Dagmar Hildebrand
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Auch diesen Wortbeitrag halte ich sehr gern stellvertretend für meinen Kollegen Hauke Hansen. In dem Bericht der Landesregierung geht es um die Nachwirkungen der Coronapandemie, im Besonderen um die Situation von Post-Covid- und ME/CFSErkrankten – vielen Dank für die Aussprache, Frau Ministerin, das traue ich mich nicht. Die Coronapandemie hat tiefe Spuren in unserer Gesellschaft hinterlassen. Neben den akuten Krankheitsverläufen kämpfen viele Menschen bis heute mit langfristigen Folgen der Infektion. Diese Langzeitfolgen, bekannt als Long-Covid- oder Post-Covid-Syndrom, beeinträchtigen das Leben zahlreicher Bürgerinnen und Bürger erheblich. Long Covid betrifft Menschen, die noch Wochen oder sogar Monate nach der Infektion unter gesundheitlichen Beschwerden leiden. Das Post-Covid-Syndrom geht dabei noch weiter: Hier dauern die Symptome mindestens zwölf Wochen an und können das tägliche Leben dauerhaft und sehr stark einschränken, mit allen negativen Folgen für die Teilhabe am familiären und gesellschaftlichen Leben, aber auch für die Erwerbstätigkeit. Besonders besorgniserregend ist die Zunahme von Fällen des Chronischen Fatigue Syndroms. Diese schwere und chronische Erkrankung führt zu besonders schneller und langanhaltender Erschöpfung, sodass ein normaler Alltag für die Betroffe- (Dagmar Hildebrand) nen kaum noch zu bewältigen ist. Frau Pauls hat Beispiele genannt, die uns auch vorgetragen wurden. Sie gehen uns wahnsinnig ans Herz. All die Zahlen und Fakten im Bericht lassen uns aber nur erahnen, welche menschlichen Schicksale und Folgen mit diesen Erkrankungen verbunden sind: für die erkrankten Menschen, aber auch für ihre Familien, Freunde und ihr Umfeld. Betroffene leiden unter extremer Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und körperlich starken Schmerzen. In einigen Fällen haben die Betroffenen – teilweise sehr junge Menschen – die Hoffnung auf Heilung aufgegeben. Diese Menschen sind zum Teil des Lebens müde. Meine Damen und Herren, das können wir nicht hinnehmen! Es ist unsere Pflicht, diesen Menschen die notwendige Unterstützung anzubieten. Schleswig-Holstein hat bereits Schritte unternommen. Wir sind mit Spezialambulanzen wie in Kiel und Lübeck – Frau Professor von der Decken hat es genannt – aufgestellt, um umfassende Diagnostik und Therapieangebote bereitzustellen, und auf einem guten Weg. Es ist ein Anfang. Diese Einrichtungen bieten nicht nur medizinische Versorgung, sondern auch erste therapeutische Maßnahmen, um den Betroffenen wieder ein Stück Lebensqualität zurückzugeben. Darüber hinaus werden konkret Forschungsprojekte wie FRISH oder COVIDOM gefördert. Sie zielen darauf ab, die Grundlagen dieser Krankheiten besser zu verstehen und zu erforschen, neue Behandlungsansätze zu entwickeln und dabei Therapien und Versorgung zu verbessern. Stand heute sind Behandlungsmöglichkeiten noch nicht ausreichend erforscht. Gerade das ist wichtig, um hier große Schritte weiter voranzugehen. Wir müssen sicherstellen, dass unsere Unterstützung alle Altersgruppen erreicht; vor allem Kinder und Jugendliche dürfen wir hier nicht außer Acht lassen. Sie brauchen konkrete, teils intensive und individuelle Hilfsangebote, um zum Beispiel ihren Schulalltag trotz gesundheitlicher Einschränkungen bewältigen zu können. Wenn man nun mit den Betroffenen spricht, ich nenne zum Beispiel Mitglieder der Gruppe NichtGenesen, dann stellt man fest, diese Menschen wünschen sich nichts Besonderes. Sie wünschen sich einfach nur ihr altes Leben zurück. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass diese Menschen in unserem Land die Hilfe erhalten, die sie brauchen. Erst wenn dies erfolgt, können wir die Nachwehen der Pandemie hinter uns lassen. – Vielen Dank. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD)
