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Karin Prien

18.07.2024 Sitzungen 20/64

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Bundesjugendspiele, so haben wir heute alle wieder erfahren können, gehören zu unser aller Kindheits- und Jugenderinnerungen, und diese Erinnerungen sind offensichtlich ganz unterschiedlich. Während die einen das großartig fanden – ich zum Beispiel fand es super, vor allem Kugelstoßen fand ich großartig –, (Dr. Kai Dolgner [SPD]: Ich fand Mathe super!) fanden es andere damals schon furchtbar, und zwar nicht nur wegen demütigender Erfahrungen, sondern vor allem wegen der langen Warterei vor den Stationen, das muss man auch mal sagen. Wir können, glaube ich, alle wirklich Geschichten darüber erzählen. (Eka von Kalben [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt!) Das wollen wir aber heute nicht. Wir befinden uns in einer Landtagsdebatte. Wir alle haben eine persönliche Erfahrung. – Leute, worüber reden wir? – Wir reden über einen einzigen Tag im Jahr, wir reden nicht über die Bewertung des gesamten Sportunterrichts, wir reden nicht über die vielen anderen Sportwettbewerbe, die stattfinden, wir reden nicht über die Schulen, die sich dem Leistungssport verpflichtet fühlen. Nein, wir reden über einen einzigen Tag im Jahr. (Dr. Kai Dolgner [SPD]: Über zwei Tage!) Ich bin dem Kollegen Harms echt für den Versuch dankbar, die Debatte ein bisschen herunterzukochen und zu versachlichen, denn diese Debatte – das muss man ja sagen – wird in Deutschland geführt, als ginge es quasi pars pro toto um die Zukunft dieser Nation. Ich sage Ihnen, meine Damen und Herren: Darum geht es an dieser Stelle nicht. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW) Ich bin der FDP wahnsinnig dankbar, dass sie das Thema zum Gegenstand der Debatte gemacht hat, damit wir einmal darüber sprechen können, worum es eigentlich geht. Nein, es geht nicht um die Abschaffung der Bundesjugendspiele, nein, es geht nicht um die Abschaffung des Leistungsprinzips, sondern es geht um die Austragungsform in den Klassen 3 und 4, und bitte nur für die Sportdisziplinen Leichtathletik und Schwimmen. Es geht nicht um Tanzen, es geht nicht um Spielen, es geht nicht um Fußball und auch nicht um Basketball. Es geht nur um Leichtathletik und Schwimmen, und es geht um etwas, das seit 20 Jahren ohne irgendeine Debatte so gemacht wurde: Der Wettbewerb war seit über 20 Jahren die empfohlene Form durch die Sportverbände und die Träger der Bun- (Ministerin Karin Prien) desjugendspiele – darauf komme ich gleich noch einmal zu sprechen. Bis zum Jahr 2021 gab es beide Formen nebeneinander, nach einer Übergangsfrist soll nur noch der Wettbewerb – noch einmal: wir reden nur über die Klassen 3 und 4 – durchgeführt werden. Was ist denn eigentlich Wettkampf und Wettbewerb? Auch dazu habe ich heute hier noch gar nichts gehört. – Beim Wettkampf und beim Wettbewerb messen sich Schülerinnen und Schüler im sportlichen Vergleich. Es geht da auch um Leistung, und das ist richtig so, aber es geht eben auch um Motivation und Freude an Bewegung. Es gibt Gewinnerinnen und Gewinner in beiden Austragungsformen, und es gibt auch immer diejenigen, die als Letzte ins Ziel kommen. Das ist so. Aber wir wollen doch, und zwar gerade in den Zeiten, in denen es immer mehr Kinder gibt, die eben nicht von Zuhause aus wie selbstverständlich mit vier, fünf oder sechs Jahren in den Sportverein gebracht werden, möglichst viele Kinder erreichen und für Bewegung und Sport begeistern. Es geht darum, Kinder, die zunehmend unter Adipositas leiden, mehr in Bewegung zu bringen. Es geht darum, Kinder in Zusammenhänge zu bringen, in denen sie Kameradschaft, Sportgeist und Fairness lernen. Das muss doch unser Ziel sein. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW) Wir haben doch heute andere Kinder als noch vor 40, 50 Jahren. Genau das muss doch Ziel der Bundesjugendspiele sein. Jetzt noch einmal dazu: Was sind denn eigentlich die Bundesjugendspiele? Das ist eine gemeinsame Trägerschaft von BMFSJ und dem DOSB, den dort organisierten 67 Sportverbänden, und der KMK. Die KMK ist mit einem Drittel, übrigens auch stimmrechtstechnisch, dort vertreten. Die KMK wird bei den entscheidenden Sitzungen von der Sportkommission vertreten. Dort sind die Sportfachreferenten vertreten. Und nein, ich habe die Entscheidung im Jahre 2021/22 nicht getroffen. Ich hätte sie – das wissen die Damen und Herren aus der Sportkommission – auch nicht so getroffen. Deshalb waren wir zugegebenermaßen im letzten Jahr sehr überrascht, als diese sehr aufgeregte Diskussion entstanden ist. Warum hätte ich die Entscheidung so nicht getroffen? Ich weiß, dass die Sportverbände diese Austragungsform des Wettbewerbs in den Klassen 3 und 4 ausschließlich für die beiden Disziplinen empfehlen, und das übrigens auch schon seit über 20 Jahren. Ich glaube aber, ein Instrument wie die Bundesjugendspiele, das sehr alt ist, braucht eine breite gesellschaftliche Akzeptanz. Deshalb spricht überhaupt nichts dagegen, diesen Wettbewerb nach wie vor so weiterzuführen, dass Schulen, die über die entsprechenden Sportanlagen verfügen – man braucht nämlich auch bestimmte Sportanlagen, um den Wettkampf überhaupt durchführen zu können – und meinen, das ist der richtige Weg für ihre Schule, ihn so durchführen können, und die, die meinen, dass für ihre Schülerschaft der Wettbewerb die richtige Form ist, sollen auch das tun können. (Beifall Silke Backsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) – Danke schön für die Zustimmung auch von den Grünen. Dafür setzt sich die KMK ein. Dafür setzt sich die Sportkommission ein. Die Sportkommission hat im Auftrag der KMK in der entsprechenden Sitzung zur Ausschreibung für das nächste Schuljahr ein Veto eingelegt. Die beiden anderen Partner dort sind aber dezidiert anderer Meinung. Wir als KMK werden – dafür setze ich mich als B‑Koordinatorin ein, und zwar schon seit dem letzten Sommer, Herr Vogt – jetzt noch einmal mit den Partnern in dem Konsortium ins Gespräch gehen, und wir werden darüber sprechen, wie wir zu einer gesellschaftlich akzeptierten Ausschreibung für die Bundesjugendspiele im nächsten Schuljahr kommen; denn es geht so wirklich nicht, dass die Kultusministerkonferenz beziehungsweise die Kultusminister für etwas verantwortlich gemacht werden, was sie so nicht vertreten. Ich würde mich freuen, Herr Vogt, wenn Sie einmal die Gelegenheit wahrnehmen würden, dazu mit den Sportverbänden ins Gespräch zu gehen, die ganz wesentlich dazu beigetragen haben, die bestehende Ausschreibung voranzubringen.

Protokoll ↗