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Martin Balasus

CDU 18.07.2024 Sitzungen 20/64

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es gibt Themen, die erregen und erhitzen die Gemüter. Jeder kann mitreden, jeder hat eine Meinung und man kann sich so richtig schön aufregen. Die Bundesjugendspiele zum Beispiel: Die einen lieben sie, die anderen weniger. Jeder von uns, das ist ja der Grund dafür, hat seine Erfahrungen damit gemacht. Eben habe ich gemerkt, wie sich dazu ausgetauscht wurde, wie es damals war. Mit so einem Thema lässt sich also herrlich Politik machen. Wichtig ist aber, dass man nicht nur markige Phrasen drischt. Das war ja in mehreren Zeitungsartikeln schon seit einem Jahr zu lesen. Wenn ein Sachverhalt komplex ist, muss er auch in Gänze betrachtet werden, und das möchte ich hier nun am Beispiel der Bundesjugendspiele tun. Seit 2001 konnten Grundschulen selbst entscheiden, in welcher Form sie ihre Bundesjugendspiele veranstalten. Je nachdem, was besser zu den Bedarfen der Kinder und natürlich auch zur sportlichen Infrastruktur vor Ort passte, stand Wettkampf oder Wettbewerb im Vordergrund. Nun hat aber nach 20 Jahren das Kuratorium die Ausgestaltung der Spiele verändert. Gemäß der Reform müssen Grundschulen seit diesem Schuljahr Leichtathletik und Schwimmen in Klasse 3 und 4 ausschließlich in Wettbewerbsform ausrichten – also nicht mehr Wettkampf, sondern Wettbewerb. Die Schülerinnen und Schüler treten nur noch innerhalb einer Klasse oder Jahrgangsform gegeneinander an, erhalten so ihre Punkte und entsprechend ihre Urkunden, also Ehren‑, Sieger- und Teilnahmeurkunde. Von festgelegten Leistungsdaten, die bundesweit einheitlich sind, hat man sich also verabschiedet. In meinen Augen ist das eine sportliche Fehlentscheidung. (Beifall FDP und vereinzelt CDU) Wie es in der Presse zu lesen war, spricht mancher auch von einer Aufweichung des Leistungsgedankens. Ich wollte aber etwas genauer darlegen, warum es so gekommen ist. Wer hat diese Entscheidung getroffen? – Im Kuratorium für die Spiele sitzen Vertreter der Kultusministerkonferenz, des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. An der KMK hat es auf jeden Fall nicht gelegen. Deren Sportkommission hat sich – so liest man es aktuell – massiv und nach Leibeskräften für die Wiederzulassung des Wettkampfmodells eingesetzt. (Lukas Kilian [CDU]: Oh!) Die Forderung, die Sie hier erheben, ist also bereits in die Tat umgesetzt. Das Problem liegt aufseiten des DOSB und bei der Mehrheit der Sportverbände. Sie erhoffen sich durch die Reform ein kindund entwicklungsgemäßeres Angebot. In ihren Augen bringen viele Kinder nicht mehr die Voraussetzungen für einen Wettkampf mit. Zu wenig Bewegung, falsche Ernährung, übermäßiger Medienkonsum sind Ursachen. Das stimmt, das trifft auf einige zu. Es trifft aber nicht auf alle zu. Deshalb kann doch nur das Optionsmodell, das sich seit 20 Jahren in der Praxis bewährt hat, die Lösung sein: so viel Wettkampf wie möglich, so viel Wettbewerb wie nötig. Sollen doch die Schulen selbst entscheiden, was für ihre Schülerschaft am besten passt. Zumindest in diesem Fall gilt: Früher war alles – dieses auf jeden Fall – besser. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich wünsche mir, dass sich möglichst viele Schulen für den Wettkampf entscheiden, denn Leistung spielt im Leben eine entscheidende Rolle. Der Wettkampf kann eine wichtige Motivationsquelle sein und zu Höchstleistungen anspornen. (Beifall CDU)

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