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Karin Prien

19.07.2024 Sitzungen 20/65

Ich würde gerne fortfahren. (Martin Habersaat [SPD]: Überraschend!) Ich darf Sie bitten, in dieser Debatte zwischen den verschiedenen Problemlagen zu differenzieren, die wir haben. Ich will dazu ein paar Zahlen nennen. Schleswig-Holstein ist inzwischen das einzige Land, das das Programm Aufholen nach Corona noch finanziert – das darf ich der Finanzministerin gar nicht sagen. (Heiterkeit – Annabell Krämer [FDP]: Mit Notkrediten!) Das führt dazu, dass wir überdurchschnittlich viele Vertretungskräfte, die aber keine Lehrkräfte sind – niemand hat jemals behauptet, dass das Lehrkräfte sind –, dass wir überdurchschnittlich viele Unterstützungspersonen im System haben. Zum Beispiel 168 ukrainische Unterstützungskräfte, die wir nicht als Lehrkräfte beschäftigen, weil sie die deutsche Qualifikation nicht haben. Bevor Sie fragen, wieso wir die nicht langfristig einstellen – denen bieten wir gerade ein Programm an, um den Übergang ins deutsche System zu schaffen. Das machen wir, diese Flexibilisierung machen wir. Wir haben darüber hinaus rund 250 zusätzliche Unterstützungskräfte – meistens sind es Studierende –, die dabei helfen, dass die Kinder ihre Lernrückstände nach Corona bearbeiten können. Deswegen haben wir überdurchschnittlich viele Vertretungskräfte im System. Wenn Sie mich fragen: Ich finde das gut so, denn wir haben nach Corona immer noch eine ganze Menge nachzuholen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wenn Sie mir auf diesem Weg der Differenzierung folgen mögen: Ja, unter den 4.178 befristet eingestellten Vertretungslehrkräften – wohlgemerkt immer mit einem Befristungsgrund: Krankheit, Schwangerschaft oder Ähnliches – sind rund 1.000 voll ausgebildete Lehrkräfte. Wir versuchen, ihnen über Flexibilisierung zwischen den Schularten, über Weiterbildungsangebote einen Zugang zu unserem Schuldienst zu ermöglichen. (Ministerin Karin Prien) Knapp 2.000 Personen haben einen Hochschulabschluss, aber nicht für das Lehramt. Da gibt es die Möglichkeit über den Quer- und Seiteneinstieg. Auch diese Möglichkeit eröffnen wir in großem Maße. Und es gibt rund 11.000 Personen, die keine akademische Ausbildung haben, die eine andere Profession haben. Wir versuchen nicht, sie ohne akademische Ausbildung krampfhaft zu Lehrkräften zu machen, sondern wir wollen ihnen andere Anschlussperspektiven bieten. Wir werden das in Zukunft im Haushalt transparenter abbilden. Denn die Verwirrung, das seien alles Vertretungslehrkräfte und damit Lehrkräfte oder Menschen, die man dazu machen könnte, müssen wir beenden. Wir müssen einen größeren Respekt vor den Menschen entwickeln, die an Schulen arbeiten, aber keine akademische Ausbildung haben und ihnen entsprechende Laufbahnen bieten. Daran arbeiten wir zurzeit. Meine Damen und Herren, das ist der richtige Weg. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dazu gehören natürlich auch Unterstützungsangebote für alle Menschen, die aushilfsweise an Schulen arbeiten. Das IQSH-Onlineveranstaltungsangebot ist bereits erwähnt worden. Es ist ein gutes Programm, das auch gut angenommen wird. Der Handlungsplan Lehrkräftegewinnung ist nichts, das statisch wäre, meine Damen und Herren. Wir sind ständig dabei, zu überprüfen, wo wir zu weiteren Flexibilisierungen kommen können, wo wir es schaffen können, vertretbare Zugänge zu bieten. DaZ ist bereits genannt worden. Das Lehrkräftebildungsgesetz werden wir ändern. Bei den Musiklehrern – dazu hatte ich auch schon etwas gesagt – prüfen wir zurzeit, ob der Direkteinstieg als Lehrkraft an den Grund- und Gemeinschaftsschulen vertretbar ist. An den beruflichen Schulen machen wir das bereits. Die Doppellehrkraft für Mathematik und Informatik ist in der Vorbereitung – so wie viele andere Dinge auch. Sie sehen, dass wir drei Wege gehen. Erstens versuchen wir, möglichst viele Lehrkräfte, die eine volle, grundständige Ausbildung haben, über Flexibilisierung in Bereiche zu bringen, für die sie nicht studiert haben, zweitens ermöglichen wir Menschen mit einer vollen akademischen Ausbildung über einen entsprechenden Seiten‑, Quer- und jetzt auch Direkteinstieg den Zugang ins Lehramt und drittens eröffnen wir dem Personal, das wir außerdem an Schulen haben – das wir brauchen, weil Schule immer mehr Erziehung und nicht nur Bildung macht –, neue Laufbahnen. Das ist unser Weg. So werden wir weitermachen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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