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Sybilla Nitsch

SSW 25.09.2024 Sitzungen 20/66

Geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Die Schlei steht für vieles: Verbindung zwischen Angeln und Schwansen, Natur und Wassersport, Spaziergänge. Was kann man sich da eigentlich noch vorstellen? – Verkehr und Mobilität gibt es, aber ein Markenzeichen für die Region sind sie keinesfalls, zumal sich die Situation in der letzten Zeit sogar noch massiv verschlechtert hat. Frust und lange Umwege sind bei Reisenden und Einheimischen die Folge. Blicken wir dazu einmal konkret auf die Lage, dann werden wir feststellen, dass da erhebliche Probleme vorliegen. Eine der wichtigsten Querungen des Meeresarms ist die Lindaunisbrücke. Wir haben schon viel darüber gehört. Hier fahren die Regionalbahn zwischen Flensburg und Kiel, der ÖPNV und auch noch sonstige andere Fahrzeuge. Die Brücke ist marode. Ein Neubau muss her. Eigentlich wollte man letztes Jahr damit fertig sein, nun ist der Zeitplan unklar. Vielleicht wird es Ende 2025. Zwischenzeitlich gab es mehr als sechs Monate Sperrungen, und auch die Mobilität auf dem Wasser war für diese Zeit gekappt, da sich die Brücke nicht mehr hochklappen ließ. Für viele Schülerinnen und Schüler bedeutet das lange Wege in Kauf zu nehmen, wenn man zum Beispiel in Rieseby wohnt und in Süderbrarup zur Schule geht. In Kappeln gibt es zahlreiche Probleme für den ÖPNV, weil Störungen im Betrieb der Klappbrücke alles stehen lassen können. Hinzu kommt die Einstellung des Fährbetriebs in Arnis im März vergangenen Jahres. Eine weitere Querungsverbindung fehlt also. Last but not least die Schnittstelle Kosel-Brodersby: An dieser Stelle könnte man beinahe Fährquartett spielen mit den Fähren, die kaum oder gar nicht fahrtüchtig sind. Für diejenigen, die vielleicht nicht so genau mit der Problematik vertraut sind: Die Missunde II ist die marode Fähre, die jahrzehntelang im Dienst war und 2023 ersetzt werden musste. Missunde III ist der Name des neuen Schiffs, welches vom Land gekauft wurde. Es wäre schön, wenn an dieser Stelle die Geschichte zu Ende wäre, nur leider hat man nach dem Kauf festgestellt, dass die Windlast der Fähre zu groß ist sowie die Anleger nicht entsprechend sind und für das Anlegen der Fähre erweitert werden müssten. Nach einer – wohlbemerkt: sehr teuren – Rückholaktion des Ministers verkehrt an dieser Stelle nun wieder die Missunde II. Geblieben ist das Quartettspiel. Anders ausgedrückt: Die Schlei zu überqueren, gleicht einer Schnitzeljagd. Obwohl, eine Schnitzeljagd könnte man vielleicht noch touristisch vermarkten. Leider beißt sich hier beim Thema Tourismus – insbesondere dem Radtourismus – die Katze in den Schwanz. Weil wir schon dabei sind zu bemerken, dass das einer Provinzposse gleicht, ist es mittlerweile soweit gekommen, dass die Region das eigentlich nur noch mit Ironie betrachten kann. Deswegen habe ich für alle Leute, die heute Abend vielleicht noch nichts vorhaben, einen Fernsehtipp: Heute wird in extra 3 exklusiv darüber berichtet, wie die Situation an der Missundequerung ist. Das wird sicherlich sehr unterhaltsam. Aber um sich den Lösungen zu widmen, ist es natürlich wichtig zu gucken, warum es hier in dieser Region unter den geografischen Bedingungen so wichtig ist, unsere Vorschläge zu berücksichtigen. Es ist nämlich so, dass man hier nicht einfach von einem Fluss spricht oder einer Förde, sondern von einem Meeresarm, der sich sozusagen halb durchs Land streckt. Wenn man dann die Schlei umfahren muss, dann muss man lange Wege in Kauf nehmen. Gerade deshalb ist es für uns so wichtig zu sagen: Diese Region müssen wir verkehrstechnisch anders denken als bisher und vor allem die Querung nicht länger einzeln betrachten. Wir sehen ja: Wenn eine Querung gestört ist, hat das massive Auswirkungen auf die ganze Region und an vielen anderen Stellen. (Sybilla Nitsch) Hier braucht es ein gemeinsames Denken und planen aller Brücken- und Fährverbindungen, aber auch aller Infrastrukturen. Denn wir haben gesehen, dass wenn die Missunde-III-Fähre jetzt wirklich in Einsatz käme und man davon ausgeht, dass über 7,5 Tonnen schwere Fahrzeuge darauf kommen, man dann ein Problem mit den Gemeindestraßen hätte. Die Gemeinden haben aber keine Unterstützung, diese Straßen zu erweitern. So könnte man es fortsetzen. Wir wollen nicht, dass die Schlei-Region in Schleswig-Holstein verkehrstechnisch isoliert wird. Deswegen erwarten wir von der Landesregierung, dass wir eine vorausschauende Planung machen und Hilfestellung vor Ort geben. Wir brauchen Notfallpläne und Kommunikationsstrategien für alle Querungen und nicht nur für die Lindaunisbrücke. Dann müssen wir auch darauf gucken, wie wir mit dem Kauf von Fähren umgehen und uns vielleicht an einer Stelle auch ehrlich machen und sagen: Wenn die Kosten immer weiter wachsen und wir nicht wissen, dass zum Beispiel die Missunde III wieder in Einsatz kommen kann, müssen wir an einer Stelle auch die Reißleine ziehen und in eine neue Planung einsteigen. Alles in allem wäre es dringend notwendig, dass die Landesregierung in dieser Region genauer hinsieht, damit es eben nicht so ist, dass die Region bei extra 3 genannt wird. Sie muss sich ernsthaft darum kümmern, dass die Menschen vor Ort nicht auf Schwimmflügel angewiesen sind, sondern dass sie ihre Lebensqualität in der Schlei-Region zurückkriegen. Dafür brauchen wir eine integrierte Verkehrsentwicklungsplanung. Denn ansonsten sind es vielleicht nur noch die Schwimmflügel, die bleiben, um die Schlei zu überqueren. – Vielen Dank. (Beifall SSW und SPD)

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