Dirk Kock-Rohwer
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Auch ich danke dem Minister und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses für diesen Bericht und für das umsichtige Handeln im Zusammenhang mit dem Tierseuchengeschehen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Frühzeitig wurde gewarnt und zum Impfen aufgefordert, ebenso ein Beitrag pro Tier und Impfung erstattet. Ich danke auch den Tierärztinnen und Tierärzten von dieser Stelle für ihren Einsatz in dieser herausfordernden Lage sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Unternehmens, das Tierkadaver entsorgt. Keine schöne, aber eine äußerst wichtige Aufgabe. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und SPD) Am härtesten trifft es wohl die Tierhalterinnen und Tierhalter, die vor allem bei den Schafen an der Westküste, wie wir schon gehört haben, durch die Blauzungenkrankheit erhebliche Tierverluste zu verzeichnen hatten oder haben. Zum Schutz der Tiere sind schon diverse Deiche, auch das haben wir gehört, für Publikumsverkehr gesperrt worden, um den Tieren weniger Stress zu verursachen. Und anders als bei der Afrikanischen Schweinepest werden diese Verluste nicht von der Tierseuchenkasse aufgefangen. Grund dafür ist, dass die Blauzungenkrankheit nicht von Tier zu Tier übertragen wird. Eine weitere Tierseuche, die sogenannte Vogelgrippe, ist die andere Bedrohung für die Tierhalterinnen und Tierhalter, die ganze Bestände dahin rafft. Die ASP, auch das hörten wir vom Minister, ist zurzeit noch weit weg in Hessen. Aber wie weit ist Hessen schon weg? Auch für die Vogelgrippe ist jetzt im Frühherbst noch keine akute Gefahr. Mal abwarten, was uns der Herbst bringt. Bei Rindern sind die Symptome nicht ganz so gravierend, aber auch hier entstehen den Betrieben wirtschaftliche Verluste durch Rückgang der Milchleistung bei Kühen zum Beispiel, durch Aborte bei trächtigen Tieren und durch Lahmheiten. Ich gebe ein Beispiel aus der Praxis von unserem Betrieb, um die Betroffenheit auf einen Milchviehbetrieb zu schildern: 20 Prozent Lahmheiten, Entzündung am Kronensaum zwischen den Klauen, 10 Prozent weniger Milchleistung, drei Prozent der Tiere haben verkalbt – Auswirkungen der Fruchtbarkeitsstörung in der gesamten Herde sind erst im Laufe des nächsten Jahres sichtbar –, Fieber bis 42 Grad, Entzündung an den Zitzen und den Schleimhäuten mit Schleimhautablösungen und, wer mag es ihnen dann verdenken, Fressunlust. Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Minister hat es gesagt, es kann eigentlich wenig getan werden, außer die Impfung fortzusetzen, aber es braucht vier Wochen, bis sie wirkt. Es ist gut, dass es immerhin Impfstoffe gibt, die zwar noch gar nicht von der EU zugelassen, aber dennoch per Eilverordnung am 7. Juni 2024 kurzfristig vom BMEL zur Anwendung freigegeben wurden. Das war zwei Monate vor dem ersten Nachweis der Seuche in SchleswigHolstein am 8. August 2024. Seitdem haben wir eine rasante Entwicklung gesehen, mit der wohl in dieser Form nur die wenigsten gerechnet haben. Da so viele Bestände noch ungeimpft sind und es auch eine gewisse Zeit dauert, bis der Impfschutz wirksam wird, ist das für Betriebe in Regionen, in der die Seuche aktuell umgeht – das ist mittlerweile so gut wie flächendeckend – ziemlich frustrierend. Man kann nur auf kälteres Wetter warten, und da der Herbst vor der Tür steht, wird das die Ausbreitung wohl bald zumindest deutlich abbremsen, aber (Dirk Kock-Rohwer) nicht unbedingt gänzlich stoppen, denn bis zu einer Tagestemperatur von fünf Grad Celsius sollen die Gnitzen noch unterwegs sein. Das ist gut möglich, dass das Virus im nächsten Jahr zurückkehrt, womöglich in einer neuen Variante. Also kann man leider nicht davon ausgehen, dass Bestände, die in diesem Jahr die Krankheit durchgemacht haben, dann immunisiert sind. Die Blauzungenkrankheit wird durch Gnitzen übertragen, und das vermehrte Auftreten dieser Insekten hat auch mit Klimawandel zu tun. Wir müssen leider davon ausgehen, dass derartige Phänomene in Zukunft häufiger auftreten. Es muss daher meiner Ansicht nach auch diskutiert werden, ob dafür das bestehende System zur Absicherung über den Tierseuchenfonds ausreicht und ob und wie es anzupassen oder durch weitere Instrumente zu ergänzen ist. Ich habe dafür keine Lösung parat. Ich denke, die hat zurzeit niemand. Aber wir sollten beizeiten in eine solche Richtung denken. Zugleich muss weiter intensiv an Impfstoffen geforscht werden. Uns war es wichtig, diesen Bericht hier im Plenum zu beantragen, denn das Thema hat öffentliche Aufmerksamkeit verdient. Die Auswirkungen für die Landwirtschaft sind gravierend, auch wenn, wie der Minister dargestellt hat – das möchte ich hier am Schluss meiner Rede noch einmal hervorheben – keine Gefahr für die menschliche Gesundheit besteht. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, FDP und SSW)
