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Kianusch Stender

SPD 19.07.2024 Sitzungen 20/65

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Pyrotechnik ist doch kein Verbrechen, wird aber oft wie eins behandelt. Pyrotechnik ist Teil von Fankultur, und der sollten wir uns in dieser Debatte, so glaube ich, etwas mehr widmen. Bei Fankultur geht es natürlich um den Sport, aber das ist nur ein Teil der Antwort. Es ist das Drumherum, was diese Kultur mit Leben füllt. Es geht um das gemeinsame Zusammenkommen, um das Malen von Bannern, das Entwickeln von Choreografien, um Fangesänge, und ja, auch Pyrotechnik ist ein Teil dieser Kultur – ob das einigen hier im Haus passt oder nicht. Pyrotechnik gab es immer und wird es immer geben. Es ist nur die Frage, wie wir mit dieser Realität umgehen. Die oberste Priorität beim Abbrennen – da gebe ich Ihnen recht – von Pyrotechnik muss immer die Sicherheit aller Anwesenden sein. Auch wir wollen, dass ein Stadionbesuch ein Erlebnis für alle ist, also auch für Familien, für alte Menschen, für Kinder. Sicherheit und Gesundheitsschutz sind absolute Voraussetzungen für ein Erlebnis für alle. (Beifall SPD, Dr. Heiner Garg [FDP] und Annabell Krämer [FDP]) Jetzt wird es aber interessant: Pyrotechnik ist übrigens nicht per se gefährlich. Gefährlich wird es nämlich erst in der Illegalität, also erst, wenn Bengalos von nicht lizensierten Firmen irgendwie ins Stadion geschmuggelt werden, wenn sie heimlich hinter Transparenten angezündet werden, wenn viele Menschen dicht drum herumstehen. Deswegen ist es natürlich richtig, die jetzige Rechtslage zu ändern oder, um es mit den Worten von Bundestrainer Julian Nagelsmann zu sagen, dem Sie etwas öfter zuhören sollten, Herr Balasus: „Man kann immer Probleme sehen. Man kann aber auch über Lösungen sprechen.“ (Beifall SPD, FDP und SSW) Wir wollen doch, dass unsere Top-Vereine in Schleswig-Holstein erfolgreich sind. Was ist das für ein Gänsehautmoment, wenn du als Spieler große Choreografien von mehreren Zehntausend Menschen siehst, wenn du Bengalos siehst und springende Menschenmengen, die wegen dir ins Stadion gekommen sind, die dich anfeuern wollen. Das gehört zu den schönsten Gefühlen, die man als Sportler erleben kann. Diese Endorphine holen immer noch ein bisschen mehr aus einem heraus. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das hier einmal sage, aber ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin den Balkonultra Niko Thoms: „Pyrotechnik ist doch kein Verbrechen, Wir werden dafür kämpfen und lassen Emotionen freien Lauf …“ Dann muss ich mich Frau Krämer anschließen. Wenn wir schon dabei sind, Herr Balasus sagte dem sh:z vor ein paar Tagen, wer glaube, dass Ultras sich an irgendwelche Bereiche und Regeln hielten, sei schon sehr naiv. Das, Herr Balasus, fand ich schon ziemlich vermessen. (Zuruf Martin Balasus [CDU]) Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass Sie gar nicht richtig wissen, was Ultras sind. (Beifall SPD, FDP und Lars Harms [SSW]) Ultras empfinden sich nämlich als Kern einer FanSchar. Sie sind politisch, sie organisieren Auswärtsfahrten. Sie organisieren Choreographien. Das sind keine um sich schlagenden Hooligans. Das sind Fans, die einen Verein unterstützen wollen. (Vereinzelter Beifall SPD, FDP und SSW) Herr Balasus, ich stehe immer wieder in einem Ultra-Block im Stadion. Auch meine Kollegin Sophia Schiebe bezeichnet sich selbst mit Fug und Recht als Ultra des VfB Lübeck. Also seien Sie da bitte etwas differenzierter. Ich möchte einen kurzen Ausflug in das Jahr 2018 machen. Wie Sie wissen, hat der FC Landtag mit mir ein absoluten Top-Transfer gelandet. Aber bei den TSB Flensburg in der Kreisklasse C, bei der dritten Männermannschaft, da war es bei mir mit der Leistung manchmal schon eng. Wir hatten damals zwar alle wenig Können, aber einen richtig guten Teamgeist. Um aus diesem noch das letzte Quäntchen Erfolg herauszuholen, hat Coach Wolle irgendwann einen kleinen Fankult um unser Team herum aufgebaut. Die Zuschauerinnen und Zuschauer wurden immer mehr. Wir hatten irgendwann eine eigene Fangruppe, die sogenannten Freibier-Ultras. Die sind dann zu jedem Heim- und Auswärtsspiel mitgekommen und haben genau das getan, was ich vorhin über die Bundesliga-Stadien skizziert habe. (Kianusch Stender) Das liegt daran, weil Fankultur keine Bundesliga braucht. Es ist wichtig, das zu verstehen. Es geht hier nicht um millionenschwere Top-Clubs und deren Popularität, sondern es geht um Gemeinschaft. (Beifall SPD, FDP und SSW) Diese jungen Frauen und Männer, von denen ich gerade gesprochen habe, sind fester Bestandteil unseres Vereinslebens in Flensburg geworden. Das Highlight der Saison war ein Spiel, bei dem einer dieser Ultras Bengalos in unseren Vereinsfarben mitgebracht und angezündet hat. Die ganze Stadt hat tagelang darüber gesprochen. Das war ein wahnsinnig cooles Ereignis, eines der schönsten meiner Sportlerkarriere. In diesen Zeiten möchte ich, dass wir etwas dafür tun, dass diesen positiven Emotionen mehr Raum zur Entfaltung gegeben wird. Wie schön wäre es, wenn wir in Schleswig-Holstein, im glücklichsten Bundesland Deutschlands, damit anfangen.

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