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Martin Habersaat

SPD 19.07.2024 Sitzungen 20/65

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wenn Sie zum Zahnarzt gehen, wollen Sie doch auch nicht, dass die Sprechstundenhilfe Sie behandelt. (Dr. Bernd Buchholz [FDP]: Kommt darauf an! – Heiterkeit) Das ist ein Satz, an den sich erstaunlich viele Vertretungslehrkräfte in Schleswig-Holstein erinnern, wenn sie über Telefonate mit dem Bildungsministerium über die Frage, wie es mit ihnen perspektivisch weitergeht, reden. Das ist ein Satz, an dem sich einiges klarmachen lässt, zum Beispiel die Haltung mit der vom Ministerium aus momentan auf diese Leute geschaut wird, ohne die an den Schulen nichts geht. Ach, die kleine Sprechstundenhilfe will Zahnarzt werden! Na ja. Es ist aber auch ein Satz, an dem sich klarmachen lässt, wie die Lage an den Schulen eigentlich ist, denn momentan sind die Sprechstundenhilfen an unseren Schulen als Zahnärzte im Einsatz. Das Erstaunliche ist, sie sind es ungefähr fünf Jahre lang und dürfen es dann nicht mehr sein. Und das ist absurd. (Beifall SPD) Ungefähr jede zehnte Lehrkraft an unseren Schulen ist momentan gar keine richtige Lehrkraft. Jede zehnte Lehrkraft! An den Grundschulen sind es 16 Prozent der Menschen, die dort als Lehrerinnen und Lehrer arbeiten, die gar keine Lehrerinnen und Lehrer sind. Im gesamten Schuljahr 2022/23 hatten wir in Schleswig-Holstein 4.325 Vertretungslehrkräfte. Allein zum Stichtag 1. Oktober 2023 waren es 4.487. – Alleine an einem Stichtag waren es mehr als im gesamten Schuljahr davor. Davon waren 3.127 Menschen ohne Lehramtsausbildung. Momentan nimmt die Landesregierung in Kauf, dass diese Leute fünf Jahre lang Lücken stopfen und genutzt werden, um nach fünf Jahren aussortiert und nicht etwa durch richtige Lehrkräfte ersetzt zu werden, sondern durch andere Vertretungslehrkräfte, denen diese fünfjährige Erfahrung fehlen. Die Schulen sind in Not, die Vertretungslehrkräfte sind mit ihrer Lage äußerst unzufrieden, Schülerinnen und Schüler und Eltern sind verzweifelt. Entsprechende Briefe erreichen uns in großer Anzahl immer kurz vor den Sommerferien, in denen es dann heißt: Frau Müller, Herr Schmidt haben jetzt drei Jahre lang als Klassenlehrkraft gearbeitet und sollen nun gehen. Bitte helfen Sie uns! Was sind das für Leute? Wie geht es ihnen? Was muss getan werden? – Dazu haben wir als SPDLandtagsfraktion einen Runden Tisch mit über 70 Teilnehmern veranstaltet: Schulleitungen, Vertretungslehrkräfte, gewerkschaftliche Vertretung, Verbände. Natürlich waren alle in gewerkschaftlicher oder privater Funktion da, denn ansonsten würden Sie eine Abmahnung vom Ministerium bekommen. Das sind zum Beispiel studierte Musikpädagoginnen, die in Flensburg Musikpädagogik studiert haben, um Musiklehrerin zu werden, allerdings an einer Musikschule und nicht an einer Grundschule. Dann arbeiten die an einer Grundschule in Stormarn fünf Jahr lang, bauen da den Musikraum auf, den es vorher nicht gab, weil es vorher keine Musiklehrkraft gab, bekommen dann den Vertrag nicht verlängert, weil sie sich ja nach diesen fünf Jahren auf eine unbefristete Stelle klagen könnten, und gehen. Hamburg stellt sie ein und freut sich wahnsinnig über eine berufserfahrene Grundschullehrkraft in Musik – die auch in Hamburg knapp sind. An besagter Grundschule in Stormarn findet dann aber kein Musikunterricht mehr statt. Das ist uns lieber, 4888 Schleswig-Holsteinischer (Martin Habersaat) als diese Menschen unbefristet zu beschäftigen. Warum? (Beifall SPD und SSW) Da gibt es in Ahrensburg eine junge Frau, die hat DaZ, Deutsch als Zweitsprache, studiert und unterrichtet in einer beruflichen Schule DaZ, Deutsch als Zweitsprache – den ganzen Tag lang. Die macht das, was sie studiert hat, ehrlicherweise deutlich besser als viele andere Kolleginnen und Kollegen, die keine studierten DaZ-Lehrkräfte sind. Aber sie ist ja keine richtige Lehrkraft, und deswegen hat sich das bald mit ihrer DaZ-Tätigkeit erledigt. Das ist absurd, und das können wir uns nicht mehr leisten, meine Damen und Herren. (Beifall SPD) Was wir Ihnen heute vorgelegt haben, ist eigentlich ein Geschenk. Die Opposition hilft Ihnen dabei, eines Ihrer größten Probleme, zumindest ein bisschen, in den Griff zu bekommen. Wichtige Gewerkschaften wie die GEW haben dem Weg zugestimmt, was nicht einfach ist. Natürlich wünschen wir uns alle vollausgebildete Lehrkräfte überall, aber sie sind nicht da. Deswegen müssen wir damit aufhören, die anderen schäbig zu behandeln. Wir müssen neue Wege finden. Dafür liegt unser Antrag vor. Der Alternativantrag der Koalition, meine Damen und Herren, kam nicht nur empörend spät, heute um 9:40 Uhr, sondern geht auch am Thema vorbei. Schauen Sie sich den mal an. Das hat nichts mit dem zu tun, über das hier eigentlich heute geredet werden sollte. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Anhaltender Beifall SPD und Beifall FDP)

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