Dr. Kai Dolgner
Frau Ministerin, das ist auch keine Frage. Mich hat nur – und ich bin Naturwissenschaftler, deswegen habe ich Herrn Balasus zugegebenermaßen bei Deutsch ein bisschen provoziert – diese Priorisierung des einen Faches und der einen Fähigkeit gegenüber der anderen an dieser Stelle gestört. Sie wissen wahrscheinlich auch, was namhafte Bildungsforscher zur Wichtigkeit von musikalischer Bildung sagen. Teilen Sie die Auffassung von Herrn Balasus, dass Chorsingen an sich kein richtiges Fach ist? – Ich habe Herrn Balasus so nicht verstanden. Ich habe Herrn Balasus so verstanden, lieber Herr Dolgner, dass er Gerechtigkeit insofern einfordert, als die Bedingung dann bitte für alle Schülerinnen und Schüler in Deutschland gleich sein sollen. Das teile ich. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Eine weitere Angleichungen in der neuen KMKVereinbarung zur Oberstufe ist, dass zukünftig nicht mehr zwei bis vier Fächer auf erhöhtem Anforderungsniveau vorgesehen sind, sondern nur noch zwei oder drei Fächer. Hier hat Schleswig-Holstein schon nachgezogen. Wir werden uns beim Nachjustieren der Oberstufenreform noch weiter an das KMK-Niveau anpassen. Viele strengere Regelungen, die wir in Schleswig-Holstein haben, werden jetzt über die neue KMK-Vereinbarung von anderen Bundesländern angewendet werden. (Ministerin Karin Prien) Bei anderen mussten wir dann eben nachdenken. Das ist wieder unser beliebtes Thema mit dem Fehlerquotienten: Nahezu alle anderen Länder haben den Fehlerquotienten bereits seit Jahrzehnten abgeschafft. Sie müssen sich bitte vor Augen führen, wozu das führt: Wenn ich den Fehlerquotienten habe, dann sind auch bei einer herausragenden Arbeit auf den letzten Seiten Rechtschreibfehler. Flüchtigkeitsfehler führen dazu, dass eben keine Höchstnoten mehr erreicht werden können. (Zuruf) – Na ja, Sie sagen, das sei richtig so. Für die Frage der Rechtschreibkompetenz ist das nicht aussagekräftig. Das führt eben dazu, dass in anderen Ländern 1,0 erreicht werden kann und das bei uns kaum möglich ist. Frau Krämer, da müssen Sie dann mal entscheiden, was Sie wollen. Wir haben uns dafür entschieden, lieber unsere strengere Rechtspraxis bei der Einbringung von Kursen bundesweit sozusagen zum Standard zu machen und beim Fehlerquotienten den Weg der qualitativen Bewertung zu gehen. (Beifall BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Im Übrigen: Ja, wir werden auch noch mal bei der Oberstufe nachjustieren. Wir haben den Eindruck, dass wir im Vergleich zu anderen Bundesländern in Teilen zu viel Stunden in den einzelnen Profilen haben. Auch das ist eine Frage, der man nachgehen muss. Wir werden uns die Frage der Korrekturpraxis anschauen. Wir haben nicht nur die Erst- und Zweitkorrektur, wir haben sogar eine Drittkorrektur in Schleswig-Holstein. Das ist ein Unterschied zu Ländern, die nur eine Erstkorrektur haben. Das macht natürlich auch etwas mit der Korrekturpraxis. Auch das schauen wir uns an. Wir setzen uns mit den Schulleitungen zusammen, aber auch mit den Fachkommissionen und Fachleitungen und werden uns über die Frage der Korrekturpraxis in Schleswig-Holstein austauschen. Das Entscheidende ist jetzt – das ist vielleicht, was Sie eigentlich meinen, Herr Habersaat; jedenfalls erachtete ich das für sinnvoll –: Interessant wäre es natürlich, hier zwischen allen Ländern einen Vergleich herbeizuführen. Das wäre einmal etwas, was sich die Ständige Wissenschaftliche Kommission anschauen könnte. (Zuruf Dr. Kai Dolgner [SPD]) Die sind übrigens dafür gedacht, dass sie solche vergleichenden Studien bundesweit durchführen. Ich werde also das Thema, Ihre Anregung in der Debatte hier aufgreifend, gerne mit in die nächste Sitzung der KMK nehmen und das Thema einmal auf die Tagesordnung setzen. Dann werden wir schauen, ob es auch andere Länder gibt, die das für sinnvoll erachten. Zu den vergleichenden Studien mit Thüringen kann ich Ihnen sagen, Herr Habersaat: Das ist politisch im Moment eher schwierig, wird also auch nicht der schnellste Erfolg sein, den man da erreichen kann. (Zuruf Martin Habersaat [SPD]) Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
