Beate Raudies
Der Minister hat die vereinbarte Redezeit um 30 Sekunden erweitert. Diese Zeit stände jetzt auch den Fraktionen zur Verfügung. – Ich sehe nicht, (Vizepräsidentin Beate Raudies) dass davon Gebrauch gemacht wird. Weitere Wortmeldungen liegen mir nicht vor. Ich schließe die Beratung. Der Ausschuss empfiehlt, den Antrag Drucksache 20/374 sowie den Alternativantrag Drucksache 20/526 mit Zustimmung der Antragsteller für erledigt zu erklären. Wer zustimmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. – Das sind die Fraktionen von CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, FDP und SSW. Das ist also einstimmig so beschlossen. Mit der Drucksache 20/2314 haben die Mitglieder des Wirtschafts- und Digitalisierungsausschusses dem Landtag einen Entschließungsantrag mit der Bitte um Übernahme und Zustimmung vorgelegt. Wer dieser Entschließung zustimmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sind die Fraktionen von CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, FDP und SSW. Der Entschließungsantrag ist damit einstimmig angenommen. Bevor wir zum nächsten Tagesordnungspunkt kommen, begrüßen Sie bitte mit mir auf der Besuchertribüne Vertreter_innen der Patientenorganisation NichtGenesen. – Herzlich willkommen im Schleswig-Holsteinischen Landtag! (Beifall) Ich rufe Tagesordnungspunkt 38 auf: Bericht zur Situation von Post-Covid und ME/CFS Erkrankten in Schleswig-Holstein Bericht der Landesregierung Drucksache 20/2094 Ich erteile zunächst der Ministerin für Justiz und Gesundheit, Frau Dr. von der Decken, das Wort. Dr. Kerstin von der Decken, Ministerin für Justiz und Gesundheit: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Während der Coronapandemie ist es mit zum Teil einschneidenden Maßnahmen gelungen, die Gesundheit vieler Menschen zu schützen und eine Überlastung des Gesundheitssystems abzuwenden. Ebenso hat eine sehr erfolgreiche Impfkampagne dazu beigetragen, die Verbreitung des Virus zu verzögern und die Zahl schwerer Erkrankungen zu reduzieren. Die Krankheitsverläufe nach einer Coronainfektion waren sehr unterschiedlich. Sie reichten von asymptomatisch über mild bis sehr schwer, sodass Patientinnen und Patienten zum Teil auch stationär und intensivmedizinisch behandelt werden mussten. Viele sind an den Folgen einer Coronainfektion sogar verstorben. Die pandemische Lage ist überwunden. Trotzdem leiden einige Menschen auch heute noch unter den Folgen einer Coronainfektion. Sie sind an einem Post-Covid-Syndrom erkrankt und haben nach wie vor Beschwerden unterschiedlicher Symptomatik und Ausprägung. Zu ihnen gehören auch Menschen mit Myalgischer Enzephalomyelitis beziehungsweise dem Chronischen Fatigue Syndrom kurz ME/CFS. Es handelt sich um schwere neuroimmunologische Erkrankungen, die zu erheblicher körperlicher Behinderung führen können. Häufig leiden die Betroffenen unter schwerwiegender körperlicher Schwäche, sogenannter Fatigue. Die Symptome können sich zudem nach geringer körperlicher oder geistiger Anstrengung verschlimmern. Es ist nicht genau bekannt, wie viele Menschen an einem Post-Covid-Syndrom erkrankt sind, auch deshalb, weil von einer Dunkelziffer an Erkrankten auszugehen ist. Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass die Häufigkeit des Post-Covid-Syndroms nicht verlässlich geschätzt werden könnte, da bisher repräsentative epidemiologische Studien fehlten. Patientinnen und Patienten mit Post-Covid-Syndrom werden grundsätzlich im ambulanten Bereich behandelt. Um die Versorgung im ambulanten Bereich gut aufeinander abzustimmen, hat die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein ein PostCovid-Netzwerk etabliert. In diesem können sich niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Rehabilitationseinrichtungen und Kliniken eintragen lassen. Es finden dann im Rahmen dieses Post-Covid-Netzwerkes regelmäßige Treffen und fachliche Austausche statt. Für Patientinnen und Patienten, die schwerer an einem Post-Covid-Syndrom beziehungsweise ME/CFS erkrankt sind und bei denen eine spezialisierte Diagnostik und Behandlung erforderlich sind, wurde in Schleswig-Holstein ein zusätzliches Angebot geschaffen. So gibt es am UKSH Kiel eine Post-Covid-Ambulanz für Erwachsene und am UKSH Lübeck eine Post-Covid-Ambulanz für Kinder und Jugendliche. Bei Bedarf können die Patientinnen und Patienten an die Post-Covid-Ambulanzen überwiesen werden. Diese beiden spezialisierten Zentren bieten eine interdisziplinäre und sektorenverbindend angelegte, umfassende Unter- (Ministerin Dr. Kerstin von der Decken) suchung und Behandlung. Es handelt sich um ein ambulantes und tagesstationäres Angebot mit der Möglichkeit, schwererkrankte Patientinnen und Patienten in eine stationäre Einrichtung zu überweisen. Die beiden Zentren arbeiten auch mit bestehenden Rehabilitationszentren und Kliniken zusammen. Den Aufbau dieser beiden Ambulanzen hat die Landesregierung mit rund 2 Millionen Euro gefördert. Vollständig erforscht sind das Post-Covid-Syndrom und das ME/CFS noch nicht, auch weil die Symptome so vielschichtig sind. Deshalb ist das Ziel, noch mehr Erkenntnisse zu gewinnen, um Behandlungsmethoden weiterzuentwickeln und die Versorgung weiter zu verbessern. Vor diesem Hintergrund fördert die Landesregierung entsprechende Forschungsprojekte im Land. Welche sind das? Das Follow-Up of Respiratory Infections in Schleswig-Holstein, das sogenannte FRISH, und das Exzellenzcluster Infektionsmedizin für chronische Infektionserkrankungen PMI. Auch werden wichtige Erkenntnisse aus dem Projekt COVIDOM gewonnen, welches am UKSH Kiel durchgeführt wird. Darüber hinaus befindet sich mein Haus in einem stetigen und engen Austausch mit Expertinnen und Experten des UKSH, damit die Versorgungslage auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung ausgerichtet wird. Meine Damen und Herren, mit dem zusätzlichen Behandlungsangebot, den beiden Post-Covid-Ambulanzen und den Forschungsprojekten sind in Schleswig-Holstein bereits wichtige Maßnahmen ergriffen worden. Auch im bundesweiten Vergleich stehen wir durchaus gut da. Aber wir wissen alle, dass weiter Forschungsbedarf besteht. Es besteht weiter Handlungsbedarf. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen. – Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
