Malte Krüger
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Ihr Antrag heißt ja „Aufdecken: Wir wollen sehen!“. Wenn ich Poker spiele, ist eine Regel: Wenn Sie mein Blatt sehen wollen, dann müssen Sie erst mal all-in gehen. Da muss ich Sie leider warnen, denn mit dem Blatt, das Sie hier präsentieren, würde ich an Ihrer Stelle nicht all-in gehen. (Christopher Vogt [FDP]: Spielst du Poker?) Ich finde, Ihr Antrag ist an der Stelle extrem dünn, und das möchte ich kurz ausführen. (Beifall BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und CDU) Erstens. Die Unterschiede gibt es seit Jahrzehnten, der Kollege Balasus hat darauf hingewiesen. Dann sagen Sie: aber nicht dreimal hintereinander an letzter Stelle. – Aber die Unterschiede zwischen Thüringen und Schleswig-Holstein gab es in der Größenordnung auch schon zuzeiten der Küstenkoalition. Da hätte man also auch damals schon auf die Idee kommen können, eine Initiative zu machen. Ich hätte die auch da schon nicht schlau gefunden, aber ich finde sie jetzt eben nicht weiterbringend. Wenn Sie ein ernsthaftes Interesse hätten, einen Vergleich zu machen, dann müssten wir uns die kompletten zwei Jahre des Abiturs anschauen, nicht nur die Abschlussprüfung. Sie wollen sich aber in Ihrem Antrag nur auf diese Abiturprüfung beziehen. Das Bundesverfassungsgericht hat ja 2017 eine Entscheidung getroffen. Danach soll es bundesweit Anpassungen geben, damit die Unterschiede zwischen den Bundesländern abgebaut werden. Die KMK ist da auf dem Weg. Ich hätte mir, ehrlich gesagt, auch gewünscht, dass die KMK schon vor 20 Jahren stärker daran gearbeitet hätte. Ich sehe aber in den letzten Jahren, dass sich die KMK auf den Weg macht, Empfehlungen ausspricht und Vorgaben macht, und das halte ich für richtig. Eine Sache ist noch wichtig. Wenn ich im Hamburger Rand unterwegs bin – Herr Habersaat, Sie sind ja auch oft im Hamburger Rand unterwegs – (Martin Habersaat [SPD]: Ich schlafe da!) – Sie wohnen da sogar, dann kennen Sie es noch besser als ich –, dann sehe ich, es gibt dort schon einige Schüler_innen, die in Schleswig-Holstein zur Schule gehen und dann nach Hamburg wechseln. Ob es nun stimmt oder nicht, aber von den Schüler_innen wird oft die Argumentation genutzt, dass das Abitur in Hamburg einfacher sei. Davor können wir nicht die Augen verschließen. Ich glaube, dass es in der Bewertung schon unterschiedliche Kulturen zwischen den Bundesländern gibt. Das wäre vielleicht mal interessant herauszufinden, aber, ehrlich gesagt, hilft uns das an der Stelle nicht wirklich weiter. Wirklich weiter hilft uns, wenn wir bei der KMK stärker bundesweit einen gleichen Weg gehen würden. Es hilft nicht, wenn wir jetzt hier eine Studie nur zwischen zwei Bundesländern machen. Ich bin also nicht überzeugt, aber – ich glaube, das kommt hier durch die Debatte raus – wir haben schon alle das gleiche Ziel. Wir wollen nämlich alle gerechtere Abi-Noten, wir wollen bundesweit Vergleichbarkeit haben, und wir müssen da besser werden. Da hat die KMK diese entscheidende Rolle. (Malte Krüger) Jetzt ist es aber nicht so, dass in Schleswig-Holstein gar nichts passieren würde, sondern wir haben hier gerade in den letzten Monaten einige Entscheidungen von der Landesregierung, vom Bildungsministerium gehört, die meiner Meinung nach richtig sind und die auch bei dieser Problematik helfen. Zuallererst: Wir haben den Fehlerquotienten abgeschafft. (Christopher Vogt [FDP]: Ha!) Ehrlich gesagt hätten wir das auch schon vor zehn Jahren machen beziehungsweise hätten wir durchaus hier mal debattieren sollen. – Jetzt lachen Sie, Herr Vogt. (Christopher Vogt [FDP]: Ja! Nicht nur deshalb! Wegen anderer Sachen!) In anderen Landtagen wird beim Fehlerquotienten seit Jahrzehnten über Schleswig-Holstein gelacht. Das hat nämlich sonst niemand. Deswegen finde ich es absolut richtig, dass das Bildungsministerium den Mut hat, diesen Fehlerquotienten abzuschaffen. Ich halte das für die absolut richtige Richtung. Das kann tatsächlich auch bei den Abi-Noten helfen, dass wir näher zueinander finden. (Dr. Kai Dolgner [SPD]: Aber das sollen wir doch nicht!) Zweitens. Es gibt den KMK-Aufgabenpool. Da ist die Idee, dass sich die Bundesländer aus diesem KMK-Aufgabenpool bedienen können und darüber mehr Vergleichbarkeit zustande kommt. Der Kollege Balasus hat auch schon darauf hingewiesen: Wir werden uns außerdem bei den 36 Noten, die für das Abi nötig sind, zwischen den Bundesländern annähern. Das halte ich auch für einen richtigen Schritt. Eine Sache, die jetzt ganz aktuell ist: Wir reden ja auch gerade insbesondere in der Oberstufe über eine Reduktion der Stundenzahl. Ich halte das für absolut richtig, denn wenn wir eine Entlastung bei den Schülern haben, heißt das gleichzeitig, dass wir eine Fokussierung auf ganz zentrale, basale Kompetenzen haben. Das Fach Deutsch wurde ja nun ausgiebig angesprochen. Ich glaube, dem Fach Mathematik würde es auch guttun, wenn wir uns bei der Stundenzahl stärker darauf fokussieren würden. Deshalb, liebe SPD, glaube ich, Ihr Blatt ist dünn. Ich glaube, das war alles ein Bluff, und deswegen kann ich nur zurückgeben: Ich würde jetzt gerne aufdecken, und ich würde gerne Ihr Blatt sehen. Ich glaube nämlich, da ist gar nichts hinter. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und CDU)
