Dr. Kai Dolgner
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Kollege Balasus, lieber Kollege Krüger: Vielen Dank für Ihre Wortbeiträge. Wenn ich mal Beispiele für die rhetorischen Figuren Nebelkerze, Pappkamerad und Derailing brauche, um zu erklären, was das ist, werde ich Ihre Wortbeiträge reichlich nutzen, denn genau das war das. 4896 Schleswig-Holsteinischer (Dr. Kai Dolgner) (Beifall SPD, SSW und Christopher Vogt [FDP]) Liebe Kollegen von der CDU und den Grünen: Eigentlich ist Ihr ganzer Antrag ein Derailing. Sie wollen über Multiprofessionalität sprechen und werfen uns vor, dass wir das nicht tun in Bezug auf einen Antrag, den wir zum Thema Weiterqualifikation von Vertretungslehrkräften gestellt haben. In allen sechs Punkten beschäftigt sich der Antrag mit Weiterqualifikation oder Basisqualifikation. Lustig daran ist, dass der Kollege Balasus einerseits, um den Antrag abzulehnen, ausführt, es gehe um Qualifikation. – Ja, genau, tut es. Da müssten Sie eigentlich zustimmen. Anderseits sagt der Kollege Krüger dann – und zwar praktisch wörtlich –: „Die braucht man nicht zu qualifizieren, die sind qualifiziert, die haben ja schon einen Master“, um sich dann zu überlegen, dass er keinen weiteren Qualifikationsweg will. (Martin Balasus [CDU]: Alles in einen Topf werfen! Das können Sie! – Weitere Zurufe CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Jetzt bin ich dran. Stellen Sie mir eine Zwischenfrage! Ich lasse sie sogar zu. (Uta Wentzel [CDU]: Ach, Gott!) – Ja, machen Sie es doch, statt zu stöhnen! Das ist nicht besonders stark, Frau Kollegin. (Martin Balasus [CDU]: Kollege!) – Mit dem Stöhnen habe ich Ihre Sitznachbarin gemeint. Das wird jetzt langsam albern. (Zurufe und Heiterkeit CDU) Die Gefahr der Doppelstrukturen zu sehen, Herr Kollege Krüger, ist typisch deutsch. (Uta Wentzel [CDU]: Es wird nicht besser!) Was bedeutet es denn? Mehrere Wege könnten zum Ziel führen. – Oh Gott! Statt dass wir mehrere Wege aufmachen, beenden wir einfach einen Weg, indem wir nämlich nach fünf Jahren sagen: Jetzt ist Schluss. Ich hätte Sie übrigens fragen wollen: Sind für Sie fünf Jahre wirklich kurzfristig? – Das ist, finde ich, eine interessante Definition von „kurzfristig“. – Sie schütteln den Kopf. Sie hätten die Zwischenfrage ja zulassen können. Das heißt also mit anderen Worten: Nach fünf Jahren ist der Weg dann beendet, weil da die entsprechende Qualifikation für die Dauerstelle – natürlich nur in Deutschland – nicht erworben wurde. Ich habe mal als Programmkoordinator – noch vor Bologna – einen konsekutiven Master eingeführt. Ein weiteres Ziel, das leider etwas gescheitert ist – nicht weil es nicht sinnvoll gewesen wäre –, war, dass man Diplomingenieuren über einen Aufbaumaster die Promotionsfähigkeit vermittelt. Das sollte aber alles streng getrennt sein. Das ist nicht nur unmodern, sondern das macht fast der ganze Rest der Welt auch nicht so. Es geht nicht um Doppelstrukturen, es geht darum, dass Menschen, die beispielsweise in einem späteren Lebensabschnitt oder aus anderen Gründen entsprechend in den Beruf hineingehen wollen, die Qualifikationsmöglichkeiten in dem Beruf bekommen. Das ist bei anderen Berufen gar kein Problem, selbst in Deutschland nicht. Nur im Bereich des Lehramts sagen wir: Uns ist die Lücke lieber, als demjenigen eine Chance zu geben, den wir fünf Jahre wie im Bereich der Grundschul- und Musiklehrer schon haben unterrichten lassen. Das ist die Lücke. Es kommt uns nicht darauf an, was die Menschen zu dem Zeitpunkt können, welche Qualifikation sie haben, sondern wie sie die Qualifikation erworben haben.
