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Martin Habersaat

SPD 25.09.2024 Sitzungen 20/66

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Damen und Herren! Krasser Themenwechsel, aber auch wichtig. Das durchschnittliche Abitur in Thüringen hatte dieses Jahr die Note 2,13. 2023 war es mit 2,09 noch etwas besser. Dennoch gehe man davon aus, dass Thüringen auch 2024 im Ländervergleich gut abschneide, sagte bei der Vorstellung des Schnitts ein Sprecher des dortigen Bildungsministeriums. Und tatsächlich: Er sollte recht behalten. Für 2023 liegen die Daten detaillierter vor; deshalb will ich darauf intensiver eingehen: 6.269 Prüflinge traten im Jahr 2023 in Thüringen zum Abitur an. 6.073 waren erfolgreich, und 258 schafften eine 1,0. Insgesamt hatten 2.590 Schülerinnen und Schüler eine 1 vor dem Komma. Zum Vergleich Schleswig-Holstein: 11.566 Prüfungen, davon 10.880 erfolgreich. 175 Prüflinge konnten sich über eine 1,0 freuen, 2.476 über eine 1 vor dem Komma. Oder mit anderen Worten: In Thüringen haben 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler eine 1 vor dem Komma, in Schleswig-Holstein etwa 20 Prozent, meine Damen und Herren. Schleswig-Holstein hat jetzt dreimal in Folge den letzten Platz beim Abi-Schnitt belegt, und das ist ein Problem für unsere Schülerinnen und Schüler. (Beifall SPD, FDP und SSW) Nicht so schlimm, sagt das Bildungsministerium, ein zentrales Verfahren für bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge gleiche das aus. Das stimmt, gilt aber nur für vier Studiengänge: Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie. Für Schülerinnen und Schüler aus Schleswig-Holstein heißt das: Wenn sie sich auf einen sonstigen zulassungsbeschränkten Studienplatz bewerben, haben sie schlechte Karten. Denn dafür dient die Abiturnote als Auswahl- und eben auch als Ausschlussgrenze. Die Plätze gehen an die Bewerber_innen mit den besten Abi-Noten. Bei beliebten Studiengängen, wie zum Beispiel Psychologie, führt das (Martin Habersaat) dazu, dass im letzten Wintersemester 2023/24 bei den zentral vergebenen Studienplätzen auf einen Studienplatz 25 Bewerbungen kamen. Wohl denen, die gute Noten bekommen haben. (Serpil Midyatli [SPD]: Ja!) Meine Damen und Herren, das ist unfair, und das ist ein Problem. (Beifall Serpil Midyatli [SPD] und Kianusch Stender [SPD]) Thüringen belegt seit Jahren den 1. Platz beim AbiSchnitt im Bundesvergleich. Vom letzten Platz aus – drittes Mal in Folge – haben wir das Recht zu fragen: Wie machen die das? In Schleswig-Holstein wird halt strenger bewertet, vermutet das Bildungsministerium. (Zuruf Dr. Heiner Garg [FDP]) Wenn das so ist, habe ich eine Frage: Der Schnitt an unseren Gymnasien ist traditionell besser als der Schnitt an unseren Gemeinschaftsschulen. Gehen wir also davon aus, dass an den Gemeinschaftsschulen strenger bewertet wird? (Serpil Midyatli [SPD]: Nein!) Eigentlich nicht. Hat Thüringen einfach die besseren Schulen? Das könnte sein. (Beifall Annabell Krämer [FDP] – Christopher Vogt [FDP]: Bessere Luft!) Es gibt aber auch Argumente, die für eine gegenteilige Vermutung sprechen. Viele Menschen in Schleswig-Holstein sind mit den Schulen im Land unzufrieden. Das zeigen die Ergebnisse des Bildungsbarometers 2024 vom Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung. Schleswig-Holstein bekam die Schulnote 3,14. Nur in drei Bundesländern wurden die Schulen schlechter bewertet. Das waren Bremen, Sachsen-Anhalt und – oh! – Thüringen. Woran liegt es dann? Diesen Fragen wollen wir evidenzbasiert nachgehen. Über eine Studie mit anonymen Zweitkorrekturen könnte man Licht ins Dunkel bringen und eine Vergleichbarkeit herstellen. (Beifall Annabell Krämer [FDP]) – Vielen Dank, Frau Krämer. – Schleswig-Holstein als Land mit den schlechtesten und Thüringen als Land mit den besten Abi-Noten sind sicherlich besonders gut geeignet, um eine bundesweit zu führende Debatte anzustoßen. Natürlich sind die schriftlichen Abiturklausuren nur ein Aspekt. Das ist mir durchaus klar. Als einer der wenigen im Land oder zumindest hier im Saal habe ich auch schon einmal Abi-Klausuren in zwei Bundesländern gesehen, und mir ist klar, wie ein Abitur zustande kommt. (Christopher Vogt [FDP]: Nicht so hochnäsig, Herr Kollege!) – Es ist gar nicht so hochnäsig. (Weitere Zurufe) So eine Abi-Klausur hat aber einerseits nun einmal einen großen Anteil an der Note. Andererseits ist sie auch etwas, das sich ziemlich gut nachprüfen lässt, denn wie mündliche Noten zustande kommen werden wir nicht so schnell ohne Weiteres herausfinden können. Außerdem wird man in einer solchen Studie in einem Vorwort sicherlich etwas zu den weiteren Rahmenbedingungen sagen können. Das heißt, welche Kurse zum Beispiel eingebracht werden müssen. Ein Ziel, dass sich Ministerin Prien auch zu eigen gemacht hat, ist eine bundesweite Vereinheitlichung von Standards. Nach sieben Jahren CDU-geführtem Bildungsministerium finden wir uns allerdings auf dem letzten Platz und sind von einheitlichen Standards weit entfernt. Hier sehe ich eine dringende Aufgabe für eine Landesbildungsministerin. Meine Damen und Herren, es darf kein Nachteil für junge Menschen sein, im schönsten Bundesland zu wohnen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall SPD, FDP und SSW)

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