Karin Prien
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich will zunächst einmal versuchen, ein bisschen Licht in den Sachverhalt zu bringen. Wir sprechen heute zum einen über Vertretungslehrkräfte. Das sind Lehrkräfte – die Betonung liegt auf „Lehrkräfte“ –, die, weil es einen Befristungsgrund gibt, zum Beispiel Erkrankung, Schwangerschaft oder ähnliche Sachverhalte, über einen gewissen Zeitraum vertreten müssen. Die braucht man immer bei einem so großen Personalkörper, gerade auch weil wir sehr viele jüngere Frauen im Grundschulbereich haben. Es gibt viele Schwangerschaften, wir brauchen hier Vertretung. Da ist von vornherein klar, dass es sich um eine befristete Beschäftigung handelt. Zum anderen sprechen wir über die Frage, welche Profession wir heute an Schule brauchen und welche Laufbahn wir dafür eröffnen. Denn die Realität ist – das ist zu Recht angesprochen worden –: Wir haben längst nicht nur Lehrkräfte an den Schulen, sondern wir haben viele andere Professionen: Erzieherinnen und Erzieher, Heilpädagogen und andere. Denen bieten wir bisher – auch aus meiner Sicht – keine ausreichenden Weiterbildungs- und Entwicklungsoptionen. Das wollen und müssen wir ändern. Denn das Bild, das wir in Zukunft an Schule sehen werden, wird ein deutlich multiprofessionelleres Bild sein. Ich berichte oft von meinem Kanadabesuch: Dort ist es so, dass regelhaft etwa 70 Prozent des Personals an Schulen Lehrkräfte sind und die übrigen Professionen von anderen, zum Teil nicht akademischen Fachkräften wahrgenommen werden. Das Herabblicken auf Zahnarzthelferinnen, wie wir es heute Morgen gehört haben, und damit auf Men-4898 Schleswig-Holsteinischer (Ministerin Karin Prien) schen, die eine berufliche Ausbildung absolviert haben, finde ich falsch. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD – Martin Habersaat [SPD]: Genau!) – Herr Habersaat, jetzt ist die Frage – und da unterscheiden wir uns –: Ist es wirklich der richtige Weg – da bin ich sehr bei Frau Nitsch –, dass wir bei Menschen mit einer dualen Ausbildung, bei Menschen mit einer vollschulischen Ausbildung, zum Beispiel im Erziehungsbereich, den Eindruck erwecken, als könnten die irgendwann Lehrkräfte werden? – Nein, das können sie nicht. Sie können an Schule arbeiten und dort ihre Kompetenzen einbringen, aber sie können nicht als Lehrkraft arbeiten – es sei denn, sie lassen sich auf ein Weiterbildungsangebot ein, das mit einem Studium und einem Referendariat verbunden ist, einem mit dem Vorbereitungsdienst vergleichbaren Weg. Ich glaube, dass wir in dieser wichtigen Debatte – ich bin froh, dass wir sie miteinander führen – die Frage beantworten müssen: Wollen wir bei den Qualitätsstandards in der Lehrkräftebildung im Regelfall Abstriche machen, oder wollen wir die nicht machen? Das ist doch die entscheidende Frage. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wenn Sie mich fragen: Ich will diese Abstriche im Regelfall nicht machen. Trotzdem sage ich – da bin ich bei Ihnen, Herr Dolgner –: Wir haben inzwischen verschiedene, andere flexible Zugänge zum Beruf. Damit beschäftigen wir uns in unseren Paketen zum Handlungsplan Lehrkräftebildung seit Jahren. Es geht darum, wie wir die Zugänge zum Lehrkräfteberuf flexibilisieren. Wie flexibilisieren wir zwischen den einzelnen Schularten? Wie flexibilisieren wir zwischen den einzelnen Fächern? Wie bieten wir Menschen die Möglichkeit, ein drittes oder viertes Fach außerhalb des Lehrkräftestudiums zu erwerben? Selbstverständlich werden wir DaZ als Fach einführen. Sie wissen doch, dass wir dafür das Lehrkräftebildungsgesetz ändern müssen. Den entsprechenden Entwurf werden wir nach der Sommerpause vorlegen. Natürlich werden wir zukünftig auch den Musikpädagogen die Möglichkeit geben, als Ein-FachLehrer tätig zu sein, genau genommen als DoppelFach-Lehrer; das ist nämlich die Voraussetzung für eine gleichwertige Besoldung, Frau Nitsch; sonst funktioniert das nicht. (Wortmeldung Martin Habersaat [SPD])
