die Umstiegsberatung kann hier auf mehreren Ebenen ansetzen. Zunächst bietet sie eine Plattform, auf der die Betroffenen ihre Situation anonym und ohne Vorurteile besprechen können. Diese Niedrigschwelligkeit ist entscheidend. Denn viele Sexarbeiter_innen haben Angst vor Stigmatisierung und fürchten, in traditionellen Berufsberatungen nicht ernst genommen zu werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Umstiegsberatung ist die praktische Unterstützung. Viele Menschen, die aus der Sexarbeit aussteigen wollen, stehen vor erheblichen Hürden – fehlende Qualifikation, Lücken im Lebenslauf, geringe berufliche Erfahrung außerhalb der Sexarbeit. Die Beratung kann hier helfen, indem sie den Betroffenen Weiterbildung, Umschulungen oder organisatorische Unterstützung anbietet. Gleichzeitig kann sie dabei helfen, Zugang zu sozialen Sicherungssystemen wie Arbeitslosengeld, Krankenversicherung oder psychologische Unterstützung zu finden. Diese umfassende Betreuung erhöht die Chancen auf einen erfolgreichen Umstieg erheblich. Eine Umstiegsberatung muss auch die Herausforderungen und Risiken eines solches Prozesses berücksichtigen. Ein häufiger Kritikpunkt an Umstiegsberatungsprogrammen ist, dass sie nicht alle Betroffenen erreichen und ihnen nicht ausreichend Alternativen bieten können. Wenn die gesellschaftlichen und ökonomischen Strukturen den Einstieg in neue Berufe erschweren und die angebotenen Alternativen nicht attraktiv sind, fällt es den Betroffenen oft schwer, sich wirklich neu zu orientieren. Daher braucht es begleitend adäquate Unterbringungsmöglichkeiten, wie in unserem gemeinsamen Antrag gefordert. Es ist entscheidend, dass Umstiegsberatungen die Autonomie der Sexarbeiter_innen respektieren und sie nicht in eine Richtung drängen, die sie nicht selbst gewählt haben. Eine Umstiegsberatung sollte nicht von moralischen oder ideologischen Vorstellungen geprägt sein, sondern den individuellen Bedürfnissen, Wünschen der Betroffenen gerecht werden. Schließlich gibt es Menschen, die sich bewusst für die Sexarbeit entschieden haben und diese Tätigkeit fortsetzen wollen. Auch das muss respektiert werden. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und SSW) Insgesamt ist die Umstiegsberatung ein wichtiger Baustein, um Menschen, die aus Sexarbeit in andere Berufsfelder wechseln möchten, Perspektiven zu bieten. Sie gibt ihnen die nötige Unterstützung, Qualifikation und emotionale Begleitung, um diesen Schritt selbstbewusst und erfolgreich zu gehen. (Sophia Schiebe) Sie zeigt uns als Gesellschaft, dass wir bereit sind, Menschen unabhängig von ihrer beruflichen Vergangenheit zu unterstützen und wertzuschätzen. (Beifall ganzes Haus) Eine Umstiegsberatung für Sexarbeit ist wichtig, weil sie Menschen, die aus der Sexarbeit aussteigen wollen, unterstützt, ihnen neue Perspektiven eröffnet. Gleichzeitig muss sie sensibel und respektvoll mit den individuellen Entscheidungen der Betroffenen umgehen und darf nicht moralisch wertend sein. Es geht nicht darum, die Sexarbeit zu verurteilen, sondern darum, denjenigen zu helfen, die sich eine Alternative wünschen. Die Beratung bietet einen Raum für Hoffnung, Selbstbestimmung und einen neuen Anfang. – Vielen Dank.

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