landtag.ltsh.de ↗

Karin Prien

27.09.2024 Sitzungen 20/68

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist zu Recht darauf hingewiesen worden, dass die psychischen Probleme bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen weltweit zunehmen und leider auch auf hohem Niveau bleiben. Das belegen verschiedene Untersuchungen, die zum Teil auch schon zitiert worden sind. Leider ist es auch so, dass nicht nur die Pandemie zu diesem Sachverhalt führt. Deshalb war es auch richtig, zunächst über die Notkredite zu finanzieren und jetzt weiterzuschauen. Aber es ist leider so: Es ist nicht nur die Pandemie, sondern es sind verschiedene andere Faktoren, die dazu beitragen. Es sind die multiplen Krisen, es ist das veränderte Medienverhalten, der veränderte Medienkonsum, es sind die veränderten Familienverhältnisse. Auf all das muss die Gesellschaft insgesamt eine gute Antwort finden, meine Damen und Herren. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Martin Habersaat [SPD]) Das bedeutet zunächst zweierlei: Es ist nicht nur Sache der Schulen; es ist Sache der Elternhäuser; es ist Sache des gesamten Sozial- und Gesundheitssystems. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es ist Sache der Jugendhilfe, meine Damen und Herren; es ist Sache der Kinder- und Jugendpsychiatrie – darauf hatte Kollege Balke zu Recht hingewiesen. Es sind natürlich nicht die Schulpsychologen, die dafür gedacht sind, schwer psychisch kranke Kinder zu behandeln. Das sage ich jetzt nicht, um mich hier in irgendeiner Weise bei der Frage aus der Verantwortung zu ziehen: Natürlich sind die Schulen im besonderen Maße gefragt, sich diesem Thema zuzuwenden. Warum? Weil: Kinder und Jugendliche können nur gut lernen, wenn es ihnen gut geht. Deshalb ist das Dreieck Chancengerechtigkeit, gute Leistungen und Wohlbefinden wichtig, in dem gute Schule heute stattfinden kann. Es hat auch etwas mit Schulkultur zu tun, mit den Lehrkräften und der Lehrkräfteausbildung. Herr Habersaat, Sie haben zu dieser Frage schon Kleine Anfragen gestellt. Darin stehen die Antworten, die wir zurzeit dazu geben. Es geht darum, die Ausbildung der Lehrkräfte auch in dieser Hinsicht zu verbessern. Das muss doch das Ziel sein, meine Damen und Herren. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir haben in den vergangenen Jahren und natürlich auch aufgrund der Tatsache, dass so viele Kinder und Jugendliche zu uns kommen, die traumatische Erfahrungen zum Beispiel im Bereich Flucht und Migration gemacht haben, verschiedene Maßnahmen ergriffen. Auf TiK-SH in Kita und Grundschule ist hingewiesen worden, aber auch darüber hinaus haben wir die Lehrkräfte mit einer Handreichung in die Lage versetzt, besser mit psychischen Problemen von Schülerinnen und Schülern umzugehen. Wir haben den Schulpsychologischen Dienst auf neue Füße gestellt und neue Unterstützungsangebote entwickelt. Wichtig dabei ist die Vernetzung der bestehenden Angebote aus den verschiedenen Bereichen. Auch darauf will ich noch einmal hinweisen. Das Sofortprogramm „Unterstützung von Kindern und Jugendlichen bei psychosozialen Folgen von Pandemie und Krisen“ ist richtig gewesen; das war richtig, es einzurichten, und es war auch richtig, es zunächst aus Notkrediten zu finanzieren. Jetzt arbeiten wir gemeinsam daran, dessen Fortsetzung langfristig auf solide Füße zu stellen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Meine Damen und Herren, wir haben in SchleswigHolstein – auch im Vergleich zu anderen Bundesländern – ein gut ausgebautes Unterstützungssystem mit 32 Planstellen für Schulpsychologinnen und Schulpsychologen an den allgemeinbildenden Schulen, mit 15 Schulpsychologinnen und Schulpsychologen an den beruflichen Schulen für die Sicherstellung der umfangreichen Beratungsunterstützungsstruktur. Auch das, meine Damen und Herren, muss hier erwähnt werden. (Ministerin Karin Prien) Das Rekurrieren auf die KMK-Empfehlung von 1973, Herr Habersaat, halte ich für den falschen Weg. Es sind keine zeitgemäßen Empfehlungen mehr, weil: Sie sind offensichtlich 50 Jahre alt, und sie gehen von einem Schulsystem aus, in dem es keine Multiprofessionalität gab. (Wortmeldung Martin Habersaat [SPD]) Sie gehen von einem Schulpsychologensystem aus, das auf Einzelberatung ausgerichtet war und nicht von einem systemischen Ansatz. Deshalb glaube ich, dass die KMK-Empfehlung an dieser Stelle nicht mehr maßgeblich sein kann.

Protokoll ↗